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ASP - Per Aspera Ad Aspera (2-CD)

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Artist ASP
Title Per Aspera Ad Aspera (2-CD)
Homepage ASP
Label TRISOL
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Herzlich Willkommen zur Rocky Horror Picture Show! Bitte treten Sie ein in das zeitlose Reich der menschlichen Abgründe und zarten Gefühle, des Lebens und des Todes. Halten Sie sich fest – und lassen sie nicht wieder los. So oder ähnlich könnten ASP die Käufer ihrer „Werkschau“ zum 15. Jahre-Jubiläum begrüßen. Stattdessen wählten sie einen Auszug aus ihrem eigenen Lyrik-Buch „Der Fluch“. Hat man die heiligen Hallen erstmal betreten, darf man für zwei mal 77 Minuten in den phantastischen Welten von ASP verschwinden.

Wer sich das Werk kaufen will, sollte auf jeden Fall eine Hardcopy nehmen, also keine MP3-Downloads von Amazon und Co., denn die Doppel-CD kommt in einer hochwertigen, schön gestalteten Verpackung und mit einem Begleitheft. Anders als bei „gewöhnlichen“ Bands wurden hier nicht Headshots der einzelnen Musiker abgedruckt, sondern kunstvolle Illustrationen von Timo Wuerz. Die Bilder haben mal mehr, mal weniger mit dem Inhalt der Lieder zu tun, mal sind sie sehr explizit, häufiger metaphorisch. Das sind die „Rocky Horror Pictures“. Nette Verbindung zum eigentlich nicht im Zusammenhang stehenden Musical ist das Bild zu „FremkörPerson, erstens“. Stumme, dunkle Gestalten sitzen andächtig um einen nur mit Geschirr gedeckten Tisch, eine Frau starrt wie betäubt ins Leere und die Person am Ende scheint ihren Kopf und Inhalt verloren zu haben. Die Tischdecke ist wie Blut.

Weitere Favoriten: Eine undefinierbar große Menschenmasse, die in ihrer Mitte unabsichtlich mit ihren Körpern einen Totenkopf geformt hat („Die Löcher in der Menge“), oder eine Horde Ratten, die gleichförmig über neonleuchtende Bodenplatten durch eine finstre Stadt rennt, einem fliegenden Skelett folgend, das mit weit aufgerissenem Mund Violine spielt. Sozialkritik? Was auch immer ASP in ihren ausdrucksstarken Gedichten verpacken, es ist mehr als schauerliche Phantasien dunkler Gothic-Freaks. Werke wie solche könnten Vorurteile gegen die „Schwarze Szene“ mit allem was dazugehört mildern. Jeder findet in den Liedern mindestens ein Gefühl, das er auch schon durchlebt hatte.

„Per Aspera Ad Astra“ ist eine bekannte lateinische Redewendung, die so viel heißt wie „Durch harte Arbeit zu den Sternen“. ASP machen aus dem Hoffnungsschimmer einen hoffnungslosen Teufelskreis: Man kommt durch harte Arbeit immer wieder nur zu mehr rauen Hindernissen. So als hätte keine Mühe einen Sinn. Was sie nicht wissen: Sie widerlegen mit dieser Sammlung ihre eigenen These. „Per Aspera Ad Aspera“ dürfte nämlich großen Anklang finden, bei treuen Fans genau wie Neuentdeckern. Denn mal ehrlich, wer liebt keine leicht gruseligen, hochemotionalen Fantasy-Stories, mit einem mittelalterlichen, außerweltlichen Touch? Das kombiniert mit zweifelsfrei guter und einigermaßen massentauglicher Musik ergibt eine Mischung mit großer Anziehungskraft.

Ein gutes Beispiel für die beliebten Gothic-Stories ist „Krabat“. Diesem sehr empfehlenswerten Kinderbuch von Otfried Preußler, das nicht unbedingt ein Kinderbuch ist, haben ASP einen ganzen Zyklus gewidmet, von dem einige Auszüge auf der Werksammlung zu finden sind. Der Rest ist aus dem gesamten Oeuvre der Band zusammengestellt, mit Studio-, Live-, Club- und Akustik-Versionen, je nachdem was gut klingt.

Alles in allem ein rundum gelungenes, in dieser Form wohl einmaliges Projekt, das sich sogar als Hörbuch/ Gute-Nacht-Geschichte eignet. Kritik kann ich nur daran üben, dass mir die Musik auf Dauer zu wenig abwechslungsreich ist. Da können ASP noch so viele unterschiedliche Instrumente und Techniken verwenden, alles was hängen bleibt, sind die textlichen Inhalte, keine Melodien.

Anm. des Chefredakteurs: Bei mir rotiert insbesondere die erste Scheibe ganz intensivst in meinem Player und erstaunt mit einer durchweg hohen Qualität bis ganz kurz vor Schluss. Gothic Rock mit leichten metallischen Anklängen und einem guten Elektronik Fundament, dazu eine intensive und sehr markante Stimme und nicht zu substanzlose Lyrik. Die Fans werden die die Songs in der einen oder anderen Version kennen, für Neueinsteiger in den ASP-Kosmos eine sehr starke, sehr wertige Veröffentlichung, gerade wenn man sie mit Genre-Kollegen vergleicht, die in der selben Zeit seelenlosem musikalischen Massentourismus anheim gefallen sind… einst spielte man gar zusammen…

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