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AALFANG MIT PFERDEKOPF - Fragment 36

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Artist AALFANG MIT PFERDEKOPF
Title Fragment 36
Homepage AALFANG MIT PFERDEKOPF
Label DRONE RECORDS
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

Es ist eine Weile her, dass wir auf den Seiten des Terrorverlags auf das Schaffen von AALFANG MIT PFERDEKOPF hingewiesen haben. Dabei brachten gerade die letzten paar Veröffentlichungen den Durchbruch bei der Kritik und einer kleinen, doch rasch wachsenden Schar von aufgeschlossenen Hörern. Dass wir jetzt, mit dieser auf herrliches, gesprenkelt-grünes Vinyl gepressten EP den Faden wieder aufnehmen, ist also im Grunde genommen in doppelter Hinsicht ein Versäumnis. Denn bei „Fragment 36“ handelt es sich erklärtermaßen um das letzte AALFANG-Werk.

Was nicht heißen soll, der Künstler habe beschlossen, sich von nun an als Angestellter der Deutschen Bank oder Versicherungskaufmann durchs Leben zu schlagen. Vielmehr reifte in den vorangegangenen Monaten der Wunsch, die eigene Musik auch unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Weswegen das erste Album von MIRKO UHLIG nun auf dem selbst gegründeten „Ex Ovo“-Label erscheint und man Aale zumindest für den Augenblick mit der Angel fangen muss. „Fragment“ markiert dabei sehr schön die Zäsur, die sich mit der „Kosmischen Zygote“ auf Taalem bereits andeutete und auf dem vorläufigen Schaffenshöhepunkt „Genmaicha – at the Opal Seashore“ vollends offenbart hatte: Die Zukunft wird reduzierter, konzentrierter, leiser und noch offener als ohnehin schon ausfallen. Weniger verträumt und in Watte gepackt als „Genmaicha“, weniger auf den nackten Klang reduziert wie die „Zygote“, aber dafür abstrakter, dunkler und noisiger als die aktuelle CD „VIVMMI“ sind dies zwei Stücke am Rande des Bewusstseins, von dem Punkt, an dem das Gedachte Wahrheit werden könnte. „Part A“ setzt faszinierend undefiniert an, ehe ein bedrohlich anschwellender Heuschreckenschwarm sich über einen blutroten Himmel ergießt. Die sanften Töne eines Glockenspiels wiederum leiten „Part O“ ein, welches von metallisch blitzenden Klangsplittern durchzogen wird. Winde ziehen auf, das Glockenspiel zerschmilzt zu tief oszillierenden Glockentönen, eine apokalyptische weiße Wüstenlandschaft nimmt Gestalt an und zerfällt zu Staub. Ein subtanzloses Surren erfüllt die Luft, ehe das Glockenspiel ein letztes Mal eine betrügerisch süße Melodie anhebt und schließlich im Nichts verebbt.

Eine Musik ist das, die sich für Melodien nicht zu schade ist, aber ihre Erfüllung in der Formung des Formlosen sieht, in der Gestaltung der Welt durch Töne. Natürlich kann der Kenner wieder nach Referenzen suchen und Vergleiche ziehen. Doch ist „Fragment 36“ dabei bemerkenswert einzigartig. Der Schritt zum eigenen Namen ist jedenfalls nach diesem Werk vollkommen nachvollziehbar. Und wenn es tatsächlich nie wieder eine Scheibe von AALFANG MIT PFERDEKOPF geben sollte, ist dies ein mehr als würdiger Schlussstrich.

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