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ANDRÉ SCHÖNFELDER - Metal, Bier und Wurstsalat (Buch)

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Artist ANDRÉ SCHÖNFELDER
Title Metal, Bier und Wurstsalat (Buch)
Homepage ANDRÉ SCHÖNFELDER
Label ZSR VERLAG
Leserbewertung
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6.5/10 (2 Bewertungen)

Autor André Schönfelder (geb. Schreiber) verfasst bereits seit seinem 12.Lebensjahr eigene Texte, hauptsächlich Gedichte und Kurzgeschichten. Dabei hätte er lieber bleiben sollen, muss man leider nach dem „Genuss“ seines Debüt-Romans „Metal, Bier und Wurstsalat“ konstatieren. Der am 26.8.1980 in Templin geborene und mittlerweile in Oldenburg lebende Autor schafft es trotz interessanter Ausgangsstory nicht, den Leser auf 260 Seiten bei Laune zu halten. Spätestens wenn man zum dritten Mal bei „Arbeiten, Saufen, Feiern, Kotzen“ angekommen ist, reicht einem der stumpf geschriebene, Tagebuchähnliche Quark, der von dem fiktiven Leben des Metal-Sängers Simon Drews (womit der Autor einen selten dämlichen Nachnamen für einen Metalhead ersonnen hat!) handelt.

Simon ist 19 und hegt den Traum eines jeden Metallers, nämlich es mit seiner Hinterhofkapelle SOCIETY OF SKELETONS (die es NICHT gibt!) den großen Vorbildern SLAYER gleich zu tun und ebenso berühmt zu werden. Man will raus aus seinem pisseligen niedersächsischen Heimatdorf Apen, bekommt aber nichts wirklich auf die Reihe, weil man üble Anfängerfehler begeht, die heutzutage allerdings in dieser Form keiner Band mehr passieren. So lässt sich wohl niemand mehr ernsthaft auf einen „Manager“ ein, nur weil er von jemandem zugelabert wurde, der sich als solcher ausgibt. Schon gar nicht, wenn man noch nicht mal eine Aufnahme vorweisen kann. Völlig abstruser Quark. Die Bandgeschichte steht quasi im Vordergrund der „Handlung“, wird aber penetrant immer wieder von Saufgelagen aller erdenklichen Art torpediert, so dass es sich eigentlich um ein Buch über exzessives Trinken handelt. Womit man beim schönen allgemeinen Klischee vom permanent saufenden Metaller angekommen ist, wofür auch immer eine solche Darstellung dienen soll. Da der Autor selber Sänger in diversen Metalbands ist seit 2004, kann ich die Intention dahinter nicht nachvollziehen. Entweder sieht er sich selber in dieser völlig dämlichen Rolle, oder er karikiert sie absichtlich. Ernst nehmen kann und sollte man das nicht wirklich!

Fast jedes Kapitel beginnt in etwa mit „wieder ein Tag auf Arbeit, Bandproben, Saufen, Kotzen, mir geht’s so schlecht etc.“ Der Handlungsstrang mit der problematischen Elternbeziehung wird zu wenig ausgebreitet, ebenso die Beziehungen zu einigen Mädels. Einzig das Wacken-Kapitel weiß ein wenig Lesespaß zu vermitteln, wird aber durch dumm-prolliges Saufverhalten der Protagonisten wieder zu Nichte gemacht. Was mich ebenfalls auf die Palme bringt, sind die zahlreichen Schreibfehler und die vollkommen unlustige Vollbreitsprache. Liest da keiner Korrektur vom Verlag??? Also dutzende Fehler in einem offiziellen Buch sind schon ein starkes Stück und bei einem Preis von 9,90 Euro absolut nicht vertretbar! Außerdem ist der Autor doch ein Metalhead, wie können dann Amateur-Bandnamen-Fehler wie NEVER MORE oder MASCHINE HEAD passieren und seit wann sind MORTAL SIN eine True Metal-Combo??? Lächerlich! Ganz abgesehen von inhaltlichen Fehlern wie (Zitat) „Alter, wenn Paul (Bostaph) nich’ aus persönlichen Gründen weggegangen wäre, dann würde er immer noch spielen. Dann hätte Lombardo nie bei SLAYER angefangen!“ Jemand, der mit der SLAYER-Historie nicht bewandert ist, der bekommt hier einfach eine Falsch-Information! Schließlich ist Dave Lombardo lediglich nach einer mehrjährigen Pause wieder auf seinen Drumschemel zurückgekehrt!

Ebenfalls hanebüchend sind die mehrfach eingestreuten Texte (die einmal zu erwähnen hätte ja auch gereicht) wie: “He drowns in the ashes of empires/longer as old the time is/ to torture all lost souls in his dungeon called hell// not only his crime is/ The unsuccessful trials of mankind to live/ in gods hands will be honored by him/ with endless sorrow/ Our fucking lives are at best borrowed// In praise of our dark lord/ we will wash our hands in blood/ He sended out us to make ashame your god”! Gut, dass es zu dieser (und der anderen) „großartigen“ Lyrik keine Musik gibt, die Groß- und Kleinscheibung ist tatsächlich so abgedruckt wie oben zitiert! Weshalb auch immer… „Großartig“ sind auch die permanenten Wiederholungen von Wörtern innerhalb eines Textabschnitts, da wirste bekloppt beim Lesen. Auf einer Seite schafft es André immerhin 14mal (!) das Wort Pizza zu verbraten, als es darum geht, selbige zu vertilgen – mal wieder, was auch permanent penetrant beschrieben wird das ganze Buch über. Da die Band ja angeblich SLAYER nacheifert und somit Thrash Metal spielt, ist fraglich, was eine „Wall of Death“ bei einem Konzertbericht zu suchen hat?! Völlig falsches Genre und eine ebensolche habe ich in einem Jugendzentrum auch noch nicht erlebt. Positiv überrascht war ich allerdings über eine Band, mit denen SOCIETY OF SKELETONS zusammen einen Gig bestreiten: IN SIGNUM! Die Jungs kenn ich ja. Auch Sulingen und Vechta sind mir gut geläufig, dort finden weitere Gigs von Simons Band statt. Anscheinend ist der Autor mit seinen Kapellen doch ein wenig rumgekommen.

Trotzdem kann das nicht über völlig unwahre Behauptungen wie (Zitat Wackenpart): „…und überbrückten die Zeit mit einem kleinen Bandinternen Wetttrinken. Es ist gut zu wissen, dass nicht nur wir solch eine Macke hatten, sondern ein Großteil der Metalszene bzw. Rockszene so gestrickt ist“. Es ist eher gut zu wissen, das ein Großteil der harte Mucke-Szene 666mal mehr Hirn hat,als der hier präsentierte Musikus namens Simon – von denen es aber ganz klar auch jede Menge gibt. Der Autor wirft somit kein gutes Licht auf die Metal-Szene und bedient jedes negative Klischee, welches die allgemeine Öffentlichkeit hegt. Es gibt also trotz interessanter Story absolut keinen Grund, dieses Buch weiter zu empfehlen, da es weder lyrisch, noch inhaltlich für Kurzweil sorgt. Dass die Band sich nach einigen „geschäftlichen“ Fiaskos auf Grund von beruflichen Umzügen einiger Bandmitglieder auflöst, ist ebenso nebensächlich, wie die Tatsache, das anscheinend Haake Beck dieses Werk gesponsert haben (bei derart häufiger Nennung muss da doch was bei rumgekommen sein…).

Überflüssig.

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