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ALEXANDER KNAPPE - Zweimal bis unendlich

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Artist ALEXANDER KNAPPE
Title Zweimal bis unendlich
Homepage ALEXANDER KNAPPE
Label FERRYHOUSE
Leserbewertung
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2.8/10 (5 Bewertungen)

Eigentlich wollte der Cottbusser ALEXANDER KNAPPE ja Profi-Fußballer werden. Die Scouts von Hertha BSC waren bereits auf ihn aufmerksam geworden und hatten ihn auf die Sportschule nach Berlin geholt, da machte mit 18 ein Kreuzbandriss den Traum zunichte. Ein – wenn auch erfundener – Kreuzbandriss war es auch, der seine Teilnahme bei der ersten X-Faktor-Staffel vor zwei Jahren beendete. Die Schummelei, mit der er seine Castingshow-Teilnahme zugunsten des Show-Projektes einer Plattenfirma beendete wollte, flog dummerweise auf und damit hatte sich der heute 27-jährige erst einmal erfolgreich selbst ins Off geschossen.

Bei Ferryhouse glaubte man jedoch an den Mann, der Wert darauf legt, sein eigenes, sehr authentisches Ding machen zu wollen, aber irgendwie doch sehr die emotionstriefende XAVIER-NAIDOO-Leier bedient. Dass PHILIPP POISEL beim gleichen Label unter Vertrag steht, ist vermutlich ebenfalls kein Zufall und mit seinem deutschsprachigen Balladenpop dürfte der Herr insbesondere die jungen Damen als Zielgruppe im Visier haben, die smarte Jungstars stehen und es mögen, wenn sich die Stimme vor lauter Soul fast überschlägt und zu kippen droht. Das bekommt die holde Weiblichkeit bei ALEXANDER KNAPPE zur Genüge geliefert. Angefangen beim Piano beseelten Opener „Meilenstein“, der die zuckrige Richtung vorgibt, über das nicht minder schmachtende „Weil ich wieder zuhause bin“, das aber immerhin ein wenig Tempo aufnimmt und das wieder sehr getragene „Frei“, worauf das sehnsüchtige und von Streichern begleitete „Sag dass du“ mit der vollen Pathos-Breitseite folgt. „Weißt du noch was Liebe ist“ kann zwar textlich nicht wirklich überzeugen, legt aber wenigstens einen Zahn zu, während „Glückstadt“ tatsächlich ein kleiner Hoffnungsschimmer ist. Die Nummer groovt und macht Spaß, was man von der ersten Single „Sing mich nach Hause“ nur begrenzt sagen kann. Der Newcomer trägt einfach viel zu dick auf. Gefühle sind ja schön und gut, aber in der Intensität, wie sie „Zweimal bis unendlich“ an den Tag legt, ist es doch ein wenig zu viel des Guten. „Letzter Tag“ ist mit den Melodica-Passagen für sich genommen ganz okay, nur im Kontext mit den übrigen Songs wird’s halt zu üppig. „Fallen“ geht da schon mal gar nicht, was nicht zuletzt am weiblichen Gastgesang liegt, der nicht minder schwülstig ausgefallen ist. Ein „Wunderwerk“ ist „Zweimal bis unendlich“ eher nicht, vielmehr empfehlen sich die Schmachter für das weibliche Publikum mit einem besonders großen Herzen, die zum rhythmusbetonten „Wenn du lachst“ auch mal das Tanzbein schwingen dürfen, ehe das finale „Was ich singe“ noch einmal zum großen Befindlichkeits-Rundumschlag ausholt.

Wahrscheinlich wird ALEXANDER KNAPPE mit seinem Debüt sogar Geld verdienen können. Die Ansätze sind auch gar nicht sooo schlecht, aber bei der Ausführung wäre weniger eindeutig mehr gewesen. So ist „Zweimal bis unendlich“ relativ austauschbarer Deutschpop mit netten Liebesliedchen und viel zu viel vermeintlich großem Gefühl, dem es am leider an der propagierten Authentizität fehlt.

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