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BERGEN - Bärenmann

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Artist BERGEN
Title Bärenmann
Homepage BERGEN
Label K&F RECORDS
Leserbewertung
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6.0/10 (3 Bewertungen)

Obacht! Wer das zweite Album „Bärenmann“ des Dresdner Musik-Kollektivs BERGEN bei iTunes kaufen möchte, bekommt als Genre „Schlager“ angezeigt. Den sechs jungen Herren und die Dame von BERGEN gefällt diese Schublade sogar ganz gut, dabei macht das Septett in Wirklichkeit rumpelig-warmen Folk-Pop mit knarzenden Gitarren, Klavier, Trompete, Posaune und einem grummelnden Bass. Für die kleinen, vertonten Geschichten von alten Zauseln, die sich Fell ins Gesicht kleben, um zwischen sieben und acht Uhr auf eigene Faust den Verkehr zu regeln, runzeligen Frauen am Badewannenrand und verknallten Paaren, die sich am Feierabend einen Suizid per Livestream im Internet ansehen, konnte als Produzent der ERDMÖBEL-Bassist Ekimas gewonnen werden, der half, dem „Bärenmann“ ein passendes Klangkostüm zu nähen.

In der Tat nimmt dieser „Bärenmann“ seine Zuhörer mit der Schlichtheit des Sounds und den versponnenen Geschichte direkt gefangen. „Wie ist das bei dir?“ fragen BERGEN wenig später mitsamt viel Gebläse und schleichen sich damit umgehend in die Gehörgänge und bringen die Füße zum Wippen, ehe „Haut aus Orange“ mit leisen Tönen das Herz berührt. Auch der zweite Part vom „Bärenmann“ bleibt den reduzierten Klängen mit viel Gefühl treu, um mit dem schönen „Rennen“ wieder die Trompete in selbiges zu schicken. „Schwierige Zeiten“ können auch federleicht daher kommen, zumindest, wenn sie von BERGEN intoniert werden. Die großen Themen des Lebens können eben auch durchaus mit einfachen Mitteln perfekt bearbeitet werden. Genau das tun die Sachsen einmal mehr mit gemischtgeschlechtlichem Zwiegesang beim beschwingten „Für eine weitere Nacht“, um am Ende mit dem schwermütigen „Iona“ noch einmal für tiefe Seufzer zu sorgen.

Mit der markanten Trompete lassen BERGEN das eine oder andere Mal an ELEMENT OF CRIME denken. Auch der Umstand, dass ein ERDMÖBEL-Member seine Finger mit im Spiel hatte, passt zum Stil der Platte, die sich mit den kleinen und großen Problemen des Älterwerdens und nicht immer einfachen Beziehungskonstrukten beschäftigt. Und wenn man den feinen BERGEN-Melodien lauscht, weiß man instinktiv, dass nicht alles verloren ist und das Leben trotz seiner Endlichkeit doch immer irgendwie weiter geht.

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