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BEHEMOTH - The Satanist

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Artist BEHEMOTH
Title The Satanist
Homepage BEHEMOTH
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Markierte „Evangelion“ mit seinen herausragenden Meilensteinen wie „Ov Fire and the Void“, „Alas, Lord is upon me“, „Lucifer“ und den dazugehörigen, provokanten Videos noch den größten Erfolg der polnischen Extrem Metal-Helden BEHEMOTH, so sorgte besonders Chef/ Gitarrist/ Sänger Nergal in den folgenden Jahren durch Gerichtsprozesse (Blasphemie, Bibel-Schändung), Film/ Fernseh-Auftritte („Voice of Poland“-Juror, Nazi-Komödie „AmbaSSada“), als Buchautor und allem voran durch seine schwere Leukämie-Erkrankung für Schlagzeilen! Die große Frage: Was wird aus BEHEMOTH? Die polnische Extrem Metal-Institution hatte ihren über 10 Jahre hinweg erarbeiteten Stil spätestens mit „Evangelion“ komplett ausgereizt und so nutzte Nergal die einschneidenden Ereignisse, um auch seiner Band einen Neustart zu ermöglichen.

Natürlich sind auch auf „The Satanist“ Facetten enthalten, die man von „Demigod“, „The Apostasy“ und „Evangelion“ kennt, aber selbst „Amen“, das noch am ehesten zu dieser Scheibe passen würde, klingt anders. Und doch lassen gleich die ersten Riffs vom Opener „Blow your Trumpets Gabriel“ keinen Zweifel, dass es sich hier um BEHEMOTH handelt. Und zwar um eine Band, die sich selbst reflektiert und die eigene Definition neu interpretiert. So wuchtet sich schon der Opener mächtig und pompös doch gleichzeitig, kalt, trocken und einprägend böse nach vorne, wie es alle Brutalo-Ausbrüche der Vergangenheit nicht intensiver hätten schaffen können! Diese werden dafür nun gezielt eingesetzt und nicht als dominantes Stilmittel genutzt. So arbeiten die Polen mit fast klassischen Riffstrukturen aus Death und Black Metal, unterlegen diese des öfteren mit Chören und Bläsern und scheuen sogar angedeutete Groove-Passagen nicht. Dies konfrontieren die Herren dann mit infernalischen Brachial-Angriffen, die in dieser Kombination noch viel einschlagender wirken, als würde man den jeweiligen Song nur durchbretzeln! Als mit beste Beispiele seien hier mal „Messe Noir“ und „Furor Divinus“ genannt. Besonders bei diesem Track beweist das Quartett sein weiterhin beeindruckendes musikalisches Niveau und vor allem Schlagzeuger Inferno macht seinem Namen mehr als nur alle Ehre!

Doch auch „einfach“ kann mächtig zuschlagen: So rotiert, wuchtet und drückt „Ora Pro Nubis Lucifer“ sicht derart mit durchwalzender Doublebass, treibenden Riffs und kalten Leads nach vorne, ohne in unnötige Raserei zu verfallen, dass kaum einer mehr an der Verbundenheit zum Black Metal zweifeln dürfte. Auch das packende Titelstück, mit seinen getragenen Passagen und fast schon rockigen Parts trieft schon fast vor Dunkelheit und düsterster Atmosphäre! Diese erklimmt seinen Höhepunkt dann beim finalen „O Father, O Satan, O Sun“, einem epischen, fast hymnischen Machtwerk, das pure Gänsehaut erzeugt. Neben der instrumentalen Umsetzung ist für diese deutlich erdigere und geradlinigere Ausrichtung besonders Nergals Stimme verantwortlich. Wurde dessen Grunts in der Vergangenheit oftmals noch doppelt und dreifach mit Effekten überlagert, um sie so böse wie möglich klingen zu lassen, so growlt der Fronter nun trocken, rau und unverfälscht, was deutlich näher an die Live-Performances heranrückt.

So befreien sich BEHEMOTH mit einem Paukenschlag von allem Gewesenen und klingen dennoch oder gerade deswegen mehr als je zuvor nach sich selbst. Solch ein Album hätten wohl die wenigsten erwartet!

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