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ARMORED SAINT - La Raza

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Artist ARMORED SAINT
Title La Raza
Homepage ARMORED SAINT
Label METAL BLADE
Leserbewertung
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9.4/10 (5 Bewertungen)

Es ist ja bereits seit Jahrzehnten bekannt, dass eine Band, in der John Bush singt, den Court fast immer als Sieger verlässt. Der Typ hat die geilste Stimme, das geilste und beste und wärmste raue Timbre unserer geliebten Metal Szene. Nicht umsonst haben bereits die größten Bands bei ihm vorgesprochen, mit wechselhaftem Erfolg So holten sich METALLICA in Form des damals (so um 1984/ 85) noch recht unsicheren Nachwuchssängers James Hetfield einen schönen Korb ab. ANTHRAX hingegen, deren Stern bereits massiv im Sinkflug war, konnten sich den Sonderbegabten für ihre 2. Schaffensphase sichern, die ja bekanntlich etwas rockiger ausfiel und dem Sänger somit in die stimmlichen Karten spielte. Das traurige Ergebnis dieser Bemühungen dürfte ebenfalls hinlänglich bekannt sein: ANTHRAX erreichten nach ihrer Kehrtwende nie mehr den Erfolg ihrer frühen Jahre, als sie den aufsteigenden Thrash Metal als Teil der „Big Four“ entscheidend mitprägten und auch richtig erfolgreiche Alben veröffentlichten. Ausgerechnet in Bush, der die 90er Scheiben von ANTHRAX allein stehend noch hörbar machte, war dann schließlich der Sündenbock gefunden: der frühere Sänger Belladonna wurde zurück ins (längst gesunkene) Boot geholt und die Band machte sich mit einer „back to the roots“ Tour und einem nur angekündigten „back to the roots“ Album endgültig zu einer Lachnummer der Szene.

Zurück zu John Bush und der ihm eigenen, kleinen Tragik: für diese Bandlachnummer hatte er weiland seine Stammband verlassen, die immer schon viel geiler als ANTHRAX war, die jedoch mit den großen Erfolgen der New Yorker Moshkings nicht mithalten konnte. Auch weniger fachkundige Leser ahnen es bereits: es handelt sich hierbei um eben ARMORED SAINT, die und mittlerweile als Side Project im Zehn-Jahres-Rhythmus mit neuen Studioalben und gelegentlichen Liveauftritten beglücken. So wird die neue Scheibe „La Raza“ seit Monaten sehnsüchtig in der Szene erwartet, befeuert durch einen im Vorfeld bekannt gemachten Song namens „Loose Cannon“, der die alten SAINT Jünger schon länger euphorisiert. Dieser Titel hat es auch zum Opener des neuen Silberlings gebracht. Exemplarisch lässt sich an „Loose Cannon“ zeigen, warum SAINT trotz des nicht erreichten kommerziellen Erfolges ein so positives Standing in der Szene haben. ARMORED SAINT beherrschen den Spagat der großen Meister: ihre Songs sind gleichzeitig eingängig und mitreißend, auf der anderen Seite aber auch so verschnörkelt, dass man sie sich immer wieder anhören kann, ohne dass es langweilig wird. So ist „Loose Cannon“ vom Rhythmus her betrachtet nachgerade unverschämt simpel. Eine Dreistigkeit! Die Drum Parts scheint ein Zwölfjähriger nach fünf Stunden übernehmen zu können und auch der Bass scheint einem Profi jetzt nicht ganz viel abzuverlangen. Auf diesem höchst soliden Untergrund, um es mal positiv zu formulieren können Bush und die Gitarristen Jeff Duncan und Phil Sandoval brillieren und davon lassen sie sich auch nicht abhalten. Auch wenn es vielleicht langsam langweilig wird: Es ist dann einfach John Bush, der dieses Stück so mitreißend, so einfach wahnsinnig zwingend vorträgt, dass es einfach unwiderstehlich ist. Ohne dass der Song sich irgendwie platt anhört schlicht ein ganz großer Heuler!

So ist das häufig bemühte, aber nie langweilige Rezept des gelungenen SAINT Songs: solider Rhythmus, tolle Gitarren, auch mit vielen schönen Solos und immer wieder das einzigartige Organ Bushs, der auch durch die wunderbaren Vocal Lines aus den Noten echte Ohrwürmer macht. Neben „Loose Cannon“ muss man noch „Head On“ sowie „Left Hook on Right Field“ zum Einsteig in das neue Album zählen. Letztgenannte sind zwei weitere sehr eingängige Adrenalin Rocker, mit denen die Band so richtig die Kuh fliegen lässt und die sämtlich unverzichtbar sein werden, wenn die Jungs endlich in dieser Besetzung und als diese Band auftreten. Es sei erwähnt, dass „Left Hook on Right Field“ durchaus eine deutliche Schlagseite der anderen Band des Sängers aufweist, dabei aber ganz deutlich an die tollen Hits der Band, die es ja auch gab, anknüpfen kann. Im Anschluss wechseln ARMORED SAINT dann mit „Get off the Fence“ und „Chilled“ ins getragene Fach und beweisen, dass sie auch das sehr gut können. Überraschen kann dies Kenner der „Symbol of Salvation“ Scheibe zwar nicht, schön zu hören ist es aber trotzdem. Es soll aber auch nicht übersehen werden, dass „Chilled“ doch ein Minütchen zu lang geraten ist und zum Ende doch ein wenig an Luft verliert. Ganz anders der folgende Titeltrack, bei dem den Instrumentalisten auch mal die große Bühne frei gemacht wird und diese den Platz nutzen, um sich schön auszutoben. Auch diese kleine Orgie wird nach hinten raus wieder durch einen schönen Chorus zusammen gebunden, also nix mit ziellosem Gefrickel, zum Schluss hin passt es alles wieder.

Ohne jetzt jeden Song einzeln zu sezieren, dürfte es deutlich geworden sein, dass diese Band im Bereich des harten Rocks alles drauf hat. Alle Beteiligten stellen sich in den Dienst der Songs, die – mit einem hässlichen Wort – funktionieren oder mit einem schöneren Wort mitreißen und die allesamt ihre eigene Note haben. So dachte ich zunächst, dass zum Beispiel „Black Feet“ eher ein Schwachpunkt der CD sei, mittlerweile ist der Song zu einem meiner Favourites aufgestiegen, wahrlich ein famoser Langsamzünder mit ganz tollen Gitarrenleads und einem von Mal zu Mal überzeugenderen Aufbau. Sehr sperrig, aber ebenfalls mit Klassikerpotenzial.

So schließe ich die Rezension und habe zum Beispiel den vernichtenden Überrocker „Little Monkey“ noch gar nicht erwähnt. Oder das wunderbare, mit dreieinhalbMinuten leider verboten kurze „Blues“. Oder, oder, oder… Als nie objektiver Beobachter kann ich nur eine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen. Wer dafür noch weitere Argumente benötigt, dem sei zumindest dies ins Stammbuch geschrieben: nur wer die CD kauft, hat wirklich auch selbst dazu beigetragen, dass wir die Jungs bald doch noch auch auf Deutschlands Bühnen sehen! Wenn das nix ist!

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