| Artist | 13SUNS |
| Title | Särge, Erde, Damen & Herren |
| Homepage | 13SUNS |
| Label | KRAKENDUFT RECORDS |
| Leserbewertung |
Beim Albumtitel „Särge, Erde, Damen & Herren“ muss ich ja daran denken, dass meine Cousine als kleines Kind dachte, es hieße „Auf Wiese gehen“ statt „Auf Wiedersehen“ – machte für sie einfach viel mehr Sinn. Ob Sebastian Beissert (Gesang), Felix Rimkus (Gitarre, Synthies & Backing Vocals), Markus Widmüller (Synthies), Franz Schlüter (Bass) und Oliver Leonhardt (Drums) aus Dresden beim Benennen ihres Langspiel-Debüts ähnliches im Sinn hatten, vermag ich nicht zu sagen, die Jungs hinter 13SUNS versprechen jedoch 90er-Indie-Unruhe, neonschwarze Melancholie und angeschlagene Romantik, die nach abgestandenem Bühnennebel und warmen Bier riecht.
Auf jeden Fall haben die Herrschaften einen Drang zu skurrilen Titeln, so hat etwa ihr mehr oder weniger instrumentaler Schrammel-Opener den Namen „Samba & Ibuprofen“ erhalten. Das temperamentvolle „Confidential Matter“ lässt mich derweil an QUEENS OF THE STONE AGE denken, während das sentimentale „Vatican Girl“ Indie-Rock vom Feinsten liefert. „Die stummen Gesänge der Höhlenzikaden“ sind nicht ohne Dramatik und rücken zugleich das elektronische Tasteninstrument in den Fokus, ehe „The Tashkent Terror“ beschwingt auf den Dancefloor bittet und „Enttäuschte Herzen haben scharfe Zähne“ als flirrende Interlude grüßt, auf die mit „27 Well-Fed Cats“ der zweite Teil der Vorstellung beginnt. Die Platte ist nämlich in Side Sun und Side Moon unterteilt. Während Side Sun warm und nervös unter der Oberfläche pulsiert, kippt mit Side Moon die Perspektive in kühlere Gefilde, was für die wohlgenährten Katzen bedeutet, dass es etwas schwurbeliger zugeht. „The Gimp Is Dead“ atmet derweil Seventies-Psychedelic und Westcoast-Leichtigkeit, bevor „Attacking People at Venice Beach“ die kalifornische Westküste sogar im Titel trägt, sich allerdings stilistisch weit vom Vorgänger entfernt und mit knackigem, rhythmusbetontem Indie-Rock gefällt. „Every Living Being but Michael Collins“ beschließt den bunten Reigen mit druckvollen Melodien, die an den einsamsten Menschen im All erinnern: den Astronauten Michael Collins, der 1969 bei der Mission der Apollo 11 mit von der Partie war, jedoch anders als seine Kollegen Armstrong und Aldrin nicht auf den Mond hinabstieg, sondern allein an Bord blieb und das bekannte Foto schoss, auf dem die Mond-Landefähre Eagle und die Erde zu sehen sind – somit die gesamte Menschheit außer ihm selbst.
Nein, 13SUNS lassen sich auch mit „Särge, Erde, Damen & Herren“ nicht auf eine musikalische Spielart festlegen. Melancholie bleibt bei den Sachsen tanzbar, Schwere bekommt Hüftschwung und zwischen Britpop-Verwandtschaft und Indie-Kantigkeit blitzt immer wieder trockener Humor auf. Aufgenommen wurden die zehn Songs im bandeigenen Tortenklang Studio, Kurt Ebelhäuser hat in seinem Tonstudio 45 für den finalen Mix gesorgt und Andy „Doc Young“ Jung das endgültige Mastering übernommen. Macht in Gänze ein Album, das weit entfernt von massentauglicher Eingängigkeit ist, aber eigenwillig und eigenständig genug, um im Ohr und dauerhaft interessant zu bleiben.

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