Band Filter

BEYONCÉ - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist BEYONCÉ
Title s/t
Homepage BEYONCÉ
Label COLUMBIA
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Wie soll ich das nur sagen? Ich finde ja, BEYONCÉ KNOWLES ist eine tolle Sängerin mit ebensolcher Stimme und einem entsprechenden Erscheinungsbild. Sie hat das, was RIHANNA (nein, ich mag sie immer noch nicht, wie sich inzwischen vielleicht herumgesprochen hat) sicher gern hätte, aber nicht kriegt, weil die genetischen Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind: Stil. BEYONCÉ war bei DESTINY’S CHILD der strahlende Mittelpunkt, die Band war für sie mehr oder weniger das Vehikel, um ein Star zu werden. Songs wie „Bills, Bills, Bills“, „Independent Women“ oder „Survivor“ waren eine ideale Grundlage für eine Solokarriere, deren Höhepunkt bislang das fulminante Album „I Am“ war, bei dem sie mit Songs wie „If I Were a Boy“, „Halo“ und etlichen anderen brillierte. Etwas schwächer schnitt da schon der Nachfolger „4“ ab, und nun verschiebt Frau KNOWLES die Spannungskurve erneut. Marketingmäßig eifert sie dabei übrigens DAVID BOWIE nach, indem sie im Dezember 2013 wie aus dem Nichts das neue Album in die (virtuellen und realen) Plattenläden brachte, ganz ohne Vorab-Rummel, der meistens Erwartungen weckt, die nicht jeder erfüllen kann. Aber BEYONCÉ ist nicht „jeder“, und … trotzdem hat sie die Spannungskurve in die falsche Richtung laufen lassen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Album ist… nun… tja… wie soll ich es nur sagen? Ich will der Künstlerin ja nicht zu nahe treten, aber das neue Album ist… einschläfernd. Ja, das trifft es eigentlich ziemlich gut. Einmal in den Player gelegt, verwandeln sich die Songs in jenes belanglose Gedudel im Hintergrund, das einen im Kaufhaus oder im Supermarkt verfolgt. Musik, die nicht wehtut, die man aber auch gleich wieder vergessen hat, wenn man zurück draußen auf der Straße steht. Wenn BEYONCÉ das erreichen wollte (was ich ja bezweifeln möchte, schließlich haben wir dafür schon… na?… richtig: RIHANNA!), dann hat sie allerdings ein perfektes Album abgeliefert. Es klingt nie soulig, da werden nie große Gefühle geweckt, weder durch BEYONCÉs normalerweise so kraftvolle Stimme, noch durch die Melodien. Alles dümpelt minimalistisch und lässig vor sich hin und hört sich die meiste Zeit über so belanglos an, dass es nicht mal langweilt oder nervt. Ein bisschen anders als der Rest ist der Track „XO“, da geht es dann tatsächlich für ein paar Minuten mit mehr Gefühl ans Werk, und gleich danach darf weitergedöst werden. Wenn es sich ja wenigstens nach BEYONCÉ anhören würde, wäre ich ja noch bereit, dieses Album besser wegkommen zu lassen, aber es könnte die ganze Zeit über jemand anders singen, und man würde es nicht merken.

Nicht mal bei „Drunk in Love“ kommt etwas Schwung in den Laden, obwohl sie da Ehemann Jay-Z dazu geholt hat. Da wundert es mich immer noch, dass in den Klatschspalten nicht schon längst über eine Ehekrise bei den beiden spekuliert wird, wenn so wenig Feuer lodert, sobald die zwei zusammen vor dem Mikrofon stehen. Dass bei einem Track („Blue“) ihre Tochter Blue Ivy an Bord ist, macht das Ergebnis auch nicht interessanter, aber zumindest lernt man die junge Dame schon mal kennen, was ja nicht verkehrt ist, wenn man später mal als „Tochter von …“ Erfolg haben will. Bemerkenswerter ist da schon die Tatsache, dass es zu jedem Song auf der Begleit-DVD auch einen Videoclip gibt. Da klingt nach einer vollen Dosis BEYONCÉ. Tatsächlich aber ist es eine Überdosis. Die Videos strotzen nicht vor Einfallsreichtum und dienen nur dem Zweck, BEYONCÉ immer und immer wieder von allen Seiten zu zeigen. So schön diese Frau auch anzusehen ist (und normalerweise sagt man ja, dass man sich an etwas einfach nicht sattsehen kann), tut sie nicht viel mehr als auch nur schön auszusehen. Irgendwann hat man genug von in Zeitlupe gefilmten Szenen, in denen sie auf die Kamera zugeht oder sich von ihr entfernt. Und da hilft es nicht mal, wenn mehr als einmal der halbe Po aus den knappen Shorts hervorlugt oder ein Oberteil so kurz ausfällt, dass die Oberweite zum Vorschein kommt. Das tendiert dann doch ein bisschen in Richtung der narzisstischen Selbstdarstellung, zu der MARIAH CAREY schon seit Jahren neigt. So was hat BEYONCÉ eigentlich nicht nötig, sie ist sexy, auch ohne blanke Haut zeigen zu müssen. Und genau deshalb stört es hier auch so. (Damit jetzt niemand zu viel nackte Haut erwartet: Prüde Amerikaner könnten vor Wut Bluthochdruck bekommen, für europäische Verhältnisse ist das mehr als harmlos – aber eben nicht nötig.)

Das einzig wirklich Gute an diesem Album ist der Track „Grown Woman“, der ausschließlich als Bonus-Video enthalten ist und der exakt so klingt, wie sich mindestens die Hälfte der Songs auf diesem selbstbetitelten Album hätten anhören sollen, um dem eigenen Anspruch der Künstlerin gerecht zu werden. Warum und wieso ein solcher Song überhaupt auf „Beyoncé“ zu finden ist, der nicht nur unverschämt gut ist, sondern den Rest noch belangloser erscheinen lässt, dafür wird nirgends eine Erklärung geliefert (mag sein, dass es irgendwo ein Interview gibt, in dem BEYONCÉ das erklärt, aber es sollte schon einen Hinweis in dem an Buchstaben ohnehin recht armen Booklet geben, was es mit diesem Bonus auf sich hat).

Alles in allem ist es schon gut, dass sie das Werk ganz ohne Vorabkampagne veröffentlicht hat. So kann sich wenigstens keiner beschweren: „Och, da hätte ich aber mehr erwartet.“ Vielleicht habe ich ja auch nur nicht begriffen, dass ich es mit einem höchst anspruchsvollen Werk zu tun habe, aber in dem Punkt halte ich es wie mit dem Essen. Ein Gericht kann mir als noch so erlesen angepriesen werden, wenn es mir nicht schmeckt, schmeckt es mir nicht. Und deshalb muss ich an dieser Stelle die liebe BEYONCE zurück ins Studio schicken, verbunden mit dem Auftrag: „Jetzt streng dich aber etwas mehr an.“

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BEYONCÉ