HIGHASAKITE mit Album „Silent Treatment“ bei Four Music

Highasakite aus Norwegen machen Popmusik, aber eine Art abenteuerlichen Indie-Pop voller Kontraste. Ihre Melodien und Instrumentierungen sind verwegen und gleichzeitig unaufdringlich – das verebben des einen, erlaubt dem anderen zu blühen; ob es sich um Ingrid Helene Håviks jenseitig anmutenden Gesang handelt oder die lebhafte Kombination aus Synthesizern, Bläsern und Percussion. Nach zahlreichen Auftritten auf internationalen Festivals und der EP „In And Out Of Weeks“, veröffentlicht das Quintett 2014 sein Debütalbum „Silent Treatment“.

Die Band entstand ursprünglich am Jazz Konservatorium in Trondheim, wo Sängerin und Songwriterin Håvik Schlagzeuger Trond Bersu traf und sie begannen, gemeinsam zu schreiben, aufzunehmen und aufzutreten. Das Paar ging mit Thomas Dahl (Gitarrist der norwegischen Jazzformation Krøyt) als Produzent ins Studio, hatte aber das Gefühl, noch das gewisse Extra zu brauchen, um ihren Performances den Klang zu verschaffen, nach dem sie sich sehnten. Aus diesem Grund kam Øystein Skar an den Synthesizern dazu, noch vor den eher frischen Neuzugängen Marte Eberson, ebenfalls an den Synthesizern, und Kristoffer Lo an Gitarre, Basstrompete und Percussions. All das fügte sich für die Band zu einer reicheren Textur und einem kraftvolleren Sound zusammen.

Von ihrer Mutter, einer Gesangslehrerin und Chorleiterin, schon früh zum Singen ermuntert, verfügt Håviks Stimme über beeindruckende Bandbreite und Versatilität; ebenso fähig zu beruhigen, wie zu überraschen. Darin verborgen liegen unvergessliche Texte; verführerische Worte, die das Zentrum von Highasakites Musik bilden. Es ist fast unmöglich, sich Silent Treatment auch nur kurz anzuhören, ohne die darin eingehüllten Themen zu bemerken und darüber zu staunen. Obwohl sich der Großteil des Materials auf der EP dem Leben durch die Augen eines Kindes nähert, ist das Thema des Debütalbums überwiegend tiefsinniger und mysteriöser.

Håvik zögert allerdings, zu viel über die Bedeutungen der Songs preiszugeben – etwas, das noch zur Faszination beiträgt. „Es gibt Geschichten hinter ihnen [den Songs], aber ich bin nicht sicher, ob ich sie den Leuten verraten möchte. Ich kümmere mich nicht um andere Menschen, wenn ich sie [die Songs] schreibe; ich schreibe, was sich für mich gut anhört und schöne Bilder in meinem Kopf erzeugt.” Dazu passt, dass viele der Themen auf „Silent Treatment“ im Reich der Beziehungen hinter geschlossenen Türen angesiedelt sind. „Ich glaube, es ist ein sehr romantisches Album“, sagt Håvik. „Meines Erachtens nach geht es viel um Kriege in ganz normalen Haushalten. Wenn Menschen einen mit Schweigen strafen ist das zwar ziemlich alltäglich, aber auch wirklich furchtbar.”

Was Highasakite neben textlicher Tiefe und vielschichtigen Kompositionen am besten können, ist große Pop-Refrains zu schreiben, die augenblicklich Wurzeln schlagen und nachhallen – vielleicht nirgends mehr als auf der ersten Single „Since Last Wednesday“. Inmitten der strukturellen Komplexität und Dichte wirbelnder Synthies und perkussiver Kraft, ist Håviks wandlungsfähiger Gesang die Basis der Melodien und verschafft Highasakite diese enorme Anziehungskraft.

Zu ihren Lieblingskünstlern zählt Håvik Mary Margaret O’Hara, Fever Ray und Diamanda Galás – andere, nicht-musikalische Referenzen kommen allerdings aus etwas obskureren Ecken. Während früherer Auftritte nahm die Band zum Beispiel eine uramerikanische Ästhetik an und trug Gesichtsbemalung und Kopfschmuck.

Das Interesse dafür wurde zum Teil von Indian Summer ausgelöst, einem norwegischen Dokumentarfilm, der Håvik fasziniert hat. Der Film begleitet das Leben von Torstein, einem Schizophrenen, der sich als Ureinwohner Amerikas wahrnimmt. „Als Kind habe ich davon geträumt, eine Indianerin zu werden, wie Pocahontas“, erzählt sie. „Es ist eine wirklich schöne Dokumentation. Er klingt, als fühle er sich der Natur sehr nah“, – etwas, mit dem Håvik sich identifizieren kann.

Auf „Silent Treatment“ ist eine ganze Bandbreite von Einflüssen und Inspirationen gegenwärtig. Vielleicht nicht offensichtlich, aber an vielen Stellen finden sich subtile Spuren. Eines der erstaunlichsten und außergewöhnlichsten Elemente, die Håvik bewegten, sind bulgarische Chöre. Håvik berichtet, dass sie geradezu „umgehauen“ war, als sie das Album „Le Mystère des Voix Bulgares (The Mystery of Bulgarian Voices)“ während ihres Jazzstudiums in Trondheim zum ersten Mal hörte.

„Ich fand das richtig cool und wusste nicht, wie sie so klingen konnten“, erzählt Håvik. Und obwohl der Stil schwierig zu meistern war, war sie doch bereit, als Sängerin entsprechend zu experimentieren. Während des Schreibens verbrachte sie sowohl Zeit in Ithaca, Upstate New York, als auch in Istanbul und glaubt, dass beide Orte ihre Spuren in der Musik hinterlassen haben – als besonders inspirierend empfand sie allerdings die „wunderschönen“ Rufe zum Morgengebet, die sie in der Türkei gehört hatte.

Dennoch ist Oslo der Ort, an dem die Band sich niedergelassen hat; eine Stadt, für die Håvik sich mittlerweile erwärmen kann. Die norwegische Hauptstadt ist für ihre Musikszene bekannt und ein fruchtbares kreatives Umfeld, das es Håvik und Highasakite ermöglicht hat zu gedeihen. „Es gibt hier so viele Musiker und ich fand es sehr wohltuend, von da wo ich studiert habe wegzukommen, weil ich befürchtet hatte, mich nie von dieser strengen „Jazz-Denke“ befreien zu können. Als ich nach Oslo zog, hatte ich die Freiheit zu vergessen, was ich gelernt hatte und erwachsen zu sein.“

Highasakite sind:
Ingrid Helene Håvik – Zither, Steeldrum und Gesang
Trond Bersu – Schlagzeug
Øystein Skar – Sythesizer
Marte Eberso – Sythesizer
Kristoffer Lo – Gitarre und Basstrompete

Deutschlandtermine:

Sep 02 || Köln – Studio 672
Sep 03 || München – Ampere
Sep 04 || Dresden – Beatpol
Sep 05 || Berlin – First We Take Berlin

„Silent Treatment“ erscheint am 29.08.2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Four Music, nachdem das Album im Frühjahr bereits bei Propeller Recordings veröffentlicht wurde. Hörprobe: www.youtube.com/watch?v=0kGWnTQ-xkA Video: www.youtube.com/watch?v=0kGWnTQ-xkA

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