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ACHIM HAGEMANN - Der Familie Popolski (Buch)

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Artist ACHIM HAGEMANN
Title Der Familie Popolski (Buch)
Homepage ACHIM HAGEMANN
Label ROWOHLT
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Endlich: Die ganze Wahrheit über die musikalische Großfamilie Popolski aus Zabrze! Oder wie Familienoberhaupt Pawel Popolski sagen würde: „Der Wahrheit über der (ganze) Welt!“ In ihren Konzerten haben die Popolskis immer schon Irrtümer und Missverständnisse aufzuklären versucht, jetzt haben sie in Achim Hagemann einen Chronisten gefunden, der sich selbst auf den Weg zu Originalschauplätzen gemacht und Zeitzeugen befragt hat. Er berichtet von gestohlenen Triumphen, historischen Momenten und polnischer Lebensfreude.

So blieben auf der Bühne bislang die frühen Jahre von Opa Piotrek Popolski eher unbehandelt; Achim Hagemann gedenkt in der Familien-Biografie auch der Geburt und der ersten Jahre des verkannten Polka-Genies, das über 128.000 Top-Ten-Hits geschrieben hat. Auch die Liebe und ihre katastrophalen Folgen bleiben nicht unbehandelt, ebenso wie Opas Weltreisen und die große Polkarevolution. Die Konzertbesucher wissen es bereits: Piotrek und sein Cousin Luschek waren die ersten Menschen auf dem Mond, die den Amerikanern wenig später mit einer leeren Flasche Wodka, einem Glas Gürkchen und einem zurückgelassenen Akkordeon ziemliche Rätsel aufgaben. Auch vom Tag, an dem die Popmusik geklaut wurde, haben die Live-Fans schon gehört. Im Buch wird das Drama jedoch noch viel detaillierter geschildert und auch von der dyskoteka 54 – einer Zabrzer Legende hatte man bislang nur ganz am Rande Kenntnis genommen. Aber wen wundert’s, dass der Opa auch im Disco-Geschäft eine Vorreiterrolle inne hatte? Waren seine eigenen Kinder gänzlich unmusikalisch, ist „the next Polkageneration“ ganz nach dem Geschmack des Großväterchens geraten. Insbesondere das Nesthäkchen Janusz hatte es ihm angetan – und den weiblichen Anhängern der Kapelle: Die älteren Damen wollten ihn nach den Gigs regelmäßig adoptieren, die jüngeren ihm direkt an die Wäsche. Doch wer hätte auch nur geahnt, dass die stets gut gelaunten eineiigen Zwillinge Henjek und Stenjek den Reggae erfunden haben, indem sie bekifft vom Mittelstreifen-Gras der Schnellstraße nach Wroclaw die langsamste Polka der Welt erdachten? Und dass Elvis mal sehr folgenreiche in der Plattenbausiedlung Station gemacht hat? Wie sehr Cousinetschka Dorota den Männern den Kopf verdreht hat, ist ebenfalls festgehalten, ebenso wie die traurige Geschichte von Onkel Luschek, der ausgerechnet mit Hilfe von Dieter Bohlen zu seinem Welthit gekommen ist. Im hohen Alter von 106 Jahren starb schließlich Opa Popolski und erst sah es so aus, als wäre mit ihm auch die Polka gestorben, doch es sollte ganz anders kommen und seine Enkel begannen in ihren zahllosen Konzerten, die Wahrheit über all die verhunzten Lieder kundzutun, die ihnen von einem windigen Gebrauchtwagenhändler geklaut worden waren und in fürchterlich entstellter Form zu Welthits wurden.

Ergänzt wird diese ergreifende, reich bebilderte Familienbiografie um O-Töne der einzelnen Familienmitglieder, leckere Rezepte aus der Polka-Küche, einen kleinen Sprachkurs in Polkapolnisch und natürlich einen Stammbaum der Familie Popolski. Achim Hagemann sei Dank für diese humorvoll geschriebene Lebensgeschichte, auch wenn Pawel Popolski mit dem Ergebnis nicht ganz einverstanden ist, denn nicht alles ist nach seinem Bekunden 100%ig korrekt wiedergegeben worden; außerdem verträgt Hagemann nur wenig Wodka und was will man von so einem Menschen schon halten? Nun, Pawel muss wieder auf die Bühne, um Fehler in der Familiengeschichte zu korrigieren und wenn man sein eigenes Exemplar der Biografie mitbringt, kann man gleich die entsprechenden Stellen mit Bleistift abändern. Sowohl mit der Lektüre als auch der Pawelschen Polka-Lesung sind in jedem Fall viel Spaß und unglaubliche Fakten rund um die Musikgeschichte verbunden. Keine Frage, dieses Buch musste geschrieben werden!

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