Band Filter

Request did not return a valid result

ANNE CLARK - The Smallest Acts Of Kindness

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ANNE CLARK
Title The Smallest Acts Of Kindness
Homepage ANNE CLARK
Label NETMUSICZONE
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.9/10 (56 Bewertungen)

Mit ihrem mittlerweile 11. Studioalbum hat sich ANNE CLARK viel Zeit gelassen, sehr viel Zeit sogar. Mehr als 10 Jahre sind seit ihrem letztem Longplayer „Just After Sunset“ vergangen, einer Vertonung der Poesie von Rainer Maria Rilke. Dieses Werk war auch eine der letzten Zusammenarbeiten mit Martyn Bates. Die Stimme von EYELESS IN GAZA war es auch, mit der sich die englische Poetin weg von der Elektronik hin zur akustischen Wiedergabe von Songs bewegte. Höhepunkt dieser Zusammenarbeit war der Auftritt in der Berliner Passionskirche, was seinerzeit sehr gewagt war. ANNE CLARK rein akustisch, das konnte sich zu diesem Zeitpunkt kaum jemand vorstellen. Dass diese Interpretation trotzdem bei den Fans sehr gut ankam, beweist die mitgeschnittene Live CD „Psychometry“ aus dem Jahr 1994. Auch das vorletzte Album „The Law Is An Anagram Of Wealth“ wurde mit Cello, Gitarren, Percussion und einem kleinen Anteil von elektronischen Klangerzeugern eingespielt.

Und was hat das jetzt mit „The Smallest Acts Of Kindness“ zu tun? Ganz einfach. Das Album ist wieder elektronischer ausgefallen!!! Dem aufmerksamen Konzertgänger wird in den letzten Jahren aufgefallen sein, dass neben den herkömmlichen Instrumenten der Liveband ein gewisser RAINER VON VIELEN (gleichfalls auch Support für die Shows von ANNE CLARK) bei einigen Songs die Synthies bediente. Das machte „Prayer Before Birth“ und „Boy Racing“ noch druckvoller und tanzbarer. Und wer wie ich dachte: „Verdammt, ich habe doch alle Scheiben von ihr, wo sind die Stücke denn drauf?“, wird sich besonders auf die Konserve freuen, denn das sind Songs, die schon seit einigen Jahren von der englischen Künstlerin live performt werden. Mit eben dieser Band, bestehend aus Jeff Aug, Murat Parlak, Jann Michael Engel, Nico Lai und eben dem schon angesprochenen Herrn von Vielen, spielte Anne das neue Material zusammen mit dem Electronic Noise Produzenten Manuel G. Richter – besser bekannt unter den Namen XABEC – in dessen Studio in Leipzig ein. XABEC selbst war für das Programming verantwortlich. Herausgekommen sind Songperlen wie das bereits erwähnte „Prayer Before Birth“ oder auch „Full Moon“. Gerade diese beiden Stücke sind den Klassikern aus den 80ern „Our Darkness“ und „Sleeper In Metropolis“ stilistisch sehr nahe. Neben Uptemponummern sind auch ruhige Momente, allen voran das Duett mit Murat Parlak „As Soon As I Get Home“, auf dem Album vertreten. Erinnert ein bisschen an „Windmills Of Your Mind“. Die Ballade war neben „Psalm“, „Off Grid“ und „The Hardest Heart“ Bestandteil der letztjährigen Shows von Anne. Gerade letzterer Track unterscheidet sich massiv von der Technoversion mit BLANK & JONES. Mit „If“ habe ich dann meinen absoluten Favoriten auf diesem Longplayer ausgemacht. Musikalisch gesehen erinnert mich der Anfang des Stückes an „Swimming“ vom 82er Debütalbum „The Sitting Room“, aber der Text ist topaktuell. Anne prangert u. a. die allgegenwärtige Ölkrise und damit verbundene Preisexplosion des schwarzen Goldes an, wie sie mit ihren Worten wiedergibt: „What if the price became so high it was only available to those who could afford it .Those who the governments decide take priority. Imagine it is rationed by the litre. Security guards then eventually soldiers patrolling the pumps.“ Ein anschließend einsetzendes furioses Soundgewitter verleiht diesen Worten Nachdruck. Die Britin schreibt nicht alle Texte zu den Songs selbst, sondern bezieht auch, wie in der Vergangenheit, andere Autoren mit ein. Zum Beispiel zitiert sie den Dichter Andrew Darlington bei „Psalm“ und mit „Prayer Before Birth“ werden die Worte von Louis MacNeice vertont.

Ein längst überfälliges Album der Grande Dame des Dark Waves, welches auch die ganz alten Fans ansprechen wird. Ich mag zwar alle ihre Werke aus den 90ern, aber sie sind für mich dennoch schwer zugänglich. „The Smallest Acts…“ hat mich schon beim eingängigen Opener „Nothing Going On“ fest im Griff. Ein sehr gut produziertes Album, das trotz düsterer Grundstimmung eine durchweg positive Message besitzt. Diese will uns ANNE CLARK auch verständlich mache. Oder um mit ihren Worten zu sprechen:
„Wenn die Welt jede Sekunde kleiner wird, müssen wir jeden Moment enger zusammen rücken.“ Davon kann sich jeder bei der anschließenden Herbst/ Winter Tour selbst ein Bild machen. Ein Wort noch zur derzeitigen Band. Anne selbst sagte mir vor ein paar Jahren, dass es für sie die besten Musiker seien. Da muss ich ihr Recht geben, aber sie hat von jeher schon mit hervorragenden Musiker zusammengearbeitet. Der Erfolg begann mit David Harrow, ging über den unvergessenen Charlie Morgan bis hin zu Martyn Bates. So jetzt muss ich noch die Nachbarn beruhigen, ich wollte nicht das Haus abreißen, sondern ich habe nur „If“ unzählige Male mit aufgedrehten Reglern gehört.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

ANNE CLARK - Weitere Rezensionen

Mehr zu ANNE CLARK