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ANACRUSIS - Annihilation Complete – The Early Years Anthology (CD/ DVD)

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Artist ANACRUSIS
Title Annihilation Complete – The Early Years Anthology (CD/ DVD)
Homepage ANACRUSIS
Label STORMSPELL RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Mehr KULT geht ja nun wirklich nicht!

Die völlig einzigartigen US-Thrasher ANACRUSIS stellten im Zuge ihrer Re-Union 2009 diese famose Compilation zusammen für ihre Die Hard-Fans. Das kultige und noch sehr rohe 1987er-Demo „Annihilation Complete“ (welches übrigens im Original im Regal des Rezensenten schlummert!) bewies schon damals die Andersartigkeit der Combo, welche sich erst so richtig in den damals leider verkannten Meisterwerken „Manic Impressions“(1991) und „Screams and Whispers“(1993) zeigte. Schon seit Gründung 1985 musizierte man anders als sämtliche Thrash-Kapellen und bis heute gibt es keine auch nur annähernd vergleichbar klingende Band!

Das schlug sich natürlich nicht in riesigen Verkäufen nieder, trotz grandioser NEW MODEL ARMY-Coverversion von „I Love the World“(1991) – die ja gut hätte vermarktet werden können. Man verschwand Mitte der 90er wie so viele innovative Bands in der Versenkung, erlangte aber nach und nach einen Kult-Status, der die CD-Preise auf eBay in Schwindelerregende Höhen trieb (teilweise dreistellig für das Debut!) und letztlich von hartnäckigen Fans angeschoben in der 2010er-Reunion auf dem ´Keep it True´-Festival mündete. Dort konnte man ebenso brillieren, wie auf dem Rock Hard-Festival im Jahr darauf. Kenn Nardi singkreischt nach wie vor vollkommen einmalig und was er mit seinem Sidekick Kevin Heidbreder an der Klampfe abzieht, ist ebenfalls völlig outstanding. Die Jungs sind technisch dermaßen brillant, dass man alles spielen kann und den Prog-Thrash damit auf ein neues Level hob. Damit wird man zwar nicht Reich, sichert sich aber auf ewig einen Platz im Metal-Olymp! Und in den Herzen der Qualitätsbewussten Headbanger, denen dieser Release gewidmet ist.

„Classic Doom/ Thrash Metal Demo“ prangt auf dem seitlichen Inlay, besser kann man „Annihilation Complete“ nicht beschreiben. Das walzend losrollende „Disemboweled/ Annihilation Complete“ beweist diese Umschreibung gleich zu Beginn, der Track steigert sich dann über progressives Geschrubbe zu lupenreinem Thrash Metal, der neben dem einzigartigen Gesang auch eine völlig unkonventionelle kompositorische Herangehensweise offenbart. Klingt natürlich auch heute noch Demo-Schraddelig nach 1987, welche Metalcombo hatte damals schon Kohle für eine vernünftige Aufnahme? Zum Glück niemand! Ähnlich wie VOIVOD seinerzeit verstanden es ANACRUSIS ihrem rohen, brutalen Thrash Metal eine sehr progressive und doomige Note zu verleihen und diese mit technischen Raffinessen zu verzieren… die gut 6 Minuten von „Imprisoned“ sind ebenfalls Wahnsinn im Quadrat und verblasen auch heute noch sämtliche Neu-Thrashkasper mit Leichtigkeit! Das hat im linken kleinen Zeh mehr Metal, mehr Esprit, mehr Spirit als alle TRIVIUM etc.-Unwichtigkeiten dieser Welt zusammen… nur haben die heutigen BaggyPant-ScheitelKajal-Fatzkes da natürlich null Ahnung von und kaufen lieber die 825.Kopie der Kopie in rauen Massen. Konsum statt Musik.

Wovon man mittlerweile auch alte Helden nicht mehr ausklammern kann… irgendwie muss man ja auch Leben davon(ANTHRAX, MAIDEN etc.). Das war in den güldenen 80ern ja noch anders und wesentlich ungestümer, mittlerweile orientieren sich ja erfreulicherweise etliche Bands wieder in die basischere Richtung (keine High End-Plastik-Produktionen etc.). Ungestüm ist das Stichwort, denn Thrash-Attacken wie „Fighting Evil“, „R.O.T.“ und „Frigid Bitch“ gehören in jeden kultigen Thrash-Haushalt, der doomige Batzen „Pendulum“ ist nicht minder großartig. Das treibende „Vulture´s Prey“ lässt die Vorliebe der Herren für (progressiven) US-Metal durchklingen und weist Kenn einmal mehr als sehr passablen Clean-Sänger aus, der umgehend zwischen Schrei/ Kreisch und Clean wechseln kann. Die siebenminütige „Apocalypse“ beginnt akustisch-ruhig, steigert sich zum US-Metal Epiker mit leichten BATHORY-Anleihen und fasziniert mit seiner Andersartigkeit(gegenüber dem restlichen Material), bevor mit dem harschen Thrasher „Injustice“ nochmal die Nackenwirbel beansprucht werden.

Dieses Über-Demo gehört in die vorderste Riege der Kult-Thrash Metal Demos, wo sich Sachen wie „No Life ´til Leather“, „End of the World“, „To the Death“, „Hunting Dogs“, „Nocturnal Spectre“, “ Last Rites“, „Slaughter in the Vatican“, „Exodus“, „Kill as One“, „Into the Inferno“, „Bestial Invasion from Hell“ oder „Victims of Death“(um nur einige zu nennen) tummeln! Punkt.

Enthalten ist hier übrigens die zweite Version des Demos mit 9 Songs, die erste Version von 1986 mit 7 gab durch die viele Kopiererei (YESSS!) ihren Geist auf, als man schon einen Deal mit Axis Records für 2 Alben unterzeichnet hatte und im „Metal Forces“ als „Demo of the Year 1987“ abgefeiert wurde! Zu diesem Sahnestück gesellen sich 7 weitere Ultra-Raritäten, die wohl jeden Fan zittrig werden lassen: „Frigid Bitch“ und „Pendulum“ von einem 1986er-Demorecording (kurz nach Kenns Einstieg), „Imprisoned“ als 86er-Rehearsal, „Fighting Evil“/“R.O.T.“/“Injustice“ als 87er-Rehearsal und „Powerhouse“ als 88er-Rehearsal! Für jeden Sammler ein absoluter Gourmethappen, bei dem der rohe Sound gar keine Rolle spielt. Scheiß auf „moderne“ komprimierte Kacksounds!

Dazu gesellt sich auf Scheibe 2 eine nicht minder kultige DVD, die mit einem 86er-HEAVEN´S FLAME-Gig auch Prä-ANACRUSIS-Material enthält bzw. Songs präsentiert, die dann für ANACRUSIS übernommen wurden, nachdem Kenns alte Combo auseinanderbrach. Zu den 6 Trax gibt es noch ganz frühes Bandmaterial von 1987 (6 Songs) und zweimal 1988 (9 plus 6 Sahneschnitten), sowie Slideshows von beiden Bands. Abgerundet wird dieser famose Doppeldecker von einem sehr reich bebilderten und ausführlichen Booklet, in dem zu jeder Aufnahme etwas über die Entstehung geschrieben wird. Alle Texte sind ebenfalls enthalten.

Besser kann man das nicht machen, wer hier nicht zugreift, ist selber schuld! Thrash Metal-History.

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