Band Filter

BAABA KULKA - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist BAABA KULKA
Title s/t
Homepage BAABA KULKA
Label MYSTIC PRODUCTIONS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (4 Bewertungen)

IRON MAIDEN sind vor bald 30 Jahren für mich der Einstieg zur „richtig harten“ Musik gewesen. Mein Bruder hatte die RAINBOW-LP „Long Live Rock’n’Roll“, die für mich damals, also vor dem Kauf von „The Number Of The Beast“, härtemäßig das non plus ultra war. Von da an aber wurde Eddie mein ständiger Begleiter auf T-Shirts, meine Haare wurden länger und auf meiner Kutte befand sich – dort, wo hinten die Haare aufhörten – natürlich das Bandlogo meiner Heroen. Zwischen 1986 und 1988 lief auf meinem Walkman fast ununterbrochen „Somewhere In Time“ und die Band war so etwas wie mein bester Freund. Up the Irons. Mittlerweile spiele ich selbst seit einigen Jahren in einer „netten“ IRON MAIDEN-Tributeband Schlagzeug und bin der Ansicht, dass es keine größere Form von Verehrung gibt, als etwas nachzuspielen… wenn man es denn gut macht.

Damit komme ich auch schon zu BAABA KULKA, einer polnischen Gute-Laune-Kapelle, die mit ihrer Sängerin klingt wie eine Reinkarnation der CARDIGANS („Lovefool“… wer erinnert sich?) und sich covermässig dem Backkatalog der eisernen Jungfrauen zugewandt hat. Keine Ahnung, was der Name der Band bedeutet (Anm. der Red.: Auch ein polnischer Kollege konnte hier nicht weiterhelfen…), bisher kannte ich nur Baaba Gump, der ja unbedingt einen Shrimp-Kutter kaufen wollte. Manche Bearbeitungen der schrägen Combo wie etwa „Wrathchild“ sind einfach nur irgendwie krank und echt schräg, aber am Anfang der CD noch ganz lustig. „Aces High“ wird hier so durch den Wolf gedreht, dass es klingt wie der Soundtrack zur Wurzelbehandlung bei meinem Zahnklempner. Ähnlich machen BAABA KULKA das mit der „Piece Of Mind“-Hymne „To Tame A Land“. Klingt jetzt nicht mehr wie Wüstenplanet-Metal, sondern wie Musik zur Braunbärennummer des Moskauer Staatszirkus. Krank! Aber irgendwie doch wieder ganz cool. Übrigens… die Musiker verstehen Ihren Job und ich wette, die sind wirklich MAIDEN-Fans (damals…. Behind the Iron Curtain) und haben sich beim Proben einen Ast gefreut. Schön auch „Ides of March“ A-Capella im „Hohes C Enigma-Sound“ (ihr wisst schon… dieser Mönche-Hit zum Mauerfall). „Prodigal Son“ wächst dann nach dem dem Querflöten-Intro zum Chill-Out-Lounge-Groover über sich hinaus. Es folgt ein weiteres Highlight… „Fly on your way like an eagle“ mit einer Bontempi-Bossa-Nova Orgel von Opas Dachboden (remember MAMBO KURT?). Zum Grande Finale gibt es noch ein Klarinetten-Oktett in D-Moll. Wer braucht das? Der Ikarus wäre bei der Musik nicht einmal gestartet! „Children Of The Damned“ swingt wie JAMES LAST, „The Clairvoyant“ ist nahe am Original, bis dann der Gesang der Dame einsetzt und sich zum Folk-Tango entwickelt („I wonder why I wonder how?“). Vor der Bridge (“there’s a time to live…”) wird noch “Lambada” verwurstet. Meine Meinung dazu, in Polen muss es Gras mit EHEC-Bakterien zum Rauchen geben. Der letzte Track auf der CD ist „Still Life“, oder besser „Still Bossa Nova“… oh I never felt so strange!!!

Hört‘s euch am besten mal selbst an, manches ist wirklich ganz cool und chillig geworden, bei anderen Stücken funktioniert das Covern aber aus meiner Sicht überhaupt nicht. Lustig auch das Backcover der CD, wo man im Wald bei Breslau das NOTB-Cover mit der Band nachstellt. Dafür gibt es von mir die volle Punktzahl. Brauchen tut das im Grunde aber keiner, der „normale“ Metal-Fan wird sich hier mit Grausen abwenden und wie ich an die gute alte Zeit denken, wo man noch sein MAIDEN-Shirt in Röhren-Jeans mit Nietengürtel und Tennissocken in Puma Black-Star Schuhen trug und zu „Run To The Hills“ am Autoscooter mitbangte.
GR

—————————————————————————————————————-

Die Polen BAABA KULKA sehen nicht nur schräg aus auf dem Backcoverfoto, sondern fabrizieren auf ihrem Debut auch sehr schräge Mucke. Man huldigt nämlich IRON MAIDEN mittels 10 Geschmackssicher gewählten Coverversionen, die von Kennern der Materie zeugen… aber jetzt kommt´s: im Freejazz/ Electronica/ Dance/ Folk-Style! Das hat man bisher noch nicht gehört!

Hat mit Metal natürlich nix zu tun musikalisch, überzeugt aber mit mächtig intressanten Ansätzen. Ab und an erklingt auch mal kurz eine normale Rockband-Instrumentierung. „The Number of the Beast“ ist trotz Kirmesintro gleich zu erkennen, der klare Frauengesang hat eine ganz eigene Phrasierung des Textes, ansonsten swingt der Song regelrecht, bevor nochmal kurz Gitarre plus Drums erklingen. Sehr abgefahren, aber auch sehr einzigartig! „Wrathchild“ klingt wie ein fluffiger JETHRO TULL meets SANTANA-Tune, die führende Querflöte ist echt mal pfiffig. Würde gut zu einem „Austin Powers“-Film passen… „Aces High“ als psychedelische Dancefloor-Nummer hat bisher sicherlich auch noch kein Headbanger gehört, hier gibt´s das formvollendet. Außer den Texten und den Grundmelodien haben die Songs nichts mit den Originalen gemeinsam, was auch gut so ist, denn einfache Coverversionen von MAIDEN gibt´s ja tausende. Waren die ersten drei Songs noch eine logische Standardauswahl, so ist „To Tame a Land“ sicherlich ein überraschendes Schmankerl! Der Song zählt im Maiden-Fundus ja immer noch zu den unterbewertetsten Tracks, eine der großartigsten Kompositionen von Mr. Harris! Hier wird der orientalische Faktor des Songs noch stärker hervorgehoben, klingt wie auf einem Basar. Klasse! Nach dem Acapella-Teil „The Ides of March“ kommt mit „Prodigal Son“ erneut eine ungewöhnliche Wahl, wohingegen „Flight of the Icarus“ und „Children of the Damned“ (in kürzerer Version) gewöhnlicher sind, was allerdings nicht für die Umsetzung gilt! Mit „The Clairvoyant“ kommt eine richtig coole Version zum Zuge, bei der Gitarren und Schlagzeug recht nah am Original musizieren (wenn sie denn mal ertönen) und auch der Gesang an Dickinsons Phrasierung gehalten ist, die Kirmes-Sounds und der Flamenco-Zwischenpart gehen aber wieder sehr avantgardistisch ab, die Disco-Synthies klingen ebenfalls schräg, aber irgendwie passt das alles zusammen. Mit „Still Life“ rundet eine Big Band-Version eines ebenfalls selten gehörten MAIDEN-Classics diese aussergewöhnlichste, aber auch eine der intressantesten IRON MAIDEN-Coverscheiben schön swingend aus.

Ganz großes Tennis! Wer sich die limitierte Version mit DVD zulegt (die mir leider nicht vorliegt), der kommt noch in den Genuß von 7 Livetrax! Neben den auf der CD vertretenen „Wrathchild“, „Flight of the Icarus“, „Children of the Damned“ und „The Number of the Beast“ gibt´s noch „Rime of the Ancient Mariner“(!), „Genghis Khan“ und „Aces High“ zu bestaunen! Grandiose Idee, grandiose Umsetzung! MUSS man als Maiden-Fan mal gehört haben!
MOSES

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BAABA KULKA