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ANCHONY - In The Asylum

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Artist ANCHONY
Title In The Asylum
Homepage ANCHONY
Label T RECS MUSIC
Leserbewertung
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10.0/10 (5 Bewertungen)

Bereits das erste ANCHONY Demo wurde von mir mit klarem Wohlwollen und einem abschließenden “Chapeau” belobhudelt. Inhaltlich ist beim nun vorliegenden ersten Longplayer nichts zu revidieren. Die Freiburger etablieren sich nach meinem Empfinden als hoffnungsvollste Nachwuchsband der deutschen Thrash Metal Szene. „In the Asylum“ überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde und schreitet jederzeit gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen komplexem Songwriting und bauchgesteuerter Leidenschaft am derben, harten Metal.

„In the Asylum“ scheint – wenn ich das Booklet richtig interpretiere – ein Konzeptalbum zu sein. Dabei ist das Asyl wohl eine Metapher für eine psychiatrische Heilanstalt, die wiederum (vielleicht) ebenfalls nur eine Metapher für den Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben ist. Das von außen so furchterregende Asyl des Albumcovers ist somit ein Ort der Heilung, oder wie es im Booklet heißt, des Erwachens. Das Entstehen des Guten aus dem Schrecklichen ist in gewisser Hinsicht ein wunderbares Bild für die tiefere Ästhetik extremen Metals, insofern würde diese Geschichte richtig gut zu einer Band wie ANCHONY passen und würde aufzeigen, wie weit diese Band auch gedanklich schon ganz vorn in der Szene ist. Jedoch sind dies bislang nur inspirierte Spekulationen meinerseits – nicht wirklich bin ich in der Lage, die Texte zu verstehen angesichts des heiseren Gebrülls von „Sänger“ Alex, zukünftige Interviews werden hier vielleicht Abhilfe schaffen.

Blicken wir also noch mal genauer auf die Musik, die es ja gottlob gewaltig in sich hat. Im Gegensatz zu leider so vielen neuen Thrash Bands orientieren sich die Freiburger nicht an alten (uralten) SODOM oder KREATOR. Die Paten ANCHONYs stammen deutlich hörbar aus der Bay Area und sind zeitlich auch einige Jahre später anzusiedeln. Viele METALLICA Riffs aus der glorreichen „Master of Puppets“ -Phase klingen hier an. Mit den wahren Kings of Metal eint die Freiburger neben dem Riffing vor allem eines: im Zentrum steht der Song, der wiedererkennbar ist, der eine eigene Persönlichkeit hat. Trotz des stets komplexen Aufbaus der einzelnen Stücke finde ich hier keinen Schnörkel und keine Frickelei, die Selbstzweck wäre. Neben den N’tallicats sind hier als Anhaltspunkte wohl SLAYER und eventuell auch frühe ANNIHILATOR zu nennen, immer zu denken aber ohne die zahlreichen großen Tempoausbrüche. ANCHONY holen den großen Hub eher aus dem tiefen Raum oder, um diesen rätselhaften Satz klarer zu formulieren: ANCHONY produzieren musikalische Härte durch den extremen Gesang in Verbindung mit schneidenden Riffs. Dazu verfügen die Breisgauer über ein superbes Verständnis für musikalische Dynamik und mischen düster-atmosphärische Parts mit treibenden Gegenstücken.

Summa summarum ist also auch der zweite Streich ein echter Treffer und ich wiederhole meinen Wunsch aus dem ersten Review: ich möchte die Jungs mal live on stage erleben. Aus der Konserve schmecken schon jetzt kaum andere deutsche Thrash Bands leckerer!

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