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ARTAS - The Healing

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Artist ARTAS
Title The Healing
Homepage ARTAS
Label NAPALM RECORDS
Leserbewertung
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8.1/10 (73 Bewertungen)

Es ist eine alte Weisheit, leider aber eine, die sich immer wieder als wahr heraus stellt: Es ist einfach nicht gut, wenn eine Band zu früh den Proberaum verlässt, um sich der selten staunenden, meistens etwas übersättigten Metalöffentlichkeit zu stellen. 2006 haben sich laut Presseinfo die fünf Ösis zusammen gefunden, im Herbst 2008 hauen sie schon ihr erstes vollständiges Album „The Healing“ auf den Markt. Als Vergleich: So lange brauchen METALLICA normalerweise, um sich zu einer gemeinsamen Probe zu verabreden. So hört man der CD jederzeit an, dass hier eine junge Band ihre Identität sucht. Dies ist zugegebenermaßen ein wichtiger Prozess – aber muss man bereit sein, dafür eine vollwertige CD für 15 Euro zu erwerben?

„Modern Metal“, so klingt die Band nach Info der Plattenfirma Napalm Records. Um dies etwas aufzudröseln: Hier steckt ganz viel Metalcore drin, verbunden mit gelegentlich bratigem Groove Metal à la DISTURBED, sehr aufmerksame Ohren mögen vielleicht noch eine kleine MACHINE HEAD Kante hören, insbesondere „From Dirt We’ll Rise“ ist wohl als kleine Hommage zu verstehen. Dies ist alles nicht schlecht gemacht, da wollen wir uns nicht falsch verstehen, es ist lediglich zum Steinerweichen unoriginell. Sicherlich kann es nach so langer Geschichte kein erneutes „Reign in Blood“ oder „Master of Puppets“ geben. Jedoch erwarte ich als Kaufanreiz doch von jeder Band, dass zumindest ein wenig eigene Identität auszumachen ist. Das Originellste an ARTAS ist jedoch leider der Wechsel aus deutschen und englischen Lyrics. Insgesamt ist es also vor allem die kompositorische Reife, die ARTAS noch sehr fehlt und die durch ständiges Böllern aus allen Rohren übertüncht werden soll. Damit ist der fette Mix von Jacob Hansen gleichermaßen zu loben, auf der anderen Seite erstickt er jedoch auch alle Versuche der Band, die Instrumente akzentuiert einzusetzen. Die Songs werden quasi durch den gewaltigen Klang erstickt, ständig zischt, röhrt und kesselt es von überall und nach 13 Songs wird man das Gefühl eines einzigen Breis einfach nicht los. Dabei zeigt das Ende doch deutlich, dass in der Band noch einiges steckt: „A Song of Ice and Fire“ präsentiert die Band mit dynamischem Songwriting und einem ruhigen Intro, das Spannung aufbaut, die „The Healing“ insgesamt so sehr fehlt.

Zum Schluss noch zwei Dinge: eine Metalcore Coverversion von „Gangsta`s Paradise“ ist weder witzig noch originell noch sonstwie eine Bereicherung dieses Debüts, sondern schlicht eine ärgerliche Verschwendung von Zeit und Geld. Der zweite Punkt ist: Wer kommt auf die Idee, die Debütpromo einer jungen Band, die es schwer genug haben dürfte, auch noch mit nervigen Voice-Overs zu verschandeln? Ist das nur ein Versuch, die Laune des Rezensenten künstlich zu verschlechtern? Soll hier eine Herbst-/ Winterdepression eingeleitet werden? Glaubt Napalm etwa allen Ernstes, irgendein Schreiberling würde die CD sonst nicht nur sofort ins Netz stellen, sondern als Konsequenz daraus würden nennenswert viele Metalheads sich die CD nicht kaufen, sondern saugen? Zumal die Scheibee doch bei regulärem Erscheinen eh ins weltweite Netz eingestellt wird. Also liebe Napalms, diesen Aufwand mag man bei den großen Sellern eventuell verstehen (wobei ja auch da der Kampf seit Jahren nur noch gegen Windflügel geht und ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert zu sein scheint), bei einer Nachwuchsband, die in den nächsten 5 Jahren nur darum kämpfen wird, gelegentlich größere Bands mal zu supporten ist dies gleichermaßen lächerlich wie ärgerlich, einen Gefallen tut man ARTAS damit jedenfalls nicht!

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