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A HERO A FAKE - Let Oceans Lie

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Artist A HERO A FAKE
Title Let Oceans Lie
Homepage A HERO A FAKE
Label VICTORY RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Der Traum eines jeden Musikvirtuosen, packende Hooks mit überragender instrumentaler Finesse zu verbinden, klingt für den Leihen eher nach Utopie denn nach Realität. Die Progressive-Jungspunde A HERO A FAKE aus North Carolina machen sich eben diese Vorstellung zum Ziel. Das machen sie aber bereits zum zweiten Mal, da man vor dem neuen Release „Let Oceans Lie“ bereits 2008 das Debüt „Volatile“ auf Victory veröffentlichte. Der Mix soll ein Konstrukt aus experimentellem Core-Gefrickel und eingängigen Emophasen versprechen. Sprich: man trifft sich irgendwo zwischen den Labelkollegen BETWEEN THE BURIED AND ME und Pressemitteilungs Lieblings-Emocorern UNDEROATH.

Recht schnell lässt sich feststellen, dass man sich letztendlich doch eher der Emo-Ecke verschrieben hat. Obwohl auch genügend progressive Phasen eingestreut wurden, gehen die elf Kompositionen leicht in den Gehörgang. Kommt das dem Sound nun zugute? Definitiv! Die eingängigen Melodien, gepaart mit den chaotischen Spielereien eröffnen dem Hörer eine mehr als ausreichende Bandbreite an klanglichen Reizen, für deren Konsum er sich, wie bereits gesagt, nicht einmal überanstrengen muss. Dennoch spart man dabei an keinem der für die beiden musikalischen Lager prägnanten Elemente, was schon mal für die kompositorischen Fähigkeiten des Sextetts spricht. Zieht man dazu mal den ersten Track „Our Summit, This World“ heran, erkennt man leicht das typische Konstrukt, welches sich im Laufe aber noch steigert und vollends entfaltet. Klingt der Anfang eher noch nach typischem Emocore – Melodie, Screams, die im Refrain vom Gesang abgelöst werden -, so bricht man danach mit dem konventionellen Gerüst. Ein eingeschobener Math-Breakdown-Part zieht den Härtegrad etwas an, bevor man sich abrupt in einer kurzweiligen, mit Screams begleiteten Harmonie wiederfindet, die letztendlich den Song so zu Ende führt, wie er angefangen hat. So muss das aussehen, wenn man sich in der Szene behaupten will: progressives Songwriting, dass sich nicht zu hundert Prozent dem Trend anbiedert, aber auch vor wohl gewähltem Einsatz von aktuellen Ingredienzen keinen Halt macht. Dadurch halten A HERO A FAKE ihre klare Linie, so dass kein Stück zum Totalausfall mutiert. Dass die Amis Abwechslung trotzdem in Großbuchstaben drucken, kann man im Laufe der Scheibe den beständig wechselnden Soundkonstrukten entnehmen. „Dear“ wird beispielsweise mit asiatisch anmutenden Klängen eingeleitet, wohingegen man bei „Eckhart“ das Zwischenspiel mit rhythmischem Gezupfe gestaltet. Doch pendelt man sich nach den kleinen Auswärtsspielen im Regelfall in dem metallisch angehauchten, progressiven Emocore-Sound ein. Wenn man sich wie beim Titeltrack „Let Oceans Lie“ sogar gänzlich auf die verhältnismäßig stringente Melodie-Linie und die cleanen Hooks besinnt, sammelt sich auch in dem Gemenge aus Einflüssen genügen Ohrwurm-Potential. Damit gibt man sich aber nicht zufrieden und liefert mit den verfrickelten Parts in „Astronomical“ oder „Impart Your Loss“ wieder etwas zäheres Futter für den Gehörgang, das aber zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten bereiten sollte. Auch mit den beiden Ausreißern „Images“, welches sich als angenehme Semi-Ballade entpuppt, und dem 14-minütigen Brocken „A Year In Passing“ kann man sich recht fix anfreunden. Fanatiker der progressiven Mucke werden am simplen Konzept einer Ballade vielleicht weniger Gefallen finden, können sich aber bei dem zuletzt genannten an einer wunderbar ausschweifenden Reise laben. Dank der Pause nach circa siebeneinhalb Minuten lässt sich das Geschehen in zwei Teile separieren: da hätten wir einen anfangs emotionalen, gedrosselten Part, der nur kurzweilig in das verspielte Core-Gefilde vordringt, unvermittelt in besagter Pause erstickt und sich ebenso plötzlich die verbleibenden drei Minuten in einem brachial-experimentellen Teil austobt.

Was ich trotz allem ein wenig vermisse und was dem Ganzen die Krone aufgesetzt hätte, ist der Härtegrad. Zwar sollen die Jungs auch nicht wie x-beliebeige Deathcore-Mähdrescher wild daherwüten und Breakdown an Breakdown nageln, aber an mancher Stelle hätte man noch den letzten Schliff, den letzten donnernden Schrei platzieren können, der das Ganze vom soften Grundton abgehoben hätte. Auch Shouter Justin könnte parallel dazu bestimmt noch eine Ecke flexibler agieren. Damit ziehe ich aber auch einen Strich unter die Geschichte und klatsche Victory ausnahmsweise mal Beifall. Anders als die schwer verdaulichen Mathcore-/ Progressive-Brocken mit ihren ellenlangen Stücken, haben A HERO A FAKE es tatsächlich geschafft, drei von melodisch wirbelnd und neumetallisch dröhnend bis eingängig einfühlsame Gitarren unter ein Dach zu bringen und mit „Let Oceans Lie“ ein bemerkenswertes Modern-Progressive-Emo Album zu veröffentlichen, das neben Innovation und Idee auch durch eine gute Produktion (was allerdings zu erwarten war) besticht. Für harte Chaosfreunde wird’s wahrscheinlich zu soft sein, aber für die einfacher Gestrickten hätte das neue Jahr in musikalischer Hinsicht nicht besser beginnen können.

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