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BEHEMOTH - The Satanist

VN:F [1.9.22_1171]
Artist BEHEMOTH
Title The Satanist
Homepage BEHEMOTH
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (2 Bewertungen)

Die wohl aktuell am Meisten herbeigedeibelte Extrem Metal-Scheibe dürfte der neue Feldzug der Polen BEHEMOTH sein, die sich seit dem letzten Vernichtungsschlag „Evangelion“ gut 5 Jahre Zeit gelassen haben. Und diese quasi-Zwangspause (bedingt auch durch Nergals Krebserkrankung) hat den Herren hörbar gut getan. Denn so grandios die letzten Scheiben auch waren, es schlich sich ein leichtes Stagnieren auf höchstem Niveau ein. Man rüpelt, blastet und teufelt auch auf dem plakativ betitelten „The Satanist“ natürlich noch in schwindelerregenden Sphären, von denen die meisten Kollegen nicht mal träumen können (bzw. wollen), aber gleich der ungewohnt gebremst zu Werke gehende Opener „Blow your Trumpets Gabriel“ zeigt auf, das BEHEMOTH ihre Boshaftigkeit 2014 nicht mehr aus reiner Knüppelei und technischer Brillanz beziehen. Was ihnen nur noch mehr Durchschlagskraft verleiht! Gefiel mir dieser vorab im Netz massiv lancierte Track erstmal nicht so wirklich, entwickelt das Teil in der Heavy Rotation eine dermaßen einnehmende Vehemenz und Aura, das man nur von einem „Hit“ sprechen kann, der ganz bewusst ob seiner Andersartigkeit an die erste Stelle platziert wurde.

Und auch hier machen die Polen mal wieder alles richtig, leicht anders und dennoch 110% BEHEMOTH. Müßig zu erwähnen, dass man instrumental, vokalisch und produktionstechnisch das absolute Nonplus-Ultra auffährt. Schon das hypnotisch einleitende Gänsehaut-Riff, die marschierenden Drums, die rausgehassten Vocals und die bös-düster packende Melodie mit Bombast-Anteilen ziehen einen in den Bann des Werks, bevor im Mittelpart derbst geblastet wird und zum Ende hin psychedelische Klänge eingeflochten werden. Ganz großes Teufelswerk! Traditionell knüppelig/ blastig startet dann das irre-rasende „Furor Divinus“, wer mit dem ersten Track nicht sofort warm wurde, dem wird hier eingeprügelt, dass die Meister mächtiger denn je zurück sind. Auch im teils vertrackten, marschierenden „Messe Noire“ fallen die latent psychedelischen Black Metal-Klampfen auf, was dem Ganzen einen noch kälteren Anstrich als bisher verpasst. Mit dem mörderisch walzenden Death Metal-Geschoß „Ora Pro Nebis Lucifer“ plättet man den Hörer regelrecht und entwickelt einen schier unglaublichen Drive, ohne dabei auch nur einen Mikrometer an Brutalität einzubüßen, selbige ballert man im sirrenden Blast-Schrapnell „Amen“ gewohnt perfektioniert aus den Speakern. Was Infernus auf diesem Werk mal wieder zusammenköppelt, dürfte 99,5% der Extrem-Schlagzeuger im Boden versinken lassen! Doch der Mann kann ja auch anders, und auch dort brillant.

Der Titeltrack lehnt sich dann so weit aus dem Genre-Fenster wie noch nie zuvor im BEHEMOTH-Kosmos, das ist schon eher Düster-Rock mit derben, heiseren Schrei-Vocals. Parallelen zu neueren SATYRICON lassen sich nicht verleugnen. Geiles Teil, mir aber doch einen Tick zu weit aus dem Fenster gelehnt – da schielt man eindeutig auf eine noch breitere Käuferschicht (trotz des langen Blastparts am Ende im ellenlangen Soloteil). Dass man in Zukunft allerdings belanglosen Quark verzapft, wie eben SATYRICON, darf man stark bezweifeln. Dafür bügelt man einfach weiterhin zu nah an der Basis, auch wenn sich Nergal & Co weiter öffnen denn je. Man höre nur die tollen Akustik-Begleitklampfen im treibenden „Ben Sahar“! Mit den bombastischen Chören und dem verfeinerten Songwriting erschaffen BEHEMOTH nachhaltigere Tracks wie in der Vergangenheit, vielleicht kann man sogar von eingängiger sprechen. Sogar ein Saxophon (!) darf hier ungestraft präsentiert werden -im Sprechpart von „In the Absence of Light“-, einem Track, der ansonsten viehisch alles wegblastet.

Überhaupt sind es die vielen im Hintergrund agierenden Einzelheiten, die den Sound noch weiter verfeinern, seien es nun die erwähnten Akustikklampfen, Saxophon und Sprechparts oder die Bläser, Streicher und Chöre – das alles fügt sich zu einem flüssigen Ganzen zusammen und hängt die Messlatte in Sache extremer Black/ Death Metal schon im ersten Monat in 2014 nahezu unerreichbar hoch! Völlig wahnsinnig großartig marschiert der epische Schlussburner „O Father O Satan O Sun!“ voran, eindeutig von BATHORY beeinflusst und mit geilen Heavy Metal-Soli versehen zeigen BEHEMOTH hier ihre ganze neugewonnene Klasse auf. Dermaßen musikalisch hat man die Jungs bisher noch nicht gehört, daran kann auch das phasenweise kurz eingestreute Blastchaos nix ändern.

„The Satanist“ ist das mit Abstand vielfältigste und beste Werk der Polen und mir fällt derzeit keine Kapelle ein, die das 2014 toppen könnte. Keine schlappe Sekunde, volle Punktzahl! Kaufen Sie bitte jetzt!

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