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BALZAC - Paradox (CD/ DVD)

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Artist BALZAC
Title Paradox (CD/ DVD)
Homepage BALZAC
Label GAN SHIN RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Elektronischer japanischer Horrorpunk (oder wie die Band es formulieren würde „Japan’s Premiere Devil Rock“) – genau damit werden wir mit „Paradox“ von BALZAC konfrontiert. Wem die Band kein Begriff sein sollte, den verweise ich freundlich auf den Umstand, dass die sich selbst stilisierenden Devil Rocker aus dem Land der aufgehenden Sonne sich mit den MISFITS schon einmal eine Scheibe teilten, mit Bela B. und Rod von den ÄRZTEN auf der Bühne standen, nebenbei drei eigene Modelabels, sowie drei weitere stilistisch anders orientierte musikalische Truppen betreiben. Außerdem lassen die Ursprünge ihrer Existenz sich bis ins Jahr 1992 zurück verfolgen. Das klingt freilich nach emsigen Vielstrebertum und durchaus spannend, leider jedoch nicht spannend genug, um sich vorliegendes Album gleich und ohne Skepsis sofort aus dem Bestand des nächst liegenden Media Markts zu kaufen.

Die Antwort auf das große Warum ist eigentlich recht einfach: Obgleich die Japaner gewiss keine bloße MISFITS-Kopie darstellen, sind sie musikalisch einfach zu spaßig, zu schülerbandhaft und zu vergessenswürdig, als dass es sich wirklich lohnen würde, dieser Band seine kostbare Muße zu opfern. Was auf „Schiz-ism I“ noch wie die quietschende Männer-Strapse von Dr. Frank-N-Furter klingt, rädert sich spätestens ab dem Anfang von Track No. 2 „Hazard“ in eine Punk-Rotzerei dreistester Durchschnittlichkeit. Ja, die Growls im Hintergrund wirken gar knuffig. Mit „Paradox“ macht man’s schon besser, doch auch nicht viel besser. Die Riffs rocken und bolzen über frisch geputztem Elektro-Parkett und Sänger Hirosuke Nishiyama sucht auf seinem Notenpapier NENAs 99 Luftballons. Der Rest verliert sich irgendwo in einem Produktionismus von finanziellem Überlebenszwang, verzweifeltem Kohle-Scheffeln und der Unnötigkeit, die ganze Zeit über auf sich aufmerksam zu machen. Zwar schafft die Band es in groben Zügen etwas Tanz- und Abgehbares, sowie tendenziell Eingängiges zu servieren, doch langweilt das hier gebotene Material spätestens ab dem dritten Durchlauf. Sowohl Traditionalisten, als auch Neueinsteiger sind da sehr viel besser mit MISFITS und Co. bedient. BALZAC wirkt einfach mehr wie ein von Kostümen und Images getragenes Fernost-Produkt, das scheinbar durch Exotentum und Exklusivität bestechen soll (eben einfach wegen der „fernen Herkunft“), hierzulande aber allzu blechbüchsenhaft und ordinär wirkt. Anders als Geishas, Sushi, Samurais oder Zen-Buddhismus offenbart sich hier wieder leider unweigerlich das große Problem japanischer Rock-Musik… sie rockt nur seicht im Morast von Trittbrettfahrertum und Co., ja es scheint fast so, als seien die Japaner nicht imstande diese Musikkultur zu assimilieren.

Zu allem Überfluss gibt’s auch noch eine mit drittklassigen Clips bespickte DVD (das komplette „Hatred“-Album wurde hier visuell umgesetzt), die durch ihre Einfallslosigkeit und Austauschbarkeit am Besten gleich in den Müll wandert.

Fazit: Trotz guter Ansätze ist „Paradox“ meines Erachtens doch leider nicht mehr als eine dieser Scheiben, die man auch noch nach gefühlten Ewigkeiten angestaubt mit ausgeblichenem Preisetikett bei EMP und Co. entdecken wird können. Oder in der Grabbelkiste bei Toom. Wer den Silberling dennoch anchecken will, dem seien „Spiral“ oder „Space Vampire In Silence Noise“ empfohlen.

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