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ZURÜCK ZUHAUSE FESTIVAL 2016 – TAG 1

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 16.12.2016

Alle Jahre wieder lädt CASPER zu seinem Zurück Zuhause Festival in den Ringlokschuppen ein. Im Gegensatz zu den vergangenen Veranstaltungen wurde daraus 2016 ein Zweitages Festival und ich war mir nicht ganz sicher, ob es ein Erfolg werden würde. Zumal der Initiator des Spektakels erst am Samstag die Bühne entern sollte und ich von den Combos, die am Freitag spielen sollten, überhaupt noch nichts gehört hatte. Wer ein Zweitages Ticket erstanden hatte, kaufte also die sprichwörtliche Katze im Sack. Zumindest ging es uns so – aber vielleicht treffen wir auch nicht unbedingt das Alter der Zielgruppe. Schauen wir, ob dem wirklich so war.

Als erstes bretterten die niederländischen Hardcore-Grunge Jungs von SWAIN über die Bühne der kleinen Halle. Sie veröffentlichten Anfang September ihren zweiten Longplayer „The Long Dark Blue“, von denen sie einige Songs den etwas mehr als 200 Leuten um die Ohren prügelten. Ob dies das Richtige für eine hauptsächlich Hip-Hop hörende Meute war, sei mal dahingestellt. Nicht nur äußerlich erinnern sie stark an NIRVANA, auch ihre Songs sind melodisch, rotzig und haben eine – „Scheiß drauf“ – Attitüde. Sie sprangen zwischen Grunge: „Punk-Rock Messed You Up, Kid!“, Hardcore: „Asleep“ und Balladen: „Never Clean My Room“ hin und her, was eine gute Abwechslung in den Auftritt brachte. Ein verdammt guter Start in den Abend!

Setlist SWAIN (ohne Gewähr)
Half Asleep / Half Awake
Punk-Rock Messed You Up, Kid!
Nostalgia
Asleep
Never Clean My Room
Seen A Good Man (In A Bad Mood)
Vaarwell
Hold My Head
Hoping For It
Strange Way Down

Nach einer kurzen Umbaupause kam ein eigenartig gekleideter Kerl auf die Bühne zum Soundcheck. Da dachte ich noch: Ach der kann VOODOO JÜRGENS aber gut imitieren. Nachdem der Sound gut abgemischt war, stellte sich der Typ dann aber als VOODOO JÜRGENS himself vor. Der gebürtige Österreicher präsentierte alleine sein erstes Album „Ansa Woar“, nur mit einer Akustik Gitarre bewaffnet, welche er gekonnt zupfte. Auch wenn er zwischendurch nichts selber spielte, erklang eine Gitarre und er sang seine Lieder, größtenteils mit geschlossenen Augen. So schräg sich der Wahl Wiener auf der Bühne gab, so hanebüchen auch seine Songs. Sie handeln von Kneipen, dem Ausgraben von Toten und von Hansi der tragischen Boxer Legende. Verstehen tut man kaum etwas, nicht wegen seiner klaren Stimme sondern aufgrund seines Dialekts, der wie er selbst sagte, auch die Wiener nicht verstehen. Geschunkelt und im Takt geklatscht wurde trotzdem.

Setlist VOODOO JÜRGENS (ohne Gewähr)
In Deiner Nähe
Gitti
3 Geschichtn Ausn Cafe Fesch
Weh Au Weh
Heite Grab Ma Tote Aus
Nochborskinda
Tulln
Hansi Da Boxer

Nach einer weiteren kurzen Pause und einer ähnlich krassen Stil Änderung wie zuvor, kam dann YUNG HURN auf die sehr dunkel gehaltenen Stage geschlurft. Auch dieses Projekt kommt aus Wien, aber im Gegensatz zum vorangegangen Künstler wummerte es jetzt wieder im Saal. Alles wirkt wie eine Schulparty, vorne rappt YUNG HURN zusammen mit einem Kumpel und im Hintergrund stehen 3 Jungs, die trinken und sich cool zum Beat bewegen, die der DJ neben ihnen serviert. Auf seinem Album „ In Memory of YUNG HURN“ kommen die Melodien und der Trap Rap, klarer und deutlicher durch, live wirkt es roher und viel rotziger. Dem jungen Publikum gefällt es und bei „ Chillen“ und „Pillen“ wird lauthals mitgesungen und am Ende sogar noch eine Zugabe gefordert.

Setlist YUNG HURN
Nein
Ferrari
Schöner Stein
Pillen
Hallo Hallo Hüpfmann
FDP
Skrrt Skrrt
Stoli

Den Abschluss des Abends bestritt der deutsche Elektronic Newcomer ROOSEVELT. Sein gleichnamiges Debütalbum belegte in vielen Indiemagazinen vordere Plätze und jetzt wurde es Zeit, die Scheibe zusammen mit seinen beiden Mitstreitern live vorzustellen. Schon die erste EP „Sea“ aus dem Jahre 2012 von Marius Lauber erlangte große Aufmerksamkeit und mittlerweile ist der ehemalige Schlagzeuger von BEAT!BEAT!BEAT jetzt mit ROOSEVELT ein international gefeierter Act. Auch die Zuhörerschar in der Halle hatte sich jetzt mehr als verdoppelt und kam nun in den Genuss eines unglaublichen Sounds, da reicht die Studioproduktion nicht heran. Das Arrangement war glasklar, druckvoll und aufgeräumt, den Dreien machte es sichtlich Spaß, zusammen aufzutreten. Neben dem Gesang wechselte Multiinstrumentalist Lauber zwischen Gitarre und Keyboard hin und her und kündigte dabei nur wenige Songs an, unter anderem „Close“ und „Fever“. Zwischendurch erinnerte er sich auch an seinen Support für die unglaublichen KAKKMADDAFAKKA aus Norwegen hier an gleicher Stelle. Das ist schon ein paar Jährchen her und demnächst ist das Trio um den Wahl Kölner selbst auf Headliner Tour und auch ein Auftritt beim SXSW Festival in Austin Texas steht 2017 an. Zur lautstark geforderten Zugabe klemmte sich der Sänger hinter das Schlagzeug und mit dem WOMACK & WOMACK Klassiker „Teardrops“ wurde das Publikum in die kalte Nacht verabschiedet.

Mit ROOSEVELT stand genau der richtige Headliner für den ersten Tag auf der Bühne, der verdammt viel Spaß gemacht hat, da hat der CASPER ein gutes Händchen bewiesen. Aber so ganz ohne Benjamin Griffey ging der erste Tag doch nicht über die Bühne. Auch er schaute sich die Auftritte der Künstler an, meistens positionierter er sich neben der Stage. Und wer Glück hatte, erwischte ihn oder auch Felix Brummer von KRAFTKLUB im Foyer des Ringlokschuppens, um noch fix ein Foto zu machen. Wir sind gespannt auf den morgigen Tag.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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