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BETH ROWLEY - Little Dreamer

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Artist BETH ROWLEY
Title Little Dreamer
Homepage BETH ROWLEY
Label BLUE THUMB RECORDS
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

Female Songbirds aus den UK, die viertelvorzwölfte… aber halt! Bitte nicht mit AMY WINEHOUSE oder DUFFY in einen Topf werfen, denn der Neo-Soul hat hier nur eine geringe Bedeutung, stattdessen zieht die 27-jährige ihre Inspirationen aus dem Blues, Country und Gospel!

Geboren in Peru, aber im zarten Alter von zwei Jahren wieder nach Bristol heimgekommen, stand BETH ROWLEY schon mit 16 als Frontfrau auf der Bühne. Sie besuchte das Brighton Institute of Modern Music und bandelte im Jahre 2000 musikalisch mit dem Saxophonisten Ben Castle (Sohn des englischen Entertainers Roy Castle, bekannt geworden durch seine Arbeiten mit JAMIE CULLUM) an, veröffentlichte seitdem drei EPs und legt nun mit „Little Dreamer“ ihr komplettes Erstlingswerk vor, welches in den UK gleich auf den sechsten Platz einsteigen konnte! Man merkt also, hier hat sich eine Künstlerin langsam über die Jahre aufgebaut und wurde nicht vom Fleck weg gecastet. Und dieses gewachsene Musikverständnis kann man auch auf jeder Stelle ihres Albums vernehmen, auch wenn bei der Instrumentierung stellenweise etwas zu sehr auf Nummer sicher gegangen worden ist.

Eröffnet wird das Album vom altgedienten Traditional „Nobody’s fault but mine“ (ebenfalls auf der „Violets“ EP zu finden), welches in der Rowleyschen Version durch getragenen Bass, Lap-Steel, feinen Gospel-Chor und makellosen Gesang schon einmal begeistert. Die nächsten beiden Tracks „Sweet Hours“ und „So Sublime“ sind dann Eigenkompositionen, die sich gefällig instrumentiert und heimelig vorgetragen im Unterbewusstsein fest verankern und für ein leichtes Mitsummen des Zuhörers sorgen. Scheiden werden sich die Geister sicherlich an dem BOB DYLAN Klassiker „I shall be released“, denn aus dem Erlösungs-Titel wird hier eine beschwingte Reggae-Nummer, die so auch von JASON MRAZ hätte kommen können. Puristen verzeihen solche Freveleien nicht leichtfertig, trotzdem funktioniert die Nummer ohne Frage (die beste Version entstammt natürlich weiterhin dem famosen Finale von „The last Waltz“, vorgetragen von THE BAND and friends). „Only one cloud“ ist wieder eine Original-Nummer, entfaltet aber ein regelrechtes altmodisches „Oh Brother, Where art thou?“ –Flair. Toll. „When the rains came“ entstammt der Feder der britischen Blues-Legende Jim Crawford und wurde von Beth bereits 2004 das erste Mal auf ihrer ersten EP gecovert. Ebenfalls ein sehr schöner Titel. „Oh my life“ ist wieder ein Eigengewächs und kommt sehr old-school-funk-soulig daher, während „Angel flying too close to the ground“ vom alten Recken WILLIE NELSON stammt. Unterstützt wird sie dabei vom irischen Songwriter und Performer DUKE SPECIAL (nicht verwechseln mit DUKE SPIRIT), dessen Gesangsstil sehr an BADLY DRAWN BOY erinnert. Sehr gelungenes Zusammenspiel und einer der Highlights des Albums. Auch das schöne „Almost Persuaded“ ist kein Original, sondern wurde von Glen Sutton geschrieben, der noch Zeit seines Lebens in die „Nashville Songwriters Hall of Fame“ aufgenommen wurde. Bevor BETH ROWLEY das Album mit einem weiteren Traditional („Beautiful Tomorrow“) beendet, präsentiert sie mit „You never called me tonight“ noch einen Titel, den sie zusammen mit Ben Castle erdacht hat.

Schönes Album, dessen Schwerpunkt ruhig etwas mehr bei den Eigenkompositionen hätte liegen können, denn diese sind fast durchweg als positiv zu bezeichnen. Lediglich die Produktion ist ein wenig zu radiotauglich ausgefallen… Nicht auszudenken, wie brillant das Album unter den Fittichen eines T-BONE BURNETT geklungen hätte. Die Instrumentierung ist aber fraglos gelungen, genauso wie die Vocals für ein wohliges Gefühl sorgen. Da freut man sich doch auf die Dinge, die da noch kommen mögen!

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BETH ROWLEY kommt aus dem englischen Bristol, wurde allerdings vor 26 Jahren in Peru geboren und „Little Dreamer“ ist der erste Longplayer des blonden Lockenköpfchens, das erstmals mit der EP „Violets“ in Erscheinung trat. Musikalisch geht die Reise in Richtung Gospel, Soul, Jazz, Country, Bluegrass und Blues. Beim ersten Hören der Platte dachte ich spontan, dass die Dame damit den perfekten Soundtrack für eine der unzähligen Ami-Serien im Privatfernsehen gemacht hat, die so gern von Frauen um die 30 unter der Woche geschaut werden.

Wobei dies keinesfalls abwertend gemeint ist! BETH ROWLEY verfügt über einen absolut hörenswerten Gesang und hat hervorragende Musiker um sich versammelt, wodurch „Little Dreamer“ sehr professionell und stimmig ausgefallen ist. Den Anfang macht das rauchige „Nobody’s Fault But Mine“, bevor es mit Sweet Hours“ bluesig weitergeht. „So Sublime“ gibt etwas mehr Gas und ihre Interpretation des BOB DYLAN-Songs „I Shall Be Released“ gefällt mit eingängigen Melodien und viel Gefühl. Gospel in Slow Motion steht mit „Only One Cloud“ auf dem Programm, um vom countryesken „When The Rains Came“ abgelöst zu werden. Ihre erste Singleauskopplung „Oh My Life“ besticht mit einem tollen Saxofon und einer catchy Hookline, dann schließt sich der romantische WILLIE NELSON-Klassiker „Angel Flying Too Close To The Ground“ an, den Miss ROWLEY gemeinsam mit dem irischen Singer/ Songwriter DUKE SPECIAL vorträgt. „Almost Persuaded“ bringt wieder etwas Gospel-Attitüde mit, während „You Never Called Me Tonight“ ins jazzige Metier abwandert. Zum Schluss treffen sich noch einmal fröhlicher Gospel und ein Hauch Bluegrass für ein Stelldichein beim beschwingten „Beautiful Tomorrow“, womit das Album unter Mundharmonika-Klängen ausklingt.

Mal wieder ein Album abseits vom vorherrschenden Indie, Alternative und Rock ’N’ Roll. Nicht jedermanns Sache und auch nicht unbedingt Terror-Alltag, aber durchaus eine nette Abwechslung für den passenden Moment.

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