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AMORPHIS - Circle

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Artist AMORPHIS
Title Circle
Homepage AMORPHIS
Label NUCLEAR BLAST
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.8/10 (46 Bewertungen)

Vom Death Metal haben sich AMORPHIS schon seit langem verabschiedet. Zwar taucht die alte Diskussion über true oder untrue bei jedem Album der Finnen reflexartig überall im Netz wieder auf und wird mit fanatischer Verbissenheit geführt, aber eigentlich spielt sie keine Rolle mehr: AMORPHIS ehren ihre Wurzeln, aber sie haben sich längst weiterentwickelt – zu einer gewaltigen, vielseitigen und extrem kreativen Band, die sich über Genregrenzen hinwegsetzt, um ihr ureigenes Ding zu machen.

Das AMORPHIS-Ding war lange die Vertonung finnischer Mythen und Legenden, aber auch davon hat sich die Band auf „Circle“ verabschiedet. Stattdessen erzählen sie die nicht minder epische Geschichte eines Mannes, der in einer tiefen Lebenskrise erst einmal zu sich selbst finden muss, bevor er sich wieder der Zukunft zuwenden kann. Der „Circle“ steht dabei für einen Kreis der Weisen, in dem dieser Mann berufen wird, aber der letzte Song „A New Day“ stellt auch klar, dass es hier um einen Kreis geht, der sich schließt, um ein Ende, das gleichzeitig eine Wiedergeburt bedeutet. Stoff, aus dem Legenden sind, und damit anders und doch typisch AMORPHIS.

Anders und auch typisch ist der Sound, in den AMORPHIS diese Geschichte fassen. Dass „Circle“ wieder mehr Druck und Energie verströmt als der Vorgänger „The Beginning Of Times“, ist dabei keine Frage bloßer Härte, sondern von subtiler Dynamik, möglicherweise begründet durch die feine Hand von Produzent Peter Tägtgren, der dieses Mal an den Reglern saß. Dabei wird durchaus noch gegrowlt, und zwar ordentlich: Gleich zu Beginn stellen AMORPHIS bei „Shades Of Grey“ klar, dass sie noch richtig fies und brutal klingen können, wenn sie wollen. Nur müssen sie das nicht mehr. Dafür haben sie längst verinnerlicht, wie man Growls mit zarten Instrumenten wie Querflöten kontrastiert, um damit perfekt widerstreitende Emotionen darzustellen, wie sie hier besonders schön bei „Nightbird’s Song“ demonstrieren, der noch dazu mit Gitarrenfiguren aufwartet, die wunderbar hymnisch klingen, ohne je ins Peinliche abzurutschen.

Die Qualität von „Circle“ liegt in eben diesem Spiel mit der Dynamik: Die Härte und die Kraft von AMORPHIS wirken umso intensiver, weil sie kein Selbstzweck sind, sondern dann eingesetzt werden, wenn es dem Song wirklich dient, wenn die Verzweiflung im „Nightbird’s Song“ ein Ventil braucht, wenn die desolate Verfassung des Protagonisten zu Beginn des Albums mit ungehemmtem Growl herausgeschrien wird oder die atemberaubende Werwolf-Ekstase von „Enchanted By The Moon“ nicht nur animalische Energie, sondern auch ein anständig schnelles, extrem treibendes Schlagzeug erfordert. Die feinfühlige Produktion lässt dabei jedem Instrument den nötigen Raum, ganz gleich, ob es sich um Flöten, singende Gitarren oder apokalyptische Keyboards handelt – oder sogar um ein Saxophon, das für einen ganz überraschenden Schlusston sorgt.

Orientalische Sounds finden sich auf „Circle“ nur noch selten, dafür aber umso mehr hymnische, aufrüttelnde Melodiebögen, die wechselweise von den Keyboards oder den Gitarren getragen und oft aus Folkelementen herausgelöst werden. Und wenn dann am Schluss bei „A New Day“ die Adler neben dem Erzähler landen, dann ist das großes Kino im besten Stil vom Herr der Ringe. True oder untrue – wen kümmert das angesichts einer so herausragenden Melodic-Metal-Platte noch?

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