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ANDERS/ FAHRENKROG - Two

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Artist ANDERS/ FAHRENKROG
Title Two
Homepage ANDERS/ FAHRENKROG
Label KOCH/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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4.5/10 (15 Bewertungen)

Warum bloß kommt mir bei der musikalischen Eheschließung ANDERS/ FAHRENKROG als erstes der neumodische Begriff „Terrorkino“ ein? Immerhin wird doch promotechnisch von DER „Pop-Sensation“ gesprochen und gut gehalten haben sich die braun-gebrannten Herren auch. Kurz zur Historie, die möglicherweise nicht alle Spätgeborenen parat haben. Thomas Anders war der weibliche Teil des irgendwann in grauer Vorzeit mal wahnsinnig erfolgreichen Duos MODERN TALKING (sein Partner-In-Crime hat es danach auf Privatsendern zu einer gewissen Berühmtheit gebracht…), Jörn Uwe Fahrenkrog-Petersen zeichnet kompositorisch immerhin für einige wirklich schöne NENA-Klassiker verantwortlich, diesbezüglich also keine Vorwürfe. Zudem hat er den Soundtrack zum genial-schrägen „Igby“ geschrieben, Talent ist also durchaus vorhanden. Nun also gemeinsam an die Front, der Titel „Two“ bringt es avantgardistisch minimal auf den Punkt. Und was dürfen wir erwarten: Innovatives Sounddesign, Pop Musik für ein neues Jahrzehnt oder doch nur vermoderte musikalische Wiedergänger?

Die Single (und ganz klassisch Opener) „Gigolo“ versprach nichts Gutes: Eine Mischung aus Italo Disco, Schlagertechno und etwas Synthie Pop kombiniert mit lyrischem Machismo, den man eigentlich schon ausgestorben wähnte (leider fehlen NDW-Einflüsse völlig). Musik für den Ballermann oder das trinkfeste Schützenfest in Gelsenkirchen-Buer. Natürlich besitzt Anders‘ Stimme Wiedererkennungswert, doch insbesondere im Kopfstimmen- bzw. Autotune-Bereich bereitet der mittlerweile 48-Jährige ordentlich Bauchschmerzen. Die Ansammlung von 11 Tracks mit so einfallsreichen Titeln wie „Summer of Love“, „Why do you cry“ oder „I miss you“ greift sämtliche Pop-Klischees der letzten 30 Jahre ab. Hier ein fast unerträglicher Schmachtfetzen („Stay“ – schon im SHAKESPEARS SISTER-Original eher zum Weghören), da latent Reggae-angehauchtes Gute-Laune-Feeling („SoL“), dazwischen allerlei belanglose Tonfolgen im klassischen Strophe-Refrain-Strophe-Design ohne auch nur die geringsten Überraschungen. Ok, 2 mal wird es etwas beatiger – „Wicked Love“/ „Army of Love“ – wo man mit bestem Willen an seichte Electro-Kapellen aus dem „schwarzen Umfeld“ erinnert, doch ansonsten bleibt man immer auf der sicheren Seite. Auch lyrisch, wo das Thema „Liebe“ in allen Varianten durchgekaut wird, ohne über simple Herz-Schmerz-Reime hinwegzukommen.

Das ist alles überaus professionell in Szene gesetzt, deutlich besser als Bohlens Retortenklänge und doch nicht mehr als Hausfrauen-Electro von der Stange, bei dem man schön im Stehen mitklatschen und die Protagonisten anhimmeln kann. Für seriöse Musikhörer geht das ganze als gnadenlos debiler Trash durch, womit man immerhin für kurze Zeit die Sorgen des Alltags verdrängen mag. Doch sie tanzten nur einen Sommer…

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