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BETH HART & JOE BONAMASSA - Live in Amsterdam (2-CD/ 2-DVD)

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Artist BETH HART & JOE BONAMASSA
Title Live in Amsterdam (2-CD/ 2-DVD)
Homepage BETH HART & JOE BONAMASSA
Label MASCOT
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Ich verliere an dieser Stelle mal keine Worte über JOE BONAMASSA. Über ihn als Person habe ich in den letzten Rezensionen schon genug gesprochen. Mir liegt jetzt mehr an der Stimmikone BETH HART. Denn auch wenn sie in Deutschland noch nicht so bekannt ist, sollte ihr Name doch allen geläufig sein, die sich im Blues, Jazz oder Rock heimisch fühlen. Sei es durch ihre Beteiligung am Broadway-Musical „Love Janis“, in dem sie selbst den Part JANIS JOPLINs übernahm (und vor allem dank ihrer Stimme perfekt passt) oder aber durch zig andere Projekte und Alben, mit denen sich die Sängerin einen Namen gemacht hat (nicht zuletzt beim 2013er Crossroads Festival). Und jeder, der BETH HART das erste Mal hört, wird sie nicht so schnell vergessen. Wenn man den Namen BETH HART in den Mund nimmt, kann man im gleichen Zusammenhang auch TINA TURNER oder ARETHA FRANKLIN nennen.

Und nun liegen mir hier eine Doppel-CD und auch eine Doppel-DVD vor, wo die Dame zusammen mit JOE BONAMASSA einen Live-Auftritt in Amsterdam absolvierte. Gleich zu Beginn möchte ich erwähnen, dass es sich hierbei um HART mit BONAMASSA handelt – nicht umgekehrt – soll heißen, das Hauptaugenmerk liegt bei diesen Veröffentlichungen deutlich auf der Kunst der Sängerin, und weit weniger auf den ausladenden Aktionen des Saitendehners. Und das merkt man auch gleich zu Anfang recht deutlich. Das nach dem Intro folgende „Them there eyes“ spielt im frühen Rock’n’Roll sowie Jazz und lebt besonders von der Bläserfraktion. JOE darf hier kaum mehr als die Melodie beisteuern. Dennoch ein tolles Stück, welches beweist, dass Songs der Dreißiger Jahre wunderbar eine Zeitreise in die aktuelle Zeit überstehen. Das folgende „Sinner’s prayer“ darf schon mehr von JOEs Gitarre profitieren. Langsam marschiert das Stück mit Gospel und Blues dahin, während BETH HART ihm mit ihrer Stimme wahrlich Seele einhaucht. Vor allem das Vibrato in ihrem Vortrag ist beeindruckend. Ich überspringe jetzt einige tolle Tracks, um direkt zu einem Highlight zu kommen. Denn „Close to my fire“ ist wirklich heiß! Hier schwankt die Sängerin zwischen sanften Momenten und kraftvollen Passagen, die wohl am ehesten an JANIS JOPLIN zu ihren besten Zeiten erinnern. Hinzu kommt, dass sich nun auch JOE etwas mehr austoben darf und diesem Stück ein exzellentes Solo spendiert, während die Bläserfraktion dynamisch intoniert. Ein weiteres Highlight folgt etwas später mit „Chocolate Jesus“. Dieses Stück stampft seinen Weg geradlinig voran, während BETH soviel Kraft in die Stimme legt, dass der Vergleich zu ARETHA FRANKLIN spätestens hier deutlich wird. Auch JOE lässt seine Gitarre herrlich kreischen. Beim folgenden „Baddest blues“ setzt sich Madame HART an das Piano und beweist, dass sie nicht nur singen sondern auch emotional spielen kann. Vor allem ihre stimmliche Eruption ab 3:30 ist Gänsehaut pur. Abschließend möchte ich noch zwei weitere Kracher erwähnen. Da wäre zum einen das BLOOD, SWEAT & TEARS Cover „I Love You More Than You’ll Ever Know”, das zwar nah am Original spielt, dieses aber dennoch vor allem dank der grandiosen Stimme weit hinter sich lässt. Und beinahe zum Schluss kommt „I’d rather go blind“. Knapp 11 Minuten emotionaler Blues, grandioser Gesang und auch ein JOE der seinem Ruf als Gitarrenkünstler gerecht wird. Ach ja, bei dem Schrei bei ca. vier Minuten denkt man sofort wieder an Miss Joplin („Love is like a ball & chain“). Und sowohl CD als auch DVD setzen einmal mehr die Messlatte für klangliche Qualität eines Live-Albums verdammt hoch. Sowohl Gesang, Background-Vocals, Percussion als auch die Bläser-Fraktion klingen herrlich transparent und dynamisch.

Da sich CD und DVD inhaltlich nicht von einander unterscheiden, komme ich hier noch einmal kurz auf die visuelle Qualität der DVD zu sprechen. Da wären eine sehr gute Kameraführung ohne nerviges Ruckeln, tolle Bildqualität und von den Künstlern hier eine enorme Präsenz auf der Bühne zu nennen. Aber auch hier wird deutlich, dass es BETH HART mit BONAMASSA ist. Der Gitarrist hält sich meist etwas bedeckter im Hintergrund. Hinzu kommen noch einige sehenswerte Boni auf der zweiten DVD wie eine Band-Doku („Behind the Seesaw“) und ein Making Of dieser Live-Scheibe.

Doch gibt es noch etwas zu meckern? Ja, leider. Denn wenn man CD und DVD vergleicht fällt auf, dass die Titel der CD allesamt ein- und ausgeblendet werden. So geht das Live-Feeling etwas verloren. Der DVD-Mitschnitt läuft jedoch am Stück durch und präsentiert sich als kompaktes Konzert von knapp zwei Stunden. Und da sage ich mir, das hätte doch dann auch auf die zwei CDs gepasst. Dementsprechend fällt mein Fazit folgendermaßen aus: Sowohl Doppel-CD als auch Doppel-DVD sind definitiv einen Kauf wert. Wer jedoch die Möglichkeit hat, die DVD vernünftig abzuspielen, sollte unbedingt zu ihr greifen. Der Eindruck eines „kompakten“, kompletten Konzertes ist einfach besser als auf CD. Aber dennoch sind beide Versionen inhaltlich und qualitativ auf verdammt hohem Niveau. Und jeder Fan ist quasi verpflichtet, eine der Versionen in seinem Schrank zu haben!

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