| Artist | ÁSGEIR |
| Title | Julia |
| Homepage | ÁSGEIR |
| Label | EMBASSY OF MUSIC |
| Leserbewertung |
Der Singer-Songwriter ÁSGEIR zählt zu den erfolgreichsten Musikexporten Islands und kann von sich behaupten, dass er 2012 mit „Dýrð í dauðaþögn“ das bislang bestverkaufte Debütalbum des Landes veröffentlicht hat. Etwa 10 % der Isländer besitzen diese Platte, die ob ihres Erfolges ein Jahr später vom US-amerikanischen Musiker JOHN GRANT ins Englische übersetzt und unter dem Titel „In The Silence“ veröffentlicht wurde. Inzwischen ist Ásgeir Trausti Einarsson beim fünften Longplayer angekommen, der den Namen „Julia“ trägt. Während in der Vergangenheit die meisten Texte von ÁSGEIRs Vater, dem isländischen Dichter Einar Georg Einarsson kamen, stammen erstmals alle Lyrics vom 33-jährigen Musiker himself, der die zehn Songs auf „Julia“ im Zeitraum von fast zwei Jahren geschrieben und aufgenommen hat.
Die Langrille versteht sich im Wesentlichen als unerschrockene Rückschau in die Vergangenheit, gleichzeitig blickt ÁSGEIR hoffnungsvoll nach vorn und untermalt seine sehr persönlichen Texte mit facettenreichem Folk-Pop, der perfekt mit seiner gefühlvollen Falsettstimme harmoniert. Dabei fungiert der Opener „Quit Life“ als warme und nachdenkliche Einladung in ÁSGEIRs Welt der Selbstreflexion. „Against The Current“ übernimmt mit feinem Gebläse und einem sanften Rhythmus, während das minimalistische „Smoke“ deutlich melancholischer daherkommt. Das hymnische „Ferris Wheel“ wagt wenig später einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft – insbesondere die atmosphärischen Klangflächen des Cellisten Nathaniel Smith seien hier genannt, wohingegen das düstere „Universe Beyond“ von gespenstischen Pedal-Steel-Klängen beherrscht wird. Das Stück geht auf ein unheimliches isländisches Gedicht zurück, in dem eine gebrochene Frau aus dem Tod zurückkehrt, um für immer mit ihrem Geliebten vereint zu sein. Diese Geschichte findet ihre Vollendung im schwermütigen Titeltrack „Julia“, und erzählt von eben dieser Julia, die zuvor in „Universe Beyond“ ihre letzten Gedanken mit dem Zuhörer/der Zuhörerin geteilt hat, bevor sie schließlich ins Wasser geht. Im ungewöhnlichen 7/8-Takt folgt „Sugar Clouds“ und erzählt rhythmusbetont von der Sehnsucht nach Erfüllung und innerem Frieden. „Stranger“ – ein Lied über das Gefühl, sich selbst fremd zu werden – ist ruhiger, sogar fast schon kontemplativ, ehe es mit „In The Wee Hours“ eine emotionale Abrechnung mit dem jüngeren, unbeschwerten Ich gibt, das sich nur zu gern die Nächte um die Ohren geschlagen hat. Das finale „Into The Sun“ lässt alle Zweifel und Schuldgefühle hinter sich und strebt stattdessen beseelt und mit sich selbst im Reinen dem Licht entgegen.
ÁSGEIR erzählt seine Geschichten mit einer enormen Präsenz und einem eindrücklichen Sound, der zwischen Folk und Americana changiert. „Julia“ verlangt deshalb eine gewisse Aufmerksamkeit, denn die Musik ist nicht für den schnellen Konsum gedacht, sondern um sich in ihrer besonderen Stimmung zu verlieren und gleichzeitig auch zu erden.

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