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AEBA - Shemhamforash – Des Hasses Antlitz

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Artist AEBA
Title Shemhamforash – Des Hasses Antlitz
Homepage AEBA
Label TWILIGHT VERTRIEB
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

Die naheliegenden Witze von wegen einer schwedischen Popband und Schamhaaren auf ‘m Popo lassen wir jetzt mal brav bleiben und konzentrieren uns aufs Wesentliche, nämlich die Musik. Schließlich sind AEBA eine der Institutionen im deutschen Black Metal und haben sich ihren Ruf weniger durch blutverschmierte Schweinsköpfe auf der Bühne, aufgeschlitzte Körper auf dem Cover oder das Verprügeln Wehrloser, als durch das regelmäßige Veröffentlichen exzellenter Alben erarbeitet. Der seit 1995 genau eingehaltene Zweijahresrhythmus wird mit „Shemhamforash“ nun um ein Jahr verlängert, doch darf man mit Fug und Recht behaupten, dass sich diese „Ungenauigkeit“ mehr als bezahlt gemacht hat.

Man kann und sollte das Album dabei ruhig einmal unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Diskussion um die Entschlackung des Black Metal hören. AEBA verzichten weder auf eine Doppelbesetzung der Saitenfraktion, noch auf elektronische Tasteninstrumente und gehen auch Melodie und Harmonie nicht aus dem Wege, wenn sie dies für sinnvoll halten. Gleich der erste Song „Mit Zorn in meinem Herzen“ ist ein Kopfstoß für alle, denen eingängige, erkennbare Strukturen ein Dorn im Ohr sind: Eine einfache, sich über fast die gesamte Strecke wiederholende Akkordfolge wird immer wieder neu variiert, in ihre Bestandteile zerlegt und erneut aufgebaut, bis ein unwiderstehlicher Sog entsteht – ein Hit, beinahe. In der Folge wird zudem mit gemächlicheren Tempi experimentiert, es gibt Gitarrensoli und Keyboardleads und dezente Anklänge an Thrash-Riffings. Es wäre ein einfaches, hinter diesen sich vermeintlich anbiedernden Passagen kommerzielles Kalkül oder den Willen zum Anpassen zu vermuten, doch dürfte der Gruppe nichts ferner liegen. Zum einen, weil man keinem Mittel aus dem Wege zu gehen gewillt ist, welches die Botschaften der Band transportiert. Oder andersherum gefragt: Passt sich nicht vielmehr derjenige an, der die sich ihm bietenden Ausdrucksmöglichkeiten unter dem Vorwand der „Trueness“ nicht nützt? Zum zweiten, weil diese Scheibe alles andere als ein Übung in Entspannung und Gemütlichkeit darstellt. Die Momente der Ruhe sind höchst willkommene und sogar dringend notwendige Verschnaufpausen in einem Dauerbeschuss aus D-Zug Drumming und wirbelnden Gitarren. Gerade letztere setzen auf „Shemharforash“ die Akzente, schöpfen aus einer niemals versiegenden Quelle inspirierter Motive und treiben die Stücke voran. Auch wenn wir dem mit einem flinken Händchen gesegneten Infernal Desaster nicht zu nahe treten wollen: Es ist gut, mal wieder eine Platte zu hören, die sich nicht ausschließlich auf die Fähigkeiten des Schlagzeugers verlässt. Und der es gelingt, trotz einer einheitlichen Grundstimmung jedem einzelnen Track einen ausgeprägten eigenen Charakter zu verleihen.

Die Produktion verweigert sich dem Rumpelkammersound genauso wie dem Hochglanzschmelz des Opernhauses und wer sich zwar gerne misanthropisch angehauchten Tönen hingibt, dabei aber mehr als nur ein dunkles Scheppern und Klappern heraushören möchte, liegt hier richtig. Überhaupt ist es gut zu wissen, dass die in letzter Zeit so oft kritisierte Garde der „zweiten Generation“ noch zu einem derart überzeugenden Schlag gegen die sich überheblichen gebärenden Jungspunde der Szene im Stande ist. AEBA sind jedenfalls dem Abtreten genauso nahe wie der „Dancing Queen“.

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