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BEADY EYE - Different Gear, Still Speeding

Artist BEADY EYE
Title Different Gear, Still Speeding
Homepage BEADY EYE
Label BEADY EYE RECORDS
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So richtig grün waren sich die Brüder Liam und Noel Gallagher ja irgendwie nie, aber als Liam dann im August 2009 hinter der Bühne Noels Gitarre zertrümmerte, war endgültig Schluss mit der Britpop-Legende OASIS. Im Mai letzten Jahres vermeldete Prügel-Rüpel Liam Gallagher, dass er gemeinsam mit den drei verbliebenen OASIS-Mitgliedern Andy Bell, Gem Archer (beide Gitarre) und Chris Sharrock (Drums) unter dem Logo BEADY EYE weiter Musik zu machen gedenke. Für den Stahlsaiter wurde zudem Jeff Wootton (Live-Bassist bei den GORILLAZ und DAMON ALBARN) verpflichtet und es ging mit Produzentenlegende Steve Lillywhite ins Studio.

Die Erwartungen an das Album „Different Gear, Still Speeding“, das auf diese Weise entstanden ist, sind naturgemäß enorm, doch beim Hören wird schon bald klar, dass die Vermutung, Noel sei der bessere Songwriter der Gallagher-Brothers, richtig ist. Die Songs des BEADY-EYE-Debüts sind zweifellos ordentlich gemacht, aber auch ziemlich austauschbar. Liams nöliger Gesang lässt natürlich sofort an OASIS denken, aber eine Stimme mit einem gewissen Wiedererkennungswert reicht nun einmal noch nicht, um eine herausragende Platte zu machen. Dafür haben die Herrschaften zu wenig eigene Ideen eingebracht und einfach mal so ziemlich alles geklaut, was ihnen vor die Flinte gekommen ist. In Tagen, in denen Plagiatsvorwürfe die bundesdeutsche Nachrichtenberichterstattung beherrschen, ein gewagtes Spiel mit dem Feuer, aber letztlich hat wohl auch niemand erwartet, dass Liam & Kollegen plötzlich das Rad neu erfinden. So warten die Herrschaften nicht mit bahnbrechenden Innovationen, sondern mit solider Mucke auf, die stark durch allerhand Sixties-Bands inspiriert wurde, sodass ein Titel wie „Beatles And Stones“ konsequenterweise gar nicht fehlen durfte. Ein wenig aus der Reihe tanzt hingegen die erste Singleauskopplung „Bring Me The Light“, die als etwas abgenudeter Südstaaten-Boogie daherkommt und als Appetizer auf die Langrille vielleicht nicht die Top-Wahl war. „Four Letter Word“ erweist sich als bessere Referenz und zählt auch zu den gelungeneren Tracks des Albums. Mit der dritten Single „The Roller“ frönt Gallagher zweifellos seiner Vorliebe für JOHN LENNON, denn die Anleihen bei „Instant Karma“ sind nun wirklich nicht zu überhören und schon ein kleines bisschen frech. Derweil könnte „The Millionaire“ genauso gut von den BYRDS stammen, auch wenn die Umsetzung nicht ganz so platt ist. Die Streicher bei „Kill For A Dream“ retten das Liedchen dummerweise nicht aus seiner Lethargie und leider reißt das konfus lärmende „Standing On The Edge of Noise“ mich so gar nicht vom Hocker. Eine eigene Handschrift ist noch am ehesten bei „Wind Up Dream“ und „Wigwam“ zu erkennen. Das macht die Nummern nicht unbedingt herausragend, aber es reicht für ein Okay.

Ein Statement, das für die gesamte Platte gilt. Es hätte schlimmer kommen können, aber ein Geniestreich ist „Different Gear, Still Speeding“ halt auch nicht. Es scheint, als würde Liam Gallagher auch zukünftig eher durch prolliges Auftreten von sich reden machen, denn durch musikalische Heldentaten. Die OASIS-Fans bleiben besser bei den ihnen vorliegenden Silberlingen, einige von ihnen werden aber auch den aktuellen BEADY-EYE-Output mögen und für die nicht ganz so kritische Masse wird „Different Gear, Still Speeding“ mit Sicherheit auch in Ordnung gehen.

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