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36 CRAZYFISTS - Collisions and Castaways

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Artist 36 CRAZYFISTS
Title Collisions and Castaways
Homepage 36 CRAZYFISTS
Label ROADRUNNER
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Haben die 36 CRAZYFISTS im letzten Jahr noch die fünfzehnjährige Bandgeschichte mit einer herzerwärmenden DVD Revue passieren lassen, da stoßen sie im 16. Jahr schon wieder rasch vor zu neuen Horizonten. Dem schwarzmalerischen Titel „Collisions and Castaways“ zum Trotz gehört das alaskische Schlachtschiff mit dem nunmehr sechsten Album, das erstmals wieder über Roadrunner vertrieben wird, weiterhin und zweifelsohne zur vordersten Flotte der Metalcore-Armada. Selbst der Verlust von Ex-Basser Mick Whitney konnte die drei verbliebenen Seebären nicht verunsichern, verließ er doch aus freien Stücken und seiner eigenen Familie zuliebe die Mannschaft. Vorübergehend füllt nun Guitar-Tech „Buzzard“ den unbesetzten Posten, wenngleich er ein festes Mitglied aller Wahrscheinlichkeit nach nie sein wird. Vorerst bleiben die CRAZYFISTS also ein Trio, das mit dem „härtesten Album der Band“ heuer ungewohnt düstere Gewässer befährt.

Entgegen dieser Behauptung weist das akustische Gitarren-Intro des ersten Tracks „In The Midnights“ zunächst kaum Anzeichen von Härte auf. Erst nach und nach wird die Dynamik hochgeschraubt, kurz nach Einsetzen der elektrischen Klampfe dominiert diese ihren zarten kleinen Bruder jedoch immer deutlicher. Ganz plötzlich platzt schließlich der Knoten, und die FISTS sind kaum wieder zu erkennen. Thomas Noonan hält animalisch trommelnd die Spannung aufrecht, bevor sich zu einer bestialisch düsteren Metal-Walze auch die anderen beiden hinzu gesellen. Neumelodisch brettert Gitarrero Steve Holt durch einen fetten Vers hindurch, wobei sich ein in voller Stärke präsentierender Brock Lindow keine Blöße gibt und energisch losbrüllt. Der Mann wächst eindeutig an seinen Aufgaben! Das gilt namentlich auch für den Klargesang, der den CRAZYFISTS-typischen, aber ziemlich geilen Refrain ziert. Ein abschließender Breakdown führt über zu dem drückenden „Whitewater“. Hart metallisch, mit den Drums pumpend präsentieren sich die FISTS hier in einem wirklich neuen Gewand, das zumindest ich, selbst nach dem Vorgänger, in der Form nicht erwartet hätte. Als härter lässt sich der Sound nach diesen ersten Eindrücken nun definitiv beschreiben, etwas ungewohnt ist er jedoch ebenso. Wiederum war es kaum zu erwarten, dass Lindow und Co nach der letzten Platte „The Tide And Its Takers“ in irgend einer Weise vollends stagnieren. Zwar ist die härtere Ausrichtung von „CaC“ schon im Sinne des Vorgängers weitergedacht worden, jedoch wurde noch eine dicke Portion nachgeliefert, womit wir hier klar von einer Weiterentwicklung sprechen können. Zudem sollten sich die Fans bisheriger Platten nicht grämen, denn ihre eigenen Trademarks haben die 36 CRAZYFISTS trotz allem nicht abgelegt. So wird bei den heavy groovenden Nummern „Death Renames The Light“, das mit einem chickem Solo-Part in der Hinterhand ordentlich Oldschool zu dem sonst modernen Brettern addiert, und „Trenches“, welches ansatzweise recht Stoner Rock-ig erscheint, schon in Richtung des 2008er-Hits „We Gave It Hell“ gerockt. Ohrwurm-Charakter auf voller Länge, der sich auch bei dem melodisch-groovenden Wechselbad „Mercy And Grace“ und dem ästhetisch clean gesungenen „Caving In Spirals“ abzeichnet. Ebenso eingängig bringt das vorab veröffentlichte „Reviver“ leicht die Screamo-Seite zum Vorschein, weshalb es nicht unbedingt repräsentativ für das gesamte Album ist, dafür als Anwärter auf den nächsten 36 CRAZYFISTS-Hit beinahe perfekt geeignet scheint. Geile Nummer! Für fette Mosh-Action sorgt wiederum „Anchors“, für das gleich zwei „alte Bekannte“ eingeladen wurden. Neben Brock Lindow himself brüllt nämlich auch TWELVE TRIBES-Shouter Adam Jackson, der bereits bei „Clear The Coast“ eine ähnliche Leistung erbrachte. Raithon Clay (PLANS TO MAKE PERFECT, bekannt durch „Destroy The Map“) hingegen passt da nicht wirklich rein, da der cleanen Passage zudem der Druck ein wenig fehlt. Ansonsten frönt der Song ordentlich der metallischen Härte, wobei dies mit „The Deserter“ nochmals getopt wird. Der leicht düstere Einstieg ist klar von den FISTS selbst beeinflusst, jedoch scheint ACROSS THE SUN-Brüller Brandon Davis mehr und mehr Einflüsse seiner eigenen Band mit einzubringen. Keineswegs macht er seine Sache schlecht, singen kann er auch klar, nur fehlt da doch irgendwo die eigene Note. Ohne Frage eine brutale Nummer, die neben corigen Formeln auch Elemente klassischen Metals offenbart, in der Form sicherlich aber auch von einer beliebigen anderen Band stammen könnte. Zum Ende hin schließt „Waterhaul II“ jedoch versöhnlich die Platte ab, indem es auf dem Konzept des ersten „Waterhaul“-Teils aufbaut und sogar noch eine deutliche Ecke ausgefeilter (Streicher, Elektro-Sounds) präsentiert wird.

Um es nach vielen Lobgesängen und minimalen Enttäuschungen, die jedoch auch nur in einzelnen Feinheiten zu verspüren sind, noch einmal deutlich zusammenzufassen: die 36 CRAZYFISTS sind mit dem von Gitarrist Steve Holt ordentlich produzierten „Collisions And Castaways“ eindeutig härter, düsterer, auch stellenweise roher geworden, allerdings nicht auf Kosten der Qualität. Vergleichbar wenige Bands haben die Synthese aus Melodie und Härte so sehr verinnerlicht. Das seltene Spiel mit der Brutalo-Keule ist daher zu verzeihen, im Endeffekt überwiegen nämlich ganz klar die ausgefeilten, packenden Kompositionen, die dennoch gewohnt schnell ins Ohr gehen. Brock Lindow hat damit nicht nur sein Vorhaben erfüllt, sich den Frust von der Seele zu texten, er hat mit seiner Band gleich ein ganzes Monster-Album daraus gemacht, mit dem sie sich nochmal klar als eine der fähigsten Metalcore-Institutionen an der Spitze festsetzt. Es hätte wohl keinen idealeren Nachfolger für „The Tide And Its Takers“ geben können. Was bleibt mir also noch zu sagen? Dieses Album wird SOFORT gekauft!

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