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BELA B. - Bingo

Artist BELA B.
Title Bingo
Homepage BELA B.
Label BPX 1992
Leserbewertung

Er musste es einfach tun. Eine Soloscheibe rausbringen. Seinem ewigen Doktoranden FARIN URLAUB nachfolgen. BELA B. alias Dirk Felsenheimer war für mich immer der interessantere „Arzt“, was vermutlich an seiner Begeisterung für B-Movies und Schund aller Art lag. Er diente unter dem Gütersloher Enfant Terrible Thilo Gosejohann („Operation Dance Sensation“), dem spanischen Kultregisseur Jess Franco (der herrlich miese „Killer Barbys vs. Dracula“) aber ebenso in „seriöseren“ Produktionen wie Wilsberg oder Tatort. Auch musikalisch konnte er abseits der besten Band der Welt bereits punkten: Seine Duette mit Silvia Superstar („Candy“, im Original von IGGY POP) und Jasmin Wagner (als Denim Girl beim TURBONEGRO-Tribute) sorgten für Aufsehen. Übrigens revanchierte er sich mit einem kurzen Gastauftritt bei Jasmins wunderbarem Solodebüt. Nun also 17 mal Bela pur, leider enthält die Promo nur 9 Stücke, das reicht aber um der Qualität der Scheibe zu huldigen.

Mit einem herrlich selbstironischen, „religiösen“ Intro geht es los, Herr F. auf den Pfaden des Herren, weniger hätten wir auch gar nicht erwartet. Dass sich der Berliner immer auf dem schmalen Grad zwischen Persiflage und Größenwahnsinn bewegt, sollte wirklich niemanden überraschen. Wer, wenn nicht er, hat im deutschen Musik Business das Recht dazu? Schließlich schreibt kaum jemand so interessante Texte, die wahlweise für Schmunzeln oder Nachdenklichkeit sorgen? Die Vorabsingle „Tag mit Schutzumschlag“ wird bereits rauf- und runtergedudelt, Gesellschaftskritik inklusive. Ein flotter, punkig angehauchter Titel mit Sprechgesang und prägnantem Refrain. Interessanterweise lässt sich das lyrische Konzept fast deckungsgleich auf SUCH A SURGEs letztem Werk wiederfinden (nennt sich dort „Mein Tag“). Ansonsten gibt sich Bela kompositorisch sehr variabel: Da wären 60ies Beat bei „1.2.3…“ (mit der guten Charlotte Roche als Gast-Chanteuse), TITO & TARANTULA-Flair beim lyrisch eher düsteren „Letzter Tag“ oder Country („Traumfrau“, wo die Helmstedts um Ex GLUECIFER-Drummer Danny Young mal blasen dürfen) zu nennen. Also ein Ritt durch die Popkultur der letzten 40 Jahre, zusammengehalten durch garstig-liebevolle Lyrics über impotente Musikerkollegen, das ewig lockende Weib oder die Vergänglichkeit. Ganz so jung ist der Herr Künstler ja auch nicht mehr. Passend dazu hat er sich auch den großen alten „Schatten der Pop Musik“ Lee Hazlewood für einen Song mit ins Boot geholt.

Er hätte es nicht nötig gehabt, er hätte gehörig ausrutschen können, doch BELA B. lässt die Deckung oben und kredenzt uns eine wunderbar lockere Sommerscheibe, die keine Vergleiche scheuen muss und trotzdem für sich alleine steht. Zeitlose Gitarrenmusik mit dem gewissen Etwas – Er musste es einfach tun.

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