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ANTIGAMA - Stop the chaos

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Artist ANTIGAMA
Title Stop the chaos
Homepage ANTIGAMA
Label SELFMADEGOD
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Liebe Ordnungsfetischisten, werte Pazifisten und Mathe-Studenten, der musikalische Inhalt vorliegender EP ist mit euren Werten und Maximen leidlich kompatibel, und ihr fühlt euch zurecht von ihrem Titel übers Kreuz gelegt. „Stop the chaos“ ist tatsächlich eine in einer knappen Viertelstunde abgehandelte Demonstration purer Zerstörungswut, die beißt und um sich schlägt, kotzt und schreit und noch mehr kotzt, alles in allem nichts mit dem geliebten Ebenmaß zu schaffen hat… auf den ersten Blick. In ihrem Metier, im Kern durch vorangegangene Attribute eigentlich schon ausreichend beschrieben, behaupten sich die vier polnischen Grind-Genossen ANTIGAMA aber nicht nur alleine durch ein technisches Fundament von hoher Präzision.

Sie verfügen regelrecht über den Wahnsinn, den sie da in zwei bis drei Minuten langen Kahlschlägen heraufbeschwören, mit psychotisch genialer Macht. Zielgenau definiert, aber doch absolut komplex slamt der im Grunde handelsübliche Grindcore mit den überaus bösartigen Speed-Vocals Lukasz Myszkowskis, der sich nebenbei noch ganz lässig um die elektronische Versorgung des osteuropäischen Kernkraftwerks kümmert, und verstörend bis rein brutaler Axtgewalt marginal an der musikalischen Gesetzlosigkeit vorbei, ohne die Linie jemals zu überschreiten. Zurecht prangert auf ihrer Internetpräsenz: „ANTIGAMA is controlled chaos“. Dabei wird selbst der exotische Einsatz von Percussion mit solcher Manie betrieben, dass er von den irrwitzigen Blastsalven kaum zu unterscheiden ist… hier höre man mal bei „Intricate trap“ rein. Einzig das instrumentale Outro „The end“ fällt deutlich aus dem Rahmen und führt den zuvor bis auf die Knochen gepeinigten Hörer schmeichelhaft aus dem Folterkeller, nur um ihn kurz darauf wieder auf die Streckbank zu schnallen und das „qualvolle“ Programm noch einmal durchleben zu lassen.

Denn „Stop the chaos“ ist, obgleich seiner strapazierenden Wirkung, für mehrfaches Genießen geeignet. Dank seiner Kürze macht es den hörigen Konsumenten zum Sklaven, vortrefflich inszenierte Brutalität nimmt ihn gefangen. Natürlich sollte man so Nervenschädigende Kost auch nicht überstrapazieren, aber wer ein wenig auf intelligenten, hemmungslosen Grind legt, sollte ANTIGAMA mit Freuden über sich ergehen lassen.

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