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ARCONA COMES - All The Clocks Slow Down

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Artist ARCONA COMES
Title All The Clocks Slow Down
Homepage ARCONA COMES
Label VOLT RECORDS
Leserbewertung
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8.4/10 (8 Bewertungen)

Hier kommt die Hoffnung! Als END OF THE LINE haben sie mir zwischen 1998 und 2009 bei manch einem lokalen Konzert den Abend versüßt oder als Support von beispielsweise RISE AGAINST geglänzt, dann war allerdings wirklich das Ende der Linie erreicht. Doch der Traum der fünf Bielefelder war damit noch lange nicht ausgeträumt: So setzen sie nun mit ARCONE COMES neue Segel und setzen ihre Fahrt in größere Gewässer fort.

Und diese Gewässer sind im Vergleich zur früheren Fahrten weniger ungewiss, weniger unkontrolliert und weniger unbeherrscht. Die Punk-Flagge ersetzte man durch ein emocoriges Indie-Rock Banner, das man auf dem als „All The Clocks Slow Down“ betitelten Neuanfang bei Kompositionen wie „Fear And Elektricity“ oder „The Devil And The Girl“ unweigerlich auf dem Radar hat. Neben dem enorm melodischen Riffing und den druckvollen Drums entpuppt sich vor allem der sich perfekt ergänzende zweistimmige Gesang von Sänger Eike und Gitarrist Simon als maßgeblich die Richtung vorgebender Genre-Kompass. Anfänglich erst zart die Saiten streichelnd, setzt man dann zum Refrain die Segel auf Sturm, der eine ungeheure Energie frei setzt, die einen einfach hinfort reißt. Besonders auffällig ist dies auch bei „Divine“, welches phasenweise eine an KERLIs „Walking on air“ erinnernden Melodie auffährt, die gekonnt einsame Kälte mit beängstigender Faszination paart – dann in der Bridge und im Refrain einen wahren Orkan entfacht. Mit dröhnenden Gitarren, schmetterndem Drumming und der begeisternden Stimmgewalt manifestiert sich hier ein wahres Highlight der Scheibe! Bei „War On Gravity“ mutiert man dann endgültig zum Wellenbrecher, an dessen Riff-Bug alles zerschellt, was einem das Abrocken vermiesen will. Sehr straffe und zielstrebige Nummer, die beweist, dass der ostwestfälische Fünfer auch mächtig Dampf machen kann. Doch ebenso wohl fühlt er sich bei einem völlig glattem Wasserspiegel, welchen man mit der sanften, emotionalen Halb-Ballade „Nemo“ (der man auch ein feines Video widmete) nicht im Geringsten trübt. Der Wechsel beim Gesang ist hier ebenfalls wieder sehr gelungen und die Instrumentalfraktion beweist, dass sie bei wirklich jedem Seegang das Deck trocken hält. Ein Lied zum träumen! Die übrigen der elf Titel bewegen sich gekonnt zwischen ruhigen und stärkeren Strömungen. „Die D.I.Y.“ beginnt so zum Beispiel recht metallastig, nimmt dann aber Fahrt auf in Richtung „Indi(e)scher (Rock-)Ozean“, entdeckt dann im Refrain allerdings emocoriges Land, auf dem sich wohl überiwegend Freunde von rockigeren SILVERSTEIN-Kompositionen niedergelassen haben. Totalausfälle sind keine zu verzeichnen, vor allem da neben einer sauber agierenden Mannschaft auch die Technik das Schiff geschmeidig auf Kurs hält; die drei Jahre andauernden Arbeiten im Bochumer „Kanal24“ Studio, in dem sich auch u.a. JULI, MADSEN und POLARKREIS 18 für ihre Reisen rüsteten, haben sich wahrlich gelohnt.

„All The Clocks Slow Down“ ist eine gut 38einhalb minütige Fahrt, bei der man sich wirklich wünscht, dass die Uhren langsamer laufen – um sie noch länger zu genießen. Stattdessen ist allerdings genau das Gegenteil der Fall, denn die Zeit vergeht beim Konsum wie auf einem Schiffe… äh… wie im Fluge, da das Liedgut einfach perfekt dafür geeignet ist, dem Alltag zu entfliehen. Dabei klingt die Scheibe angenehm facettenreich und technisch bestens umgesetzt. Die Bielefelder beherrschen ihr Handwerk beeindruckend gut und bestechen durch nicht unbedingt innovatives aber ungemein intelligentes Songwriting, in welches sie auch gut und gerne mal elektronische Klänge oder Klavier-Passagen mit einbauen. So sind vor allem Freunde von Kapellen wie 30 SECONDS TO MARS oder FUNERAL FOR A FRIEND an Bord willkommen, Stücke wie das starke „Supernova“ oder das grandiose „Divine“ könnten aber auch Seebären aus anderen Bereichen für sich gewinnen. In der Serie „Traumschiff“ brach im April dieses Jahres die „MS Arkona“ zu ihrer letzten Fahrt auf – ARCONA COMES dagegen haben mit „All The Clocks Slow Down“ gerade erst die Segel gesetzt und nehmen so Kurs in Richtung musikalischer Durchbruch!

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