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AND ONE - Aggressor

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Artist AND ONE
Title Aggressor
Homepage AND ONE
Label VIRGIN/ EMI
Leserbewertung
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5.1/10 (16 Bewertungen)

Steve Naghavi, Sohn deutsch-iranischer Eltern, hat eine schwere Zeit hinter sich gelassen. Nach dem 11. September 2001 geriet er ins Visier pflichtbewusster deutscher BKA-Beamten. Na klar, alle Parameter eines muslimischen Gotteskriegers schienen gegeben. Unregelmäßige Kontenbewegungen, Telefonate nach Moskau und in die Staaten, Flugschüler (!) und iranischer Vater. Nachbar und Vermieter wurden interviewt, Telefone abgehört, Wohnungen observiert. Wer will da an Musik denken? Naghavi tauchte für mehr als ein Jahr ab, anscheinend nur noch virtuell mit der Welt verbunden. Jetzt ist er wieder da, die Zeit hat Spuren hinterlassen, das wird auch in der Musik deutlich. Das vierte Album für Virgin (das achte insgesamt) unterscheidet sich in ein paar Punkten vom relativ poppigen Vorgänger: Chris Ruiz ist zurück und singt sogar („Fernsehapparat“, der erste nicht von Naghavi vorgetragene Song), ALLE Texte dieses mal in deutsch, kein Blödsinn darunter, und wieder eine Schlagseite hin zu mehr Härte. Allerdings nicht mehr die Härte der Anfangstage, die wird wohl nie mehr erreicht.

Neben der besonderen Betonung der bösen MP3-Piraterie fällt „Aggressor“ auch durch das eigentliche Artwork auf, welches genauso wie die messerscharfen Texte nur schwer zu dekodieren ist. Man versucht, in Naghavis Kopf einzutauchen, muss aber schnell feststellen, dass man den Boden nicht sehen kann, dennoch faszinierend. Da singt er etwas von „totgebombter Liebe“ im Gaza-Streifen und israelischen Mädchen, wen er genau anklagt, bleibt im Dunkeln und das sicher nicht von ungefähr. Die Single „Krieger“ wiederum dürfte ja schwarzen Szenegängern bereits bekannt sein. „Aggressor“ startet trotz des aggressiven Namens eher verhalten und in Richtung Minimalelektronik. Einige Songs gehen durchaus als Mischung aus WELLE ERDBALL und MELOTRON durch, allerdings mit Klasse und schrägen Soundideen. Je länger die CD rotiert, desto härter wird es, bis der „Strafbomber“ im NITZER EBB (oder aktuell DUPONT)-Stil mein Wohnzimmer zur Tanzfläche verwandelt, gelungene Bass-Lines regen zu akzentuierter Fußbewegung ein. „Fernsehapparat“ wird durch Ruiz’ nöligen Gesang zur DAF-Reminiszenz, bevor die „Toten Tulpen“ als eigenartiges Anti-Liebeslied für morbides Erstaunen sorgen.

Ein Album, das wächst, ein sehr persönliches Album, welches den Spagat zwischen Kommerz und Individualität versucht und meistens schafft. Die Mehrzahl der Songs lädt eher zum Alleinhören und zur Reflexion ein, bevor es dann und wann clubtauglich wird. Mein Respekt vor allem für die hohe Qualität der Texte und ich denke, Naghavi geht es als Mensch jetzt auch wieder besser, was ja nicht unwesentlich ist.

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