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ANNE CLARK - Synaesthesia – Classics Re-Worked

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Artist ANNE CLARK
Title Synaesthesia – Classics Re-Worked
Homepage ANNE CLARK
Label FDA
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Kürzlich ist ANNE CLARK 61 Jahre alt geworden. Gut möglich, dass die Musikerin und Poetin froh ist, das abgelaufene Lebensjahr hinter sich gelassen zu haben. Immerhin hatte sie nicht nur wie wir alle mit dem ätzenden Corona-Virus zu kämpfen, sie war zu allem Unglück auch noch lebensbedrohlich an Krebs erkrankt. Doch jetzt erscheint „Synaesthesia“ – eine Auseinandersetzung mit 14 Songs der New-Wave-Ikone, was hoffen lässt, dass die Britin vollständig genesen ist. Denn auch wenn ein Großteil der Arbeit an den ANNE-CARK-Klassikern zunächst auf den Schultern der beteiligten Musiker*innen lag, war die Spoken-Word-Meisterin natürlich selbst maßgeblich an der – nennen wir es mal – Überarbeitung ihrer Lieder beteiligt.

Im Fall des Tracks „The Hardest Heart“ hat es bereits 2002 eine Zusammenarbeit zwischen dem deutschen DJ-Duo BLANK & JONES und ANNE CLARK gegeben. Sie selbst veröffentlichte eine Version auf ihrem 2008er „The Smallest Acts of Kindness“. War Anne im Alleingang eher zurückhaltend, baten die DJs selbstredend bereits Anfang der Nuller-Jahre umgehend auf den Dancefloor und den befeuern die Herren dieser Tage mit ihrem 2021-Revisit-Mix erst recht! Man hört förmlich, wie den Jungs die große Party fehlt und ich bin mir sicher, dass die schwarze Gemeinde bei dieser treibenden Nummer richtig steil ginge! Ganz klar mein Favorit, während Anne sich für „Wallies“ im Kickin‘ Mix von HERR B entschieden hat. Mit diesem Musiker hat Misses Clark bereits bei den EPs „Fairytailes From The Underground“ (2014) und „Life Wires“ (2015) zusammengearbeitet und HERR B hat sich mit dem Stück vom 1983er „Changing Places“ wahrlich einen Klassiker ausgesucht, der heuer mit viel Drive daherkommt. Derweil ist das hypnotische „Take Control“ ein Song, an dem ANNE CLARK erst vor Kurzem auf Einladung von DJ SOLOMUN mitgearbeitet hat. Auch „Entire World“ im Ballad Mix mit THOMAS RÜCKOLDT aus Jena ist jüngeren Datums. Ursprünglich war die Nummer Teil der gemeinsamen „Stop Brexit“-Single aus 2019 und gleichzeitig zitiert sie auch Schillers Gedicht „An die Freude“. Die beiden Künstler haben schon 2018 zusammen an Annes Longplayer „Homage – The Silence Inside“ gearbeitet. Neben dem ruhigen Ballad Mix gibt es auf der zweiten CD noch den tanzbaren Unity Mix. „Orange Suns“ entstammt ebenfalls einer Kollaboration mit HERR B, diesmal aus dem Jahr 2018 und in einem eher experimentellen, dystopischen Gewand. Vom 1985er „Pressure Points“ haben sich ANDREAS BRUHN (ex-THE SISTERS OF MERCY) und die Backgroundsängerin EMILY FALLS mit „Heaven“ einen echten Publikumsliebling ausgesucht, der hier in einer entschleunigten, kühl wirkenden Variation präsentiert wird. Das deutsche Synthie-Pop-Duo SEA OF SIN hat „Sometimes“ mitsamt Gitarrensounds eine spannende Atmosphäre verpasst, während Aðalsteinn Guðmundsson aka YAGYA „Waiting“ isländische Vibes und arktische Coolness verleiht. Für „Hope Road“ vom 1987er „Hopeless Cases“ verpflichtete ANNE CLARK den Kanadier Scott Montieth, der den meisten wohl eher als Electronica-Frickler DEADBEAT bekannt ist. Für meinen Geschmack ist seine Arbeit an „Hope Road“ ein bisschen zu extrem ausgefallen; auch an die Latino-/Afro-brasilianischen Beats, die JOHANNES BRECHT dem reduzierten „Virtuality“ (1995 auf „To Love And Be Loved“ erschienen) hinzugefügt hat, können mich nicht in Gänze überzeugen. Da ist mir SVENSYNTETICS, der Teil des LIQUID SKY ARTIST COLLECTIVE ist, mit seiner subtil nuancierten Variante von „A Community of The Spirit“ deutlich näher. Dass der deutsche Produzent, DJ, Komponist und Labelchef MARC ROMBOY „Our Darkness“ im ‚Respect Mix‘ zum Vortrag bringt, ehrt ihn, vielleicht war ihm auch selbst bewusst, dass er niemals ans Original von 1984 herankommen würde. „Sleeper In Metropolis“ aus 1983 ist ein weiteres Stück, an dem man sich schwer verheben kann. Hier hat der deutsche Techno-DJ und Produzent ROBIN HIRTE sein Glück versucht und tatsächlich einen zeitgemäßen Remix hinbekommen.

Seit vier Dekaden steht ANNE CLARK für eine mitreißende Musik mit erheblicher Relevanz und wie keine andere Künstlerin für eine außergewöhnliche Kontinuität im New Wave. Kein Wunder, dass es zahlreiche Kollegen gibt, die ihre Songs als Inspiration verwenden. Dazu zählen sogar die bösen Buben von RAMMSTEIN, die zwar nicht auf „Synaesthesia“ vertreten sind, denen jedoch vorgeworfen wurde, bei ihrem Song „Deutschland“ ANNE CLARKs „Our Darkness“ plagiiert zu haben. Anne selbst sah allerdings keinen Grund für die allgemeine Aufregung und teilte lediglich mit, sie habe andere, wichtigere Dinge zu tun, als bei jedem Arpeggio-Synthie-Intro von einem Plagiat zu sprechen. Stattdessen erteilt sie befreundeten Musiker*innen lieber wie bei „Synaesthesia – Classics Re-Worked“ selbst den anspruchsvollen Auftrag, sich ihrer Lieder anzunehmen.

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