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BLACKGUARD - Profugus Mortis

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Artist BLACKGUARD
Title Profugus Mortis
Homepage BLACKGUARD
Label NUCLEAR BLAST
Leserbewertung
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7.1/10 (9 Bewertungen)

Symphonisch-dichterische Synthie-Streichereinheiten, militaristisch-füllige Trommelwirbel, hintergründig-martialische Chöre und ein Hauch von unermesslicher, wikingerhafter Freiheit auf einem Schiff segelnd ins imaginäre Reich der Altvorderen, Gottes Gesetze blasphemisch ignorierend und der Gewalt der Natur dreist trotzend… raffiniert, ungestüm und exotistisch. Auf dem Etikett steht: ‚Scarlet To Snow‘. Irgendwie kommt einem das vertraut vor… klingt beileibe irgendwie nach dem höchst klischeehaften Intro eines konventionellen Pagan- oder Folk-Metal-Albums. Ganz zu Beginn verharrt man bei „Profugus Mortis“ noch mumiensteif auf der Ebene dieses inquisitorischen Irrglaubens aber – siehe da! – nicht lange und schon wird das allenthalben Bekannte und für ewig langweilig Erklärte aufgebrochen. Mit spitzzüngigen und virtuosen Gitarrenspielereien, quietschigen Stonermelodiebögen, wild-skandinavischer Tapingfrickelei und besten solistischen Kunststückchen finnischen Todesmetalls.

Sie sind schon eine Klasse für sich, diese „schwarzen Wächter“, diese Nuclear-Blast-Contestwinner, diese kanadischen BLACKGUARD mit ihrem musisch verzauberten Göttertrank. Und eines sei felsenfest konstatiert: Sie wissen unglaublich zu berauschen, zu begeistern und einem ins Schwärmen zu bringen (hinzu keimt in einem der Durst nach hemmungslos durchzechten und feucht-fröhlichen Nächten auf). Wer denkt, dass KATAKLYSM oder STRAPPING YOUNG LAD die Vorherrschaft im kanadischen Schwarzwäldchen wahren, der greift fehl. BLACKGUARD erdreisten sich in bester eklektizistischer Manier, den Thron für sich zu beanspruchen mit einem Waffenarsenal, das seinesgleichen sucht. Zwar schreiben die Metaller aus dem Land, wo Milch und Ahornsirup fließt, kein neues Evangelium, aber die Chance auf eine Flächenbrandrevolution haben sie auf jeden Fall in der Hintertasche. Der Brand, jener, welcher durch das Feuer ihres folkloristischen Temperaments angefacht wird, wird nicht bloß auf kanadische Wälder beschränkt bleiben. Er wird ohne Zweifel das metallische Grün vieler Nationen versengen und bei den Einheimischen einen zutiefst bleibenden Eindruck hinterlassen. Wer hypermelodischen, supereinprägsamen, ultraharmonischen Elchtod a là CHILDREN OF BODOM mit dem trollig-raffinierten Humppa-Feeling und der piratischen Stimmungsraffinesse eines FINNTROLLs (und das auch noch höchst gekonnt und in sich stimmig!), aufs Eigenwilligste und Verspielteste miteinander verknüpft, ist nicht bloß eine Zweitliga-Zeitverschwendung, sondern das Endspiel der Weltmeisterschaft! Im Gegensatz zum Trendy-Göteborg-Screamo-Metalcore-Bastard SONIC SYNDICATE ist BLACKGUARD eine bestialisch mächtige Formation, welche die Szene künftig gleich einem babylonischen Mixer mächtig aufmischen, ja „aufmixen“ wird. Gehen wir nun über zu den einzelnen Mixstufen und -variationen.

Diese Runde geht nicht an mich, sondern an euch ihr keck-dreist, brutal verspielten Kanadier! Mit „This Round’s On Me“ werdet ihr dermaßen die Bühnen rocken und den euch selbst noch nicht bekannten, prophetisch in meinen Träumen ersonnenen Blastbeat-Humppa-Moshpit etablieren. Die Met-Hörner werden emporsteigen, es wird dem psychologischen Flow-Konzept gefrönt und ein jeder wird alkoholverschmiert rumschreien. Unglaublich wie hier reingeklotzt wird. Folkschwärmerlinge, vergesst einfach „Trollhameren“! Schreibt’s euch meinetwegen hinter die Ohren. Und nein, das ist nicht der einzige Hit auf diesem neuen Folk-Evangelium hier. Jeder Song ballert einem förmlich die Rübe weg! „Allegiance“ erstrahlt in selbem Glanz wie eingangs erwähnte Ständchen: Hingebungsvoll belustigende Waldschrat-Tastenkloppereien, Discofeeling, straighte Powermetalbeats, vollmundiges Riffgewitter und Melodiepräsentationen à la WINTERSUN hacken jeden Stamm kurz und klein! Düster-dämonisch geht’s in die nächste Runde: „I Demon“. Böse, böse. Hektisch, dunkel und mit atmosphärischem Gänsehautfeeling, gewissermaßen der Andachtsmoment auf dieser Partyplatte. Die deutsche Dolchstoß-Legende! Ja, das fällt mir beim fünften Klotzer „The Sword“ ein. Hier wird erstmalig ein wenig ruhiger zu Werke gegangen. Anfangs immerhin. Im Refrain wird gedudelt und „gefreaktapet“ bis der Arzt kommt. Die schweren Tomfiguren in der Bridge tun ihr Übriges, um granatenstark im Ohr zu explodieren. Punktgenau geht’s mit ’nem Beckendämpfer ins nächste Schunkelkarussel. Just „In Time“. Geil! Besonders das malerisch schöne Soli sticht hier deutlich hervor. Knüppel, knüppelheftig, knüppelig tot geknüppelt: ‚Cinder‘. Gekonnt miteinander battlende Gitarren und finnische Keyboardmelodien, sowie 80iger-Old-School-Heavy-Powerchords und macadamianussfettiges, egogitarristisches Schwitzfingergewichse. Ähnlich grandios auch „Vain“ oder Abschlusstrack „The Lage We Wage“… beim letzten kanadischen Alexi-Laiho-Sturmangriff samt pathetischer Strings möchte man gar nicht realisieren, dass gleich Schluss ist.

Mann, Mann, Mann! Selten wieder so ein fröhlich stimmendes Energiebündel gehört… „Profugus Mortis“ ist wie eine Bäckerei voller heißer Semmeln oder wie das Lebkuchenhaus aus Hänsel und Gretel! Da möchte jeder zugreifen – nicht nur der eingefleischte Fan! Egal, welcher der näher in Augenschein genommenen Tracks als Beweis für die Qualität und Ausnahmestellung dieser Band herhalten muss, vom Opener bis zum Schlusslied erhält der froh gestimmte Metalkonsument die absolute Vollbedienung: Satte 9 Songs (die zusammen eine Spielzeit von weniger als vierzig Minuten ergeben; umso besser, desto öfter ist man versucht sich das Teil zu geben!). In China steht diese Zahl für Unendlichkeit und auch wenn die neun Killertracks dieses Albums nicht unbegrenzt in der heimischen Anlage verweilen werden, so werden sie sich doch unabwendbar ins Gedächtnis fressen. Definitiv.

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