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ZWISCHENWELTEN 5

Ort: Koblenz - Festung Ehrenbreitstein

Datum: 09.09.2006

Zum 5. Mal sollte das Zwischenwelten in Koblenz nun schon stattfinden und wir waren bislang noch nicht einmal da. Eigentlich beschämend, liegt diese wunderschöne Stadt zwischen Rhein und Mosel gelegen doch nur 100km von uns entfernt. Ein kleines gemütliches Burg-Festival zum Abschluss der langen Festival Saison 2006, warum nicht, also ab zum Deutschen Eck! Dort angekommen erschloss sich vor uns die imposante, über 1000 Jahre alte Festung Ehrenbreitstein. Eine perfekte Location für ein Mittelalter Event, gespickt mit vielen alten Ständen und gekrönt mit Sonnenschein an einem wundervollen Spätsommerabend.

Nachdem wir uns etwas auf der Festung umgeschaut hatten, ging es auch schon mit der ersten Band des Festivals – MERLONS LICHTER – los. Am späten Nachmittag hatte es der aus Erlangen stammende Opener nicht einfach, das zu diesem frühen Zeitpunkt des Festivals doch eher spärlich vorhandene Publikum zu begeistern. Die Formation, welche auf eine 13 jährige Geschichte zurück blicken kann und früher nur die MERLONS hieß, ist mittlerweile mit einigen neuen Gesichtern in ihren Reihen gespickt. (hier waren sie zu Fünft auf der Bühne) Gleich zu Beginn stimmte man mittelalterliche, ja fast schon orientalische Klänge an, mit der Betonung von Instrumenten wie der Drehleier oder der Schalmei. Stimmlich als auch instrumental wurden hauptsächlich Stücke der letzten beiden Alben „Lust“ und „Die wahre Mutter Gottes“ dargeboten, bei denen Sänger und Bandgründer P.G. gesanglich oftmals von der liebreizenden Katja unterstützt wurde. Aber auch Titel aus längst vergangenen Zeiten wurden zum Besten gegeben. Sicher ein gelungener Einstieg, den die Musiker den Besuchern auf dem diesjährigen Zwischenwelten Festival bot. Diejenigen, welche während des Festivals noch der ein oder andere Weg über die Festung führte, hatten vielleicht das Glück, die Band noch persönlich zu treffen bzw. kennen zu lernen. Denn MERLONS LICHTER waren sich nicht zu fein, im Anschluss an ihren Gig den gemeinsamen Weg über das Gelände zu „wagen“.

Nun war es an der Zeit etwas gegen unsere leeren Mägen zu unternehmen, und zielstrebig steuerten wir einen der Essensstände an. Unterdessen wurde die Bühne umgebaut für die nächste Band. KORPIKLAANI, eine finnische Folk Metal-Combo, die sich wie auch FINNTROLL oder z.B. TURISAS dem traditionellen finnischem Humppa-Metal verschrieben hat, hatten sich „Wir wollen Spaß“ auf die Fahnen geschrieben. Und oh ja, Spaß hatten KORPIKLAANI ohne Ende! Klassische Instrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug gehörten ebenso wie verschiedene Flöten, Geigen oder ein Akkordeon zum Instrumentarium und machten ihren Sound zu etwas besonderem. Auch die Bekleidung der Musiker ließ die Vermutung aufkommen, dass sie direkt aus den Finnischen Wäldern nach Koblenz gekommen waren. Traditionell hatte Sänger u. Gitarrist Jonne seinen mit einem Geweih verziertem Mikroständer mitgebracht. Mit Landes-Fahne kamen Jonne und seinen 5 Mannen dann schließlich auf die Bühne und spätestens nach Opener und dem zweiten Titel „Wooden Pints“ hatten sie alle Fans auf Ihrer Seite. Gut gelaunt und mit viel Witz und Spielfreude musizierten Sie durch ihre Setlist. Dabei ging es quer durch ihre Diskographie. Ein sehr gelungener Auftritt der Skandinavier, der mit viel Beifall und Bier gefeiert wurde!

Nach der wilden Finnen-Horde sollte es nun nicht minder tanzbar weitergehen, denn die bekanntermaßen aus Dresden stammende Band LETZTE INSTANZ folgte auf dem Fuße. Die Jungs war eigentlich in diesem Jahr auf fast allen Szene-Veranstaltungen vertreten, allein ich habe sie hier zum 4. Mal gesehen. Was allerdings gleich ins Auge fiel, war ein fehlender Holly D, welcher nach Auskunft der Band krank zu Hause im Bette lag (auf diesem Weg wünschen wir natürlich eine Gute Genesung!) und so konnte die Instanz hier und heute lediglich zu sechst aufspielen, was aber kaum auffiel. So hatte man eher das Gefühl, dass jeder der Musiker noch ein paar Prozent drauf legte, einzigst die dadurch nicht vorhandene zweite Gitarre schien etwas zu fehlen. Und egal ob Stücke wie „Das Stimmlein“, „Tanz“ oder „Das schönste Lied“ präsentiert wurden: Auch hier auf der Festung hoch über Koblenz wurde wieder mächtig gerockt und dies eine ganze Stunde lang. Die ideale Band zwischen den Welten des Mittelalters, Metals und des Gothic-Rocks welche im Anschluss noch folgen sollten.

Nun war für mich persönlich mit ASP, der eigentliche Headliner dieses Abends an der Reihe, auch wenn die Band rein musikalisch gar nicht so recht ins diesjährige Zwischenwelten Line Up passen sollte. EGAL! Hessens bester Exportschlager zieht immer genügend Publikum an und ist nicht nur Live eine Bank für sich. Hier in Koblenz startete man gleich mit der neuen Single „Ich bin ein wahrer Satan“, welche auch als Titel der kommenden Tour fungiert. Gespannt lauschte ich diesem neuen Track, ist er doch bisher noch nicht CD erschienen. Etwas verhalten waren wohl deshalb auch die ersten Reaktionen im Publikum, welches aber sofort beim zweiten Stück „Besessen“ wieder voll dabei war. Und so ging es mit den üblichen Krachern weiter, ein typisches ASP-Best of eben. Keiner der Überflieger sollte fehlen, egal ob „Singchild“, She wore shadows“, „Weltunter“ oder „Cocon“ und nicht zu vergessen „Tiefenrausch“ sowie „Schwarzes Blut“. ASP mal eben ganz zart und im nächsten Moment wieder wie ein Derwisch über die Bühne fegend. Als er dann kurz vor Schluss noch mit „Und wir tanzten“ zu einem kleinem Schwof einlud, war das vom Publikum längst vorexerziert worden. Als vorletztes Lied erklang dann die Single „Werben“, welche visuell durch ein wunderschönes Feuerwerk unterstützt wurde. Aber auch während der ganzen Show sollte es den ersten Reihen nicht gerade kalt geworden sein, denn die pyrotechnischen Effekte waren wieder einmal erstklassig bei den jeweiligen Titeln eingesetzt. Aber die Show war ja noch nicht zu Ende, fehlte doch noch ein ganz bestimmtes Stück! Ein Song, den ASP die letzten Jahre, zumindest so weit ich es erlebt habe, immer als Grande Finale spielen. Genau, wir wollten doch nicht nur, dass die Bühne brennt, nein wir wollten doch ALLE brennen, also beendete man das Set dementsprechend mit „Ich will brennen“, ein Lied, welches sich derart tief in mein Hirn gebrannt hat, dass er dort wohl für ewig gespeichert sein wird! Danke ASP!!! Wir sehen uns wieder, am 18.10.2006 in Frankfurt (am Main) und wehe, wenn ich da vor heimischer Kulisse kalte Füße bekomme!

TIAMAT – treffender hätte Frontmann, Sänger, Texter und Songwriter Johan Edlund seine Band nicht nennen können. Denn übersetzt bedeutet TIAMAT „Urgöttin“ und genretechnisch gesehen waren das TIAMAT auch. Denn neben PARADISE LOST gilt die Band seit ihrem viel gelobtem Album „Wildhoney“, mit welchem sich ihr Musikstil von Death zu Gothic Metal wandelte, als die Mitbegründer dieses Genres. Der Auftritt hier und heute sollte im Jahr 2006 der Einzige in Deutschland sein. Diese Chance wollten sich etliche Fans natürlich nicht entgehen lassen und reisten, wie man an den Autokennzeichen erkennen konnte, auch von weit her an. Pünktlich um 22:30 war es dann endlich soweit: Die Schweden betraten die in blaues Licht und Nebel gehüllte Bühne. Zur Begeisterung vieler aber auch Enttäuschung anderer spielten TIAMAT fast ausschließlich ruhigere Stücke ihrer letzten Alben und so kamen die doch etwas brachialer klingenden Songs der Anfangszeit zu kurz (was aber schon seit geraumer Zeit so gehalten wird). Dennoch ein gelungener und viel gefeierter Auftritt dieser skandinavischen Ausnahme Band.

Wer von den 5 Bands noch nicht genug hatte, konnte sich anschließend noch auf der Aftershowparty vergnügen und seine Hüften mit dem ein oder anderen zuvor aufgetretenen Künstler schwingen, was sicher auch seinen Reiz hat. Für uns sollte hier aber Schluss sein und so machten wir uns auf den Heimweg. Eine rundum gelungene Sache, welche in den kommenden Jahren hoffentlich noch ein wenig mehr Zuspruch bekommen wird, denn ein wunderschönes Ambiente hoch über Rhein & Mosel am Deutschen Eck, sowie eine perfekte Organisation sollten doch auch eine weitere Reise nach Koblenz wert sein.

Copyright Fotos: Sandro Griesbach außer KORPIKLAANI (Thomas Nattermann)

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