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Zurück Zuhause Festival 2018

Ort: Bielefeld - Lokschuppen

Datum: 15.12.2018

Das Zurück Zuhause Festival ist mittlerweile zu einer guten Tradition geworden, denn bereits zum siebten Male lud CASPER kurz vor dem Jahreswechsel ins heimische Bielefeld. Dieses Mal beschränkte sich das ganze Spektakel wieder auf nur einen Tag und wie immer waren die Tickets für dieses Event im Nullkommanix ausverkauft. Neben SWUTSCHER, MIA MORGAN und den LEONIDEN versprach der Headliner einen weiteren Very Special Guest für diesen Abend. Wer die musikalischen Aktivitäten von CASPER in diesem Jahr verfolgt hatte, wusste genau, wer mit ihm zusammen auf der Bühne stehen würde.

Pünktlich um 19 Uhr startete MIA MORGAN ihr halbstündiges Set. Mia Lisa Marie, so der eigentliche Name der Künstlerin aus Kassel, hatte auf Soundcloud und Youtube einige Demos veröffentlicht, auf die CASPER und auch Max Gruber von DRANGSAL aufmerksam wurden und auch Steffen Israel von KRAFTKLUB spielte ihren Song „Waveboy“ in „Radio mit K“. So mit derartigen Vorschusslorbeeren ausgestattet, wurde sie vom Publikum sehr gut aufgenommen und vereinzelt wurde schon zu Beginn „Wiedergänger“ gefordert. Frl. MORGAN – die ihre anfängliche Nervosität abgelegt hatte – wies sichtlich gut gelaunt darauf hin, dass dieser Song später gespielt werden sollte. Mit „Wien“ – ihrer Lieblingsstadt – „Blond“ und „Waveboy“ gab sie einen kleinen Einblick in ihr bisheriges Schaffen und als letzten Track hallte dann endlich „Wiedergänger“ durch den sehr gut gefüllten großen Saal des Lokschuppens. Mal schauen, ob es in absehbarer Zeit auch offizielle Veröffentlichungen seitens MIA MORGAN geben wird, das Zeug dafür hat sie.

Nach der One Woman Show wurde es mit SWUTSCHER voller auf der Bühne. Zu sechst traten die Norddeutschen an, um den Anwesenden ihr Erstlingswerk „Wilde Deutsche Prärie“ näher zu bringen. Der Ruf ihrer wilden Shows eilte der Band schon weit voraus und auch hier und heute sollte sich das nicht ändern. Fast das ganze Jahr waren die Jungs unterwegs, u.a. auch als Support von ISOLATION BERLIN. Ihre Mischung aus Post Punk, Rock und teilweise auch Country kam beim Publikum recht gut an. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Gesang von Fronter Sascha Utech recht nah an Rio Reiser (TON STEINE SCHERBEN) rankam. Neben Songs wie „Aller guten Dinge sind drei“, „Samstagnacht“ und „Im Westen“ vom Album kamen auch die Tracks „Okidoki“ und „Drahtesel“ von der „Wahnwitz“-EP zum Einsatz. Auch ihr größter Fan DRANGSAL erstürmte die Stage und performte einen Song mit SWUTSCHER, um später bei „Bodo“ Sänger Sascha mit einem Bierbong zu überraschen. Nach 45 schweißtreibenden Minuten verabschiedeten sich die Randhamburger und gaben die Bühne für den nächsten Act frei.

Setlist SWUTSCHER (ohne Gewähr)

  • Aller guten Dinge sind drei
  • Okidoki
  • Samstagnacht
  • Drahtesel
  • Karussell
  • Im Westen
  • Faxen dicke
  • V Mann im Blaumann
  • Bodo

Mit den LEONIDEN stürmte die nächste Band aus Norddeutschland die Stage, die aber wurden erst einmal höhnisch vom Publikum mit „Arminia Bielefeld“-Chören begrüßt. Hintergrund der Aktion war der unerwartete Sieg der abstiegsgefährdeten Ostwestfalen tags zuvor gegen die bis dato besser platzierten Kieler in der 2. Bundesliga. CASPER ist nun mal ein riesiger Fan des hiesigen Fußballklubs, genauso wie ein Großteil des heutigen Publikums. Unbeeindruckt vom Empfang legten Lennert Eicke (git), JP Neumann (bass), Felix Eicke(drum), Djamin Izadi (synth) und Jakob Amr (voc, synth) mit „Colorless“ vom aktuellen Longplayer „Again“ los wie die Feuerwehr. Frontmann Jakob Amr sprang und rannte über die Stage, als gäbe es kein Halten mehr. Tags zuvor wurde in ihrer Heimatstadt der Abschluss der diesjährigen Tour zelebriert und man musste sich dort mit dem Feiern zurückhalten, damit auch der heutige Abend perfekt wird – so die Ansage des Fronters ans Publikum. Energiegeladen spielten sich die Fünf durch ihre beiden Alben, wobei Gitarrist Lennart die größte Sorge bereitete: Hoffentlich verletzt er sich und andere nicht beim Herumwirbeln seiner Gitarre und des Micros. Mit ihrem Indie Rock verwandelten sie die Halle in einen regelrechten Hexenkessel und da ließ es sich Jakob auch nicht nehmen – mitsamt eines kleinen Schlagwerkes – über den Köpfen der Fans ein Stagediving hinzulegen. Mit „Alone“, „ Kids“ und den beiden letzten Songs „Nevermind“ und „Sisters“ vom selbstbetitelten Debüt verabschiedeten sich die Fünf von der Bühne und CASPER würde später bei seinem Gig sagen: „Die sind so gut, die werden in Zukunft in viel größeren Hallen spielen!“ Sehe ich auch so, aber im Februar 2019 folgt der zweite Teil ihrer Tour und auch da werden sie wieder in Bielefeld sein und zwar im viel kleineren Forum. Also frühzeitig Tickets sichern!

Setlist LEONIDEN (ohne Gewähr)

  • Colorless
  • Two Peace Signs
  • Why
  • 1990
  • The Tired
  • People
  • River
  • Alone
  • Kids
  • Nevermind
  • Sisters

Nachdem die letzten Takte des QUEEN-Klassikers „Bohemian Rhapsody“ verklungen waren, betraten unter tosendem Applaus und Gekreische endlich CASPER und seine Mannen die Bühne und mit „Alles ist erleuchtet“ vom immer noch aktuellen Album „Lang lebe der Tod“ begann eine mehr als 90-minütige energiegeladene Show, die auch einiges an Überraschungen parat hielt. Schon vom ersten Song an hatten die Ordner alle Hände voll zu tun, um entkräftete und dehydrierte Fans aus der Menge rauszuziehen. Oben auf der Stage ging das Konzert mit „Im Ascheregen“, „Auf und davon“ und „Lass sie gehen“ weiter, ehe sich nach „Sirenen“ das Backdrop änderte. Nun stand in großen Lettern ‚1982‘ darauf und erneut brandete Jubel auf, als der Very Speciel Guest MARTERIA die Bühne enterte. Die beiden gaben mit “Champion Sound”, “Supernova”, “Chardonnay & Purple Haze” und “Adrenalin” einen kleinen Ausschnitt aus ihrem gemeinsam veröffentlichten Werk “1982”, das von den Hörern des Radiosenders 1Live als bestes Album des Jahres mit der Krone ausgezeichnet worden war. Auch als bester HipHop-Act bekam das Duo eine Krone. „Die letzte Gang der Stadt“, „Ganz schön okay“ und das ruhige „20 qm“ führte wieder ein wenig zurück zu den anfänglichen Erfolgen des ostwestfälischen Rappers. Zum Stück „Keiner“  kam mit MONTANA MAX ein weiterer Gast hinzu, denn GLOOMY BOYZ ist das Trap-Musik Projekt von Benjamin Griffey – so der bürgerliche Name des Fronters. Auch Produzent Markus Ganter hat hier seine Finger mit im Spiel.  Und noch zwei Gäste unterstützten CASPER auf der Stage: zum einen wurde mit FELLY Fußballlegende „Ibrahimovic“ gehuldigt und DRANGSAL steuerte seinen Part zu „Keine Angst“ bei. Zum Finale schallten das sperrige „Lang lebe der Tod“ und das wunderschöne „Flackern; Flimmern“ durch die Halle bevor die Musiker die Bühne verließen. Auf eine Zugabe brauchten die Fans nicht lange zu warten und ein weiterer Gast stand mit der Truppe auf der Bühne. Freund und Förderer THEES UHLMANN folgte der Einladung und beide gaben  „XOXO“ vom gleichnamigen 2011 veröffentlichten Album zum Besten. Mit „Jambalaya“ war ein letztes Mal durchdrehen angesagt, bevor sich die Band endgültig für diesen Abend verabschiedete und die Deckenbeleuchtung anging.

Setlist CASPER (ohne Gewähr)

  • Alles ist erleuchtet
  • Im Ascheregen
  • Auf und davon
  • Lass sie gehen
  • Sirenen
  • Champion Sound feat. MARTERIA
  • Supernova feat. MARTERIA
  • Chardonnay & Purple Haze feat. MARTERIA
  • Adrenalin feat. MARTERIA
  • Die letzte Gang der Stadt
  • Ganz schön okay
  • 20 qm
  • Keiner feat. MONTANA MAX (GLOOMY BOYZ)
  • Ibrahimovic feat. FELLY
  • Keine Angst feat. DRANGSAL
  • Lang lebe der Tod
  • Flackern; Flimmern
  • XOXO feat. THEES UHLMANN
  • Jambalaya

Auch das diesjährige, traditionelle ZZF war wieder ein Highlight des Konzertjahres in Bielefeld und mit MARTERIA – der in seiner Heimatstadt Rostock mit einem Konzert das Fußballstadion gefüllt hat – konnte CASPER einen weiteren Star der Szene überreden, daran teilzunehmen. Damit revanchierte sich der ehemalige Fußballer und das Ex-Model, denn CASPER rappte ja auch in Rostock mit. Das wird dann wohl das nächste große Ziel des Ostwestfalen sein: die Alm (Bielefelder Fußballstadion) mit einem Gig zu füllen. Der Anfang wurde ja schon im Sommer gemacht, als MARTERIA und CASPER gemeinsam vor mehr als 2000 Fans auf einem Monstertruck an der Alm rappten und so ihr Album promoteten.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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