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ASP - Horror Vacui

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Artist ASP
Title Horror Vacui
Homepage ASP
Label TRISOL
Leserbewertung
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7.5/10 (8 Bewertungen)

Heute halte ich ein ganz besonders Schätzchen in den Händen, bei dem ich mich sehr freue, dass ich es besprechen darf, begleiten mich ASP doch schon seit geraumer Zeit durch mein Leben und viele der Lieder sind mit Erinnerungen verknüpft. Darunter viele schöne und auch einige weniger schöne. Da könnte ich jetzt sicher jede Menge „Tales“ und besonders „Eeriest Tales“ erzählen. Mache ich aber besser nicht, nachher erkennen sich noch Personen wieder und reißen mir den Kopf ab. Und das wäre absolut nicht gut, ist er doch immerhin mit das Beste an mir… Gegründet wurde die aus Frankfurt am Main stammende Band bereits im Jahre 1999 und kann bis dato sieben Alben, darunter eine vom Label zusammengestellte Best Of und eine Zusammenarbeit mit CHAMBER, vorlegen. Die regulären fünf Alben gehören thematisch zum Zyklus des schwarzen Schmetterlings, welcher mit der letzten Veröffentlichung „Requiembryo“ abgeschlossen wurde. Der schwarze Schmetterling verkörpert dabei den dunklen Teil einer zweigeteilten Persönlichkeit (übrigens, wie ich finde, eine überaus schöne Metapher dafür) die sich im ständigen Kampf um die Oberhand mit der Seite des Lichts befindet. Dabei arbeitet der Schmetterling auch schon mal mit unverhohlener Aggressivität aber auch mit subtiler Verführung, um sein Ziel zu erreichen. Er tritt als eine Art Vampir auf, doch anstatt sich mit Blut zu begnügen, ernährt er sich von der Seele seines Wirtes. Ort der Handlung ist der dunkle Turm, auf welchen man besonders auf der 2005 erschienen Scheibe „Aus der Tiefe“ einging.

Mit „Horror Vacui – The Eeriest Tales of ASP so far“ legt man hier also das erste offizielle Best Of-Album vor (gleichzeitig wurde das vom Label zusammengestellte „Interim Works Compendium“ vom Markt genommen) und ein Sahnestückchen reiht sich darauf an das nächste. Ist doch von jeder Veröffentlichung was dabei und auch die EPs „Ich bin ein wahrer Satan“ und „Hunger“ (welche nur auf der gleichnamigen Tour erhältlich war) wurden berücksichtigt. Zum Teil wurden die Songs neu aufgenommen oder remastered, aber auch verschiedene Remixe, eine Live Version und ein bis dato unveröffentlichtes Stück sind enthalten. Der limitierten Ausgabe liegt noch eine DVD bei, auf der das als Stopmotion Animation gestaltete erste Musikvideo zu „Me“ zu sehen ist. Und es erinnert sicher nur ganz zufällig an Tim Burton. Außerdem gibt es noch ein Buch, auch mit dem Titel „Horror Vacui“, in dem alle Texte, teilweise mit bisher unveröffentlichten Strophen, nebst zahlreichen Kommentaren von Asp, abgedruckt sind. Kleines Herz, was willst du mehr. Die Doppel-CD kommt aufwändig verpackt daher, wie man es von Bands des Trisol Labels gewohnt ist. Man denke unter anderem an SAMSAS TRAUM oder JANUS. Es wird einem ein DigiBook mit Hardcoverumschlag, 40seitigem Booklet und schicker Folienprägung geboten. Das Booklet enthält verschiedene düstere Illustrationen und Bilder der Band, alles natürlich in Zusammenarbeit mit Ingo Römling (alias Monozelle) dem Haus- und Hofkünstler entstanden. Des Weiteren bekommt man eine mehr als ausführliche Diskographie von ASP zu lesen. Zu bemängeln hätte ich an dieser Stelle nur, dass diese komplett auf Englisch geschrieben ist. Sicher, für die internationalen Fans ist das auf jeden Fall von Vorteil, aber ich hätte mir doch gewünscht, vielleicht beide Sprachen abgedruckt zu finden. Ist es doch, trotz Englisch LK in der Schule, etwas mühselig, sich durch den ganzen Text zu wühlen. Aber jetzt mal zum eigentlichen und wichtigsten Thema, der Musik.

The Eeriest Tales of ASP so far Part I
Auf der ersten CD ist nur ein Remix enthalten, nämlich „Panik“ im Horror Vacui Mix, der etwas druckvoller und klarer daher kommt als etwa die Ganz rauf-Version, welche auf „Aus der Tiefe“ zu finden ist. Außerdem ist er mal eben gute 37 Sekunden kürzer, aber trotzdem ausgesprochen gut gelungen. „Ich will brennen“ hat einen neuen Anfang bekommen, indem man das „Ich will brennen…“ zu Beginn des Liedes einfach weggelassen hat. Das ist durchaus etwas irritierend, wenn man das Original kennt. Interessant ist wiederum, wie Herr Spreng seine Stimme beim Refrain einsetzt. Klingt er doch sehr kehlig und hat man ihn so vorher wohl noch nicht gehört. Im Hintergrund ist aber immer noch die alte Tonspur zu hören, was auf jeden Fall einen gewissen Reiz hat und mir gut gefällt, da es etwas aus dem bekannten Rahmen fällt. „Dancing“ vom 2000 erschienen Debütalbum „Hast du mich vermisst“ wurde mit Klaviertönen veredelt und klingt dadurch etwas ruhiger und düsterer. „Weltunter“ vom gleichnamigen Album hingegen ist mir in der neuen Version etwas zu hektisch geraten und man hat das Gefühl, als würde der Gesang nicht immer der Musik hinterher kommen. Da bleibe ich dann doch lieber beim Ursprung. Absolutes Lieblingslied auf der ersten CD ist für mich eindeutig „De Profundis“ vom letzten Werk „Requiembryo“, welches einfach in seiner ursprünglichen Version belassen wurde. Was jetzt aber nicht heißt, dass ich es ausgerechnet deswegen mag. Es ist einfach nur ein einmalig tolles Lied. Mit „Once in a lifetime“ ist auch ein Stück aus der Zusammenarbeit mit CHAMBER, mit denen man sich ja auch auf einer gemeinsamen Tour präsentierte, mit dabei und welches mit seinen Folk Einflüssen etwas deplaziert wirkt. Trotzdem hat es auf jeden Fall eine Berechtigung, auf einem Best Of-Album aufzutauchen, ich könnte nur nicht sagen, an welcher Stelle es besser gepasst hätte. Zum Abschluss hat man dann noch das fast 10minütige Epos „Die Ruhe vor dem Sturm“ ausgewählt, das einem die Möglichkeit gibt, sich etwas zu besinnen und das Ganze entspannt ausklingen zu lassen.

The Eeriest Tales of ASP so far Part II
Begonnen wird hier mit „Ich bin ein wahrer Satan“ in der Single Version. 2006 brachten ASP den Titel gleich in vier verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Liedern und Artworks heraus und jeder Single lag ein Teil eines Gutscheins bei. Wer alle vier Teile besaß, konnte sich auf einem Konzert der Tour damit die kostenlose CD „Isobel Goudie“ abholen. Die Singles waren auf 1999 Stück limitiert, und die restlichen CDs wurden nach der Tour eingestampft, um ein seltenes Sammlerstück zu schaffen. Was ich durchaus für eine gute Sache halte. „Me“ ist im Video Edit 2.0 auf den Tonträger gebannt worden und ich kann jedem, der die Limited Edition mit DVD nicht besitzt, nur empfehlen sich das Video dazu auf youtube anzuschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Bei „Schwarzes Blut“, hier in der Club Version, hat man dem Ganzen mehr Schwung und Elektronik verpasst, was dem Song aber ganz gut zu Gesicht steht und man doch plötzlich die unbestimmte Lust verspürt, mal wieder tanzen zu gehen. Gefällt auf jeden Fall sehr. Gleiches geschah mit „Kokon“ vom 2001 erschienen Album „Duett“, wurde es doch mit einem Mehr an Elektronik etwas aufgemöbelt. Bei „Werben“ wurden die Streicher weiter in den Vordergrund gerückt und ich bin jedes Mal aufs neue überrascht, dass man aus sowieso schon guten Titeln, noch bessere machen kann. Auf dieser zweiten CD ist mein absolutes Lieblingslied „Krabat“ das ursprünglich auf den vier Teilen der „Ich bin ein wahrer Satan“ Single zu finden ist. Auf „Horror Vacui“ hat man sich für die Club Version entschieden, die mir musikalisch wie auch lyrisch ausgesprochen gut gefällt. „Tiefenrausch“ kommt dafür ganz besonders daher, ist es doch eine bisher unveröffentlichte Live-Version. So kann man hier nicht nur der Musik lauschen, sondern Alexander auch ein wenig dabei zuhören wie er die Band vorstellt und ein bisschen erzählt. Zum Schluss gibt es dann noch ein ganz spezielles Schmankerl für alle Fans. Hat man mit „So viel tiefer“ doch noch ein bisher unveröffentlichtes Stück mit auf die CD gepackt. Hier zeigt Asp, welche verschiedenen stimmlichen Facetten er beherrscht und es ist sehr gitarrenlastig geraten, aber eindeutig und unverkennbar ASP.

Bei den neu aufgenommenen Stücken kommt die Stimme von Alexander Spreng eindeutig besser zur Geltung und steht auch insgesamt mehr im Vordergrund, was schon einen großen Unterschied ausmacht, wenn man sich die alten Sachen noch mal anhört. Insgesamt hat man sich auf jeden Fall sehr viel Mühe gemacht und das hört man auch. Definitiv eine Muss-Best Of. Auch für diejenigen, die schon alles von ASP besitzen, lohnt es sich auf jeden Fall, sich die Scheibe zuzulegen, schon alleine wegen der Optik und auch, weil einige Songs sich doch noch mal wieder ein wenig anders präsentieren. Aber natürlich ist es auch für diejenigen geeignet, die erst in die Welt von ASP einsteigen wollen oder vielleicht nur vereinzelte Stücke mögen. Es ist einfach für jeden etwas dabei. Wenn man tanzen möchte, wenn man Kummer hat, einiges kann man einfach nebenbei hören und über manches kann man sich köstlich amüsieren. Besonders die Lyrics sind stellenweise einfach nur herrlich und es lässt sich so viel hinein interpretieren. Manches Mal auch nicht ganz jugendfreie Dinge. Eine Freundin von mir nennt das liebevoll „ASPekte“. Aber ein bisschen meckern muss ich ja zum Schluss doch. So fehlen mir zum vollkommenen Glück die beiden Stücke „Küss mich“ und „Teach me war“. Aber es ist auch klar, dass man es sicher nie jedem recht machen kann, von daher kann ich darüber hinwegsehen. Mein Fazit: UNBEDINGT KAUFEN!

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