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ARCADE FIRE - Reflektor

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Artist ARCADE FIRE
Title Reflektor
Homepage ARCADE FIRE
Label VERTIGO
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Da sind sie also wieder. ARCADE FIRE aus Montreal/Kanada liefern drei Jahre nach dem gefeierten „The Suburbs“ ihren vierten Longplayer „Reflektor“ ab, der vermutlich mit der titelgebenden Vorab-Single zunächst ein wenig Verwirrung gestiftet haben könnte.

Denn nach einem insgesamt doch etwas ruhigeren Vorgänger, bitten die sieben Damen und Herren mit dem „Titeltrack „Reflektor“ gleich einmal gut gelaunt auf den Indie-Dancefloor. Der Grund dafür könnte beim Produzenten der Platte liegen, saß doch an den Reglern niemand anderes als James Murphy, den man insbesondere von seinem Solo-Projekt LCD SOUNDSYSTEM kennt und an dessen Mucke man beim Hören des Openers auch durchaus denkt. Und wenn man am Ende der Nummer meint, DAVID BOWIE wahrzunehmen, ist das ebenfalls nicht verkehrt. Der übernahm nämlich kurzerhand die Backing Vocals, nachdem er den Song nicht für sein eigenes Album bekommen konnte. Weiter geht’s mit „We Exist“ und mehrstimmigem Gesang, der geradezu Chor-Qualität annimmt und von leicht unterkühltem Seventies-Schlepprock begleitet wird, während beim sich anschließenden „Flashbulb Eyes“ die Siebziger in Form von Disco-Synthies auf den Plan treten, die an Dub-Pattern vorbei schießen. „Here Comes The Night Time“ gefällt mit Kraut-Psychedelic, wohingegen „Here Comes The Night Time II“ Platz für Cello und Kirchenorgel hat. Womit wir bei der zweiten CD von „Reflektor“ angekommen wären. Gibt es in der ersten Hälfte eher ungewohnte Klänge zu hören (die mit „Joan of Arc“ punkig enden), spielen ARADE FIRE hier wieder häufiger ihre bewährte Baroque-Pop-Karte, die mit dem abwechslungsreich instrumentierten „Awful Sound (Oh Eurydice)“ den ersten Trumpf bereit hält. Der 80er-Disco-Pop von „It’s Never Over (Oh Orpheus)“ hätte ein wenig zielgerichteter ausfallen dürfen, „Afterlife“ holt stattdessen wieder das große Besteck raus und stellt die Frage nach dem Leben nach dem Tod mit treibenden Rhythmen. Den Abschluss bildet mit „Supersymmetry“ das mit 11:18 Minuten längste und gleichzeitig auch experimentellste Stück der Full Length. Die zarten Vocals des Ehepaares Win Butler und Régine Chassagne werden nach einiger Zeit von elegischen Streichern ablöst, die den Hörer weit hinaus ins Weltall tragen, wo hin und wieder ein Saxofonist vorbei zu schweben scheint oder auch einmal ein Gitarrist um Aufmerksamkeit bittet. Die Soundstrukturen nehmen weiter an Komplexität zu und lassen die Doppel-CD auf diese Weise komplett anders enden als sie gestartet ist.

Weshalb man die knapp 76 Minuten nicht einfach auf einen Silberling gepresst hat, liegt vermutlich in der unterschiedlichen stilistischen Gestaltung der insgesamt 13 Songs. Klarer kann man einen Bruch auf jeden Fall nicht zum Ausdruck bringen. Und selbst wenn ARCADE FIRE mit „Reflektor“ polarisieren sollten, so sind sie von sich und ihrem jüngsten Baby auf jeden Fall überzeugt. Schließlich beginnt „You Already Know“ mit einer Stimme aus dem Off, die begeistert „The fantastic ARCADE FIRE“ ankündigt. Ein klares Statement und zweifellos haben die Kanadier mit dieser Langrille durchaus ziemlich hoch gepokert – und das Spiel eindeutig gewonnen.

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