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100 KILO HERZ - Stadt Land Flucht

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Artist 100 KILO HERZ
Title Stadt Land Flucht
Homepage 100 KILO HERZ
Label BAKRAUFARFITA RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Ob es ein Tier gibt, dessen Herz 100 kg wiegt? Nun, das einen Elefanten kommt je nach Alter auf rund 20 kg, ein menschliches gerade mal auf 300 g, aber der Blauwal pumpt in der Minute etwa 2000 bis 5000 Liter Blut durch sein Herz, das bis zu einer Tonne schwer ist. Bei einer Körpermasse von bis zu 200 Tonnen und einer Länge von 33 Metern ist so ein Herz in PKW-Größe natürlich ein Klacks, aber ich schweife ab und vermutlich bezieht sich die Leipziger Brass-Punk-Band 100 KILO HERZ mit ihrem Namen auch eher auf die physikalische Einheit, mit der eine Frequenz benannt wird. Auf jeden Fall ist „Stadt Land Flucht“ das zweite Album von Claas, Clemens, Falk, Flecki, Marco und Rodi.

Auf dem Zettel hat das Sextett linkspolitische Statements und persönliche Themen, die mit knackigem Punkrock sowie Saxofon und Trompete zu Gehör gebracht werden. So startet der Silberling mit der ersten Single-Auskopplung „Drei Jahre ausgebrannt“ und übt Kritik an der Gesellschaft und ihrem Alltagsrassismus und -Sexismus. Die Jungs sind selbst auf dem Land groß geworden und haben ihre Kapelle 2016 gegründet. „Nur für eine Nacht“ ist eine Art Lied fürs Dorf und mit dem temporeichen „Tresenfrist“ legen die Sachsen das Augenmerk auf übermäßigen Alkoholkonsum, ehe es „Drei vor Fünf vor Zwölf“ ist und „Träume (Reprise)“ als Ballade mit balladenuntypischen Texten überrascht. Mit viel Drive übernimmt „An Ampeln“, das ebenso wie „Späti an der Klinik“ den Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen lenkt. „Sowas wie ein Testament“ gibt mit viel Gebläse einen Letzten Willen in Sachen Bestattung zum Besten und offensichtlich haben 100 KILO HERZ großen Respekt von Marcus Wiebusch, der hier in einer Zeile vorkommt, in der es heißt, er habe bereits alles über Begräbnisse gesagt. Daneben kommt seine alte Band …BUT ALIVE auch im Song „…und aus den Boxen …But Alive“ zu Ehren, ehe „Scheren fressen“ gemeinsam mit PLANLOS-Sänger Pino mit AfD und Pegida abrechnet und das finale „Wenn es brennt“ einen dystopischen Blick auf einen totalitären Staat und die beängstigen Folgen wirft.

Ihre Geschichten auf „Stadt Land Flucht“ verpacken 100 KILO HERZ in eingängige Ska-Punk-Melodien, denen man hier und da auch eine gewisse Nähe zum bereits genannten Marcus Wiebusch anhört. Saxofon und Trompete runden den Sound gekonnt ab – wie schade, dass bis auf weiteres keine Auftritte auf großen Festivalbühnen möglich sind, denn dort wären 100 KILO HERZ nachmittags zweifellos ebenso gut aufgehoben wie abends auf den ranzigen Kleinstadt-Stages, die sie noch von früher kennen.

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