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AMORAL - Show Your Colors

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Artist AMORAL
Title Show Your Colors
Homepage AMORAL
Label SPINEFARM
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Da ist es also, das neue AMORAL Album, von vielen heiß erwartet, andere sahen der Sache mit eher gemischten Gefühlen entgegen und bereits im Vorfeld sorgte Neuzugang und Finish Idols Gewinner ARI KOIVUNEN für ordentlich Zündstoff. Über den ersten Song „Year Of The Suckerpunch“, den die Finnen auf ihrer Myspace Seite auf die Meute losgelassen hatten, gab es Reaktionen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Von totaler Ablehnung über (neue?) Fans, welche die Ausrichtung liebten, war so ziemlich alles vertreten. Viele waren der Meinung, die Band wäre nicht mehr, was sie einmal war, es wäre nun eher „Ari mit Band“, statt AMORAL – ARImoral also? Nun, mit „Show Your Colors“ ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen. Die Zeiten von progressiverem Death Metal und Gegrowle sind jedenfalls vorbei, Power Metal mit leicht harter Schlagseite ist angesagt. Ein K.O. Kriterium?

Bereits der Einstieg ins Album gestaltet sich mit dem Instrumental „Random Words“ ungewohnt ruhig. Melodiöser sind sie also geworden, was im folgenden „Release“ auch wieder klar hörbar ist, rein musikalisch sind die alten AMORAL immer noch irgendwie zu erkennen, doch stimmlich zeigt sich schon ein erheblicher Unterschied. Wobei sich bei finnischen Gigs bzw. Liveaufnahmen von diesen bereits im Vorfeld gezeigt hatte, dass das Finnische Idol durchaus mit brauchbaren Growls aufwarten kann. Die bereits erwähnte erste Singleauskopplung „Year of the Suckerpunch“ kann mit einem derartig fies-kitschigen Refrain aufwarten, dass man gar nicht umhin kommt, ihn bereits nach einem Durchlauf im Ohr zu haben. Viele dürften wohl zwischen Abneigung über derart ungewohnt melodiöse cleane Vocals und Interesse aufgrund besagter Ohrwurmqualitäten schwanken. Völlig überraschend kommt diese Wende hin zu mehr Melodien so oder so nicht, waren bereits erste Anzeichen dafür auf „Reptile Ride“ zu erkennen – im Prinzip ist man also nur äußerst konsequent und geht diesen Weg weiter. Stellenweise kamen mir die Landsmänner von TWILIGHTNING in den Sinn – Anhänger dieser Truppe könnten ergo bestimmt auch was mit „Show Your Colors“ anfangen. Bei „Perfection Design“ oder „Sex N‘ Satan“ zeigt sich, dass AMORAL richtig schön rotzig nach vorne rocken können. Was einfach stört, ist die Tatsache, dass nach richtig schön rockigen Passagen irgendwann wieder die seichte Weichspülschiene gefahren wird… warum?! Insgesamt schwanke ich während der gesamten CD zwischen „Klingt doch gar nicht so schlecht“ und „Was soll das denn jetzt?“. Mich beschleicht das Gefühl, dass sich das auch so schnell nicht ändern wird. Letzten Endes können wohl nur die Liveauftritte zeigen, was der neue Fronter wirklich drauf hat und wie dann das alte Material präsentiert wird. Bis dahin werde ich den „neuen“ AMORAL erstmal ein wenig kritisch gegenüberstehen.

Alteingesessenen Fans wird „Show Your Colors“ definitiv gehörig vor den Kopf stoßen, wer allerdings zum einen mit Aris Stimme etwas anfangen kann und eine Portion mehr Melodien verträgt, kann auch hier ein Ohr riskieren. Eines ist aber gewiss, AMORAL haben mit dieser Scheibe nicht nur alte Fans verprellt, sondern hauptsächlich eine breitere, wenn auch anders gelagerte, Fanbasis erschlossen. Trotz des faden Beigeschmacks: Wenn man sich an Energiebündel Niko Kalliojärvi gewöhnt hatte, ist die Platte letzten Endes definitiv nicht schlecht ausgefallen – denn gut sind die Jungs nach wie vor. Und wenn man das Album nur unter dem Aspekt „Melodic Metal“ sieht, ist es für sich allein gesehen eine runde, äußerst eingängige Sache, wenn auch verglichen mit dem alten Material definitiv zu seicht.

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