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ASP - Zaubererbruder (Der Krabat Liederzyklus)

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Artist ASP
Title Zaubererbruder (Der Krabat Liederzyklus)
Homepage ASP
Label TRISOL
Leserbewertung
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7.7/10 (39 Bewertungen)

Nachdem mit „Requiembryo“ der Zyklus des schwarzen Schmetterlings abgeschlossen wurde und man dies noch mal mit dem Best Of Album „Horror Vacui“ bekräftigte, wagen sich ASP jetzt an eine neue Geschichte. Als Vorlage für „Zaubererbruder“ diente das Jugendbuch „Krabat“, welches nach einer sorbischen Sage entstand, von Ottfried Preußler aus dem Jahre 1971. In diesem wird die Geschichte von dem Waisenjungen Krabat erzählt, welcher bei einem Müller in die Lehre geht, doch die Mühle stellt sich kurz darauf als „Schwarze Schule“ heraus, in welcher der Müllermeister ihn und 11 weitere Jungen in der Schwarzen Kunst unterrichtet. Im weiteren Verlauf der Erzählung sterben einige der Mitschüler Krabats, unter anderem auch sein bester Freund Tonda. Es stellt sich dann heraus, dass der Müllermeister mit dem Teufel im Bunde ist und immer am Jahresende einen seiner Lehrlinge opfern muss. Andernfalls würde er selber sterben müssen. Des Weiteren verliebt sich Krabat in ein unbekanntes Mädchen, mit dem er sich heimlich trifft und welches der Schlüssel zur Erlösung ist. Denn um den Meister besiegen zu können, muss das Mädchen den Waisenjungen freibitten und eine Probe bestehen, welche darüber entscheidet, ob der Meister stirbt oder die Liebenden. Und wer das Ende erfahren möchte, der sollte es sich selber anhören. Aber auf jeden Fall ist alles dabei was das Herz begehrt: böse Mächte, Magie, Dramatik, Tragik, Liebe und Freundschaft. Und mal ganz ehrlich, diese Erzählung scheint ASP wie auf den Leib geschrieben.

Das Doppelalbum „Zaubererbruder (Der Krabat Liederzyklus)“ kommt, wie von ASP und anderen Bands des Trisol Labels bekannt, in zwei Versionen daher. Einmal in der Standardausgabe im geprägten Digipack und 24-seitigem Booklet und einmal in der limitierten Deluxe Sonderausgabe in einer stabilen Box mit Silber-Heißfoliendruck plus 64-seitigem Booklet (mit allen Texten, zusätzlichen Kommentaren des Autors und exklusiven Illustrationen). Des Weiteren gibt es bei der Deluxe Version noch ein Echtheitszertifikat (von ASP höchstpersönlich signiert), ein Fold-Out Poster, einen wasserfesten „Zaubererbruder“-Autoaufkleber und einen „Schenk dir eine Rabenfeder“-Aufnäher mit dazu. Ich denke, da kann der geneigte Fan nicht meckern und wird nur allzu gern bereit sein, sich diese Scheibe zuzulegen. Für alle anderen, die auf diese Gimmicks verzichten können, ist die Standardausgabe aber auch durchaus ausreichend. Das Artwork ist mal wieder erstklassig, stammt dieses Mal aber nicht von Ingo Römling (aka Monozelle), sondern von Meran Karanitant, dessen Seite – www.darkmouth.com – durchaus mehr als einen Blick wert ist. Und da ich immer ein Problem damit habe, mich bei ASP kurz zu fassen, komme ich lieber schnell zur Musik, bevor ich den Faden verliere.

Die Texte auf „Zaubererbruder“ stammen mit Ausnahme von „Der Schnitter Tod“ aus der Feder von Alexander und um diese fachgerecht interpretieren zu können, hat man sich ein paar Gastmusiker mit an Bord geholt. So sind Almut Storch an der Violine, Sylvia Eulitz am Cello und Thomas Zöller, zuständig für Smallpipe, Borderpipe, Drehleier und Low Whistle mit dazugekommen und werden ASP auch auf der Akustiktour in diesem Herbst begleiten. Als Gastsänger konnte man Eric Fish (SUBWAY TO SALLY) bei „Zaubererbruder“ und Elisabeth Pawelke (ehemals FAUN) bei „Mein Herz erkennt dich immer“ gewinnen. Den Anfang aber macht „Betteljunge“ und ich gebe zu, dass ich an dieser Stelle doch etwas überrascht war. Die markante Stimme von Herrn Spreng erkannte ich zwar sofort, aber setzte man bis vor kurzem bei ASP noch auf Elektronik und Gitarren, schleichen sich hier Folk Anleihen und sogar fast mittelalterlich anmutende Klänge ein. Und da sage noch einer, diese Band wäre nicht innovativ. Zum Thema passt es auf jeden Fall. Weiter geht es mit einem schon von den „Ich bin ein wahrer Satan“ Singles und der „Horror Vacui“ Sammlung bekannten Stück, nämlich „Krabat“. Hier tauchen dann auch wieder die Gitarren auf und es geht wesentlich schneller und treibender zur Sache. So wie man es halt gewohnt ist. „Die Teufelsmühle“ geht wieder zurück zum Folk und irgendwie muss ich dabei immer an Menschen denken, die sich an den Händen halten und um ein großes Lagerfeuer tanzen. Die nächsten beiden Stücke, „Denn ich bin der Meister“ und „Fluchtversuch“ drehen noch mal richtig auf, bevor mit „Elf und Einer“ und „Mein Herz erkennt dich immer“ zum balladesken Teil übergegangen wird. Wobei „Elf und Einer“ eher eine Rockballade ist und „Mein Herz erkennt dich immer“ mehr an ein Minnelied erinnert. Schön dazu auch die weiblichen Vocals, die dem Ganzen etwas leichtes verleihen und in Kombination mit Alexander einen Dialog zwischen den Liebenden darstellt. Den Abschluss auf der ersten CD bildet das Stück „Verwandlungen I – III“ und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich dieses sehr an die Kollegen von SAMSAS TRAUM erinnert. Nicht unbedingt in den Refrainpassagen, die eher schleppend klingen, sondern mehr in den Strophen.

Der zweite Teil beginnt mit „Abschied“ zwar rockiger als der Erste, aber auch zurückhaltender. Und das soll im weiteren Verlauf auch so bleiben, kommt bei den folgenden Liedern doch häufiger mal die Akustikgitarre zum Einsatz und bildet somit einen guten Kontrast zum ersten Part. Und auch wahre Worte werden gesprochen, so singt ASP bei „Spottlied auf die harten Wanderjahre“ „Was dich nicht umbringt macht dich hart…“. Und wer durfte das nicht schon am eigenen Leib erfahren. Auf jeden Fall ein Stück, das ausgesprochen gut gefällt. Wie so viele andere auf „Zaubererbruder…“. Mit Eric Fish konnte man für „Zaubererbruder“ eine weitere markante Stimme gewinnen und es hört sich durchaus interessant an, wenn die beiden Herren im Duett singen. Musikalisch könnte das Stück auch gut ein SUBWAY TO SALLY Titel sein, bewegt man sich damit doch in den Gefilden des Mittelalterrocks. Auch wenn hier ein paar Elektronikspielereien mit im Spiel sind. Danach wird es wieder akustisch, bevor es zum Schluss mit „Am Ende“ und „Zwei Schwäne“ sogar richtig traurig wird. Mag aber auch sein, dass die Violine nur bei mir so eine herzzerreißende Wirkung hat.

ASP ist mit dieser Scheibe definitiv ein abwechslungsreiches und interessantes Album gelungen und dafür, dass es nur ein Zwischenwerk sein soll, bevor es mit einem weiteren düsteren Erzählzyklus weitergehen soll, ist es verdammt gut gemacht. Sowohl Verpackung als auch Inhalt sind ausgezeichnet und man merkt, dass die Band sich viel Mühe gegeben hat. Eine Empfehlung von mir: Man sollte sich das Album am Stück anhören, da nun mal eine Geschichte erzählt wird und man zwischendurch ganz schön gut aufpassen muss, um nichts zu verpassen. Aber auch einzeln wissen die Stücke durchaus zu überzeugen und im Grunde genommen bleibt einem gar nichts anderes übrig als den „Zaubererbruder“ zu lieben.

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