Band Filter

AWOKEN - Take Aim

VN:F [1.9.22_1171]
Artist AWOKEN
Title Take Aim
Homepage AWOKEN
Label LET IT BURN RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Keine Musikrichtung macht es Außenstehenden so schwer, ihre Gesetze und Werte zu verstehen, wie der HardCore. Dabei werden sie wohl bei keiner so offensiv in die Welt geschleudert. Vielleicht ist es das scheinbar Widersprüchliche, das verwirrt und den Zugang erschwert: Diese EP spricht im gleichen Atemzug von Hass, Bitterkeit und Aggression wie von Stolz, Stärke und Selbstbestimmung.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach, denn vor allem spricht sie von Freundschaft. Und dass die Kollegen aus der Szene wirklich für einander da sind, wurde deutlich, als Ben Jolliffe von REASON 69 den verletzten Duncan Jones am Schlagzeug ersetzte. Und dafür an einem einzigen Tag das gesamte Set auswendig lernen musste. Grundlage ist ein gegenseitiges Verständnis, welches sich in Anhängern des Genres in allen Ländern und auf sämtlichen Kontinenten findet: Eine deutschen Plattenfirma wird zur Heimat für eine englische Band, die eine uramerikanische Musik spielt – und keiner wundert sich darüber. AWOKEN sind dabei ehrlich genug zuzugeben, dass sie Let it Burn Records vor allem deswegen den Zuschlag gaben, weil diese ihnen den europäischen Markt besser erschließen können als eines aus dem vereinigten Königreich. Doch gleich im nächsten Satz freuen sie sich der Ehre, auf einem Label veröffentlichen zu dürfen, das keine einzige schwache Band im Programm führe. Wobei man hinzufügen sollte: Wenn es hier nicht um Ideale, sondern Knete ginge, hätten sich die Jungs ohnehin einen anderen Stil aussuchen müssen. Die fünf Songs auf dieser Maxi sind nämlich verdammt hart, extrem roh und biedern sich keine Sekunde an bestehende Trends an. Also: Keine Melodien, keine freundlichen Refrains. Keine glänzende Oberfläche, sondern nur Dreck, Schmutz, Wahnsinn und Wut. Dabei hat „Take Aim“ eine ganze Menge mehr als reine Old School Eisen zu bieten. Der Ansatz erinnert stark an die unmenschlich brutalen WASTEFORM, nur ohne Cyberästhetik und außerhalb deren entmenschlichter Parallelgalaxie. Aber inklusive Metal, mörderischen Bässen, schwerfällig-schmerzerfülltem und schwitzigem Riffing. Die Gitarren sind tonnenschwer, doch sie bekommen grundsätzlich die Zeit auszuklingen, werden nicht mit der Präzision eines Metronoms in ProTools mit der digitalen Schere zurechtgestutzt. 18 Minuten lang geht das so, die Stücke fließen ineinander, es gibt keine Pause.

Danach will man mehr. Man kann nur gespannt darauf sein, was diese junge und ehrgeizige Truppe auf ganzer Länge zustande bringt. Es ist schon wahr: Sie scheinen tatsächlich wie aus einem langen Schlaf erwacht, voller Tatendrang, voller Unruhe. Eine Frage an den Label Chef Chris Zehetleitner: Wann gibt es die Gruppe live zu sehen? Bis dahin applaudieren wir abseits der Bühne: Lasst es brennen, Jungs!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AWOKEN