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ARTILLERY - One Foot in the Grave, the Other One in the Trash (DVD)

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Artist ARTILLERY
Title One Foot in the Grave, the Other One in the Trash (DVD)
Homepage ARTILLERY
Label METAL MIND PRODUCTIONS
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Wer in Sachen europäischer Thrash Metal mitreden will, der kommt um den Namen ARTILLERY nicht herum. Bereits 1982! (also zur gleichen Zeit wie METALLICA und SLAYER z.B.) in Kopenhagen, Dänemark, gegründet entwickelte sich die Combo mit ihrem furiosen Thrash Metal schnell zur Speerspitze der hiesigen aufkeimenden Welle. Wohlgemerkt VOR allen deutschen Thrashern! Nach mehreren Demos kam aber „erst“ 1985 das Debüt „Fear of Tomorrow“ auf den Markt, was mit diversen Sängerwechseln zusammenhing. Das Werk schlug ein wie eine Bombe, ebenso wie der nicht minder geniale Nachfolger „Terror Squad“ 1987. 1989 spielte man als allererste Thrash-Band in Russland, wurde aber nach 5 Gigs von der Obrigkeit des Landes verwiesen wegen zu wüster Reaktionen seitens der durchdrehenden Banger! Mit dem 1990er-Meilenstein „By Inheritance“ schoss man dann allerdings vollends den Vogel ab und räumte allerorten ab wie Hulle. Ein Jahrhundertwerk und auf einer Stufe mit den Alltime-Classics des Genres. Man war auf Roadrunner, Flemming Rasmussen hatte den perfekten Sound für die Band gezimmert und dann löste man sich sang- und klanglos ein Jahr später auf!

Dabei wurde man allerorten als legitimer Nachfolger der damals schon auswimpenden METALLICA gehandelt und ein melodic Speed/ Thrash-Überkracher wie „Khomaniac“ kann alles – und erst recht „Master of Puppets“ das Wasser reichen! Im Zuge der Demo-Compilation „Deadly Relics“ zockte man 1998 einen 4 Song kurzen Gig in Kopenhagen und leckte auf Grund der überschwänglichen Reaktionen und eines Dealangebots von Die Hard erneut Blut. Für viele überraschend kam die Band 1999 mit dem bärenstarken „B.A.C.K.“ zurück (auf dem INVOCATOR/ THE HAUNTED-Schlagzeuger Per Jensen zockte!), spielte u.a. auf dem Wacken (wo ich die Herren beim kultigen Hellion-Shop in Itzehoe treffen durfte!), nur um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden, was erneut mit Ronsdorfs zeitlichen Problemen zu tun hatte.

Aber Metal Mind aus Polen reanimieren ja derzeit etliche alte Helden und brachten eine liebevoll zusammengestellte Box mit allen 4 Alben, Tonnen Bonusmaterial und 32-Seiten-Booklet heraus. Am 8.3.2008 veranstaltete man in Polen das Metalmania-Festival und schnitt die Auftritte von u.a. ARTILLERY mit. Metal Mind-typisch steht die Mucke im Vordergrund. Wenig Lightshow und hektische Schnitte, sowie manchmal schräge Kameraeinstellungen beherrschen das Bild. Der Sound ist allerdings klasse. Und nur in Polen schafft man es wohl derzeit mit einem solchen Billing mehrere tausend Banger zu versammeln. Leider muss die Band ohne Original-Sänger Flemming Ronsdorf auskommen, der einfach nicht genügend Zeit für die Band aufbringen kann. Zudem wirken die Herren optisch und vom Stageacting her eher wie eine Prog Rock-Kapelle, denn wie wüster Thrash. Technisch hat man nach über 25 Jahren natürlich alles im Griff und das Gitarrenspiel der Stützer-Brüder zählt nach wie vor zum Besten im Bereich. Neu-Sänger Soren Adamsen kann rein gesanglich auch punkten mit seiner ebenfalls klaren Stimme, an Ronsdorf kommt er aber nicht heran. 13 Tracks lang reiht sich eine Granate an die Nächste, angefangen beim alten Brecher „Deeds of Darkness“ über den 99er-Comeback-Speedster „Cybermind“, das schnelle „The Challenge“, „By Inheritance“, „Time has Come“, „Out of the Sky“… da kommste aussem Rübe schütteln nicht mehr raus! Den Todesstoß versetzen einem zum Schluss „Khomaniac“ und das brettige „Terror Squad“! Geiler geht Thrash Metal musikalisch nicht!

Anfang der 90er hätte man den Thrash-Olymp erklimmen können, weil damals selbst die alten Helden der Bay Area ein wenig schwächelten und alles plötzlich zahm klingen musste… aber es hat nicht sollen sein. Als kultigen Bonus gibt es dann noch Clips von „Allergic to Knowledge“(1989 fürs dänische TV aufgenommen und später mit anderem Text als „Equal at First“ veröffentlicht), „Terror Squad“ (1987 auch fürs dänische TV aufgenommen!), „The Almighty“(1.3.2008 in einem Club in Copenhagen) und von MISSING LINK den 97er-Clip „Lobotomized“ (das war nach dem Split die recht erfolgreiche, etwas rockigere Kapelle der Stützer-Brüder). Dazu Interviews (lustiges Englisch! und wer weiß schon, dass METALLICA bei den „Ride“ und „Master“-Aufnahmen die Proberäume von ARTILLERY/ MERCYFUL FATE als Rehearsingräume nutzten und man zusammen abhing bzw. dass KING DIAMOND zu den Demozeiten der Jungs quasi als Roadie/ Fahrer fungierte!?!), Biografie, Diskografie, Photo Gallerie und Desktopimages.

Alles sehr fein gemacht und zusammengestellt, aber eben nicht als Hochglanzproduktion. Die limitierte Erstauflage kommt noch mit einer zusätzlichen Live-CD, allerdings mit Songs des gleichen Events. Thrasher müssen blind zugreifen!

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