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BLIND MELON - For my Friends

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Artist BLIND MELON
Title For my Friends
Homepage BLIND MELON
Label EAR MUSIC/ EDEL
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Gibt es den typischen BLIND MELON Sound? BLIND MELON, wer ist das denn überhaupt? Ach, warte mal, gab es da nicht diese Post-Grunge Neo-Hippie Rockband, die diesen einen Hit hatten, auf den alle Mädchen total abfuhren? Nein, nicht „Cats in the cradle“. Das waren UGLY KID JOE. Die hatten zwar auch nur diesen einen Schmusehit, waren aber sonst eher Metal und deren Sänger hatte auch keine blonden Strubbelhaare. Wie hieß der Song noch mal? Irgendwas mit „Rain“ und im Video tanzten Menschen in Bienenkostümen. „No Rain“, genau. Ein tolles Lied, ein Klassiker, den man auch 15 Jahre später gerne wieder hört.

BLIND MELON schlossen seinerzeit die Lücke, die sich nach den wilden NIRVANA und PEARL JAM auftat. Der Alternative Rock um SOUL ASYLUM war noch nicht soweit, und so errang die Band aus Mississippi die ihr zustehende Aufmerksamkeit. „No Rain“, das auf dem 1992er Debütalbum „Blind Melon“ erschien, ist/ war wie oben bereits erwähnt der größte Hit der Band. Das Album wurde vierfach mit Platin ausgezeichnet, die Truppe war das ganz große Ding des Moments. Aber nicht alles war gut. Sänger Shannon Hoon verfiel den Drogen, Kokain und so, und die Konzerte wurden unberechenbar. Bevor die Geschichte rund um den charismatischen Shannon Hoon endgültig eskalierte, produzierten BLIND MELON noch schnell „Soup“, ihr vielleicht bestes Album. Das war 1995. Im Oktober desselben Jahres starb Shannon an einer Überdosis Kokain. Man fand ihn tot im Tourbus. Die Band löste sich kurze Zeit später auf, um 2006 mit neuem Sänger wieder unter dem Namen BLIND MELON Musik zu machen. Soweit die Kurzbiographie.

Es passierte im Studio, als die übrigen Melonen Christopher Thorn, Rogers Stevens, Brad Smith und Glenn Graham mit einem Sänger ein paar Songs einstudierten. Travis Warren heißt der Knabe, und – Zufall oder nicht – seine Stimme hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit der von Shannon Hoon. Das erkannten auch die vier Musiker und nach kurzen Überlegungen wurden die Blinden Melonen zurück ins Leben geholt. Man hatte also wieder einen Sänger, und was liegt näher, als dort weiterzumachen, wo man vor 15 Jahren aufgehört hat. Irgendwo im weiten Feld des Alternative Rock, nostalgisch verankert in den späten 60ern und dem Roots Rock. Erst recht, wenn der Gesang so hervorragend in die seichten, country-esken Melodien des Hippie- und Südstaatenrocks passt. BLIND MELON-Gitarren klingen ockerfarbig, nach Landluft und Freiheit, das galt 1993 und hat sich 2009 auf „For my Friends“ auch nicht geändert. Ist das nun ein Album für die alten Freunde? Für alle, die seit Jahren auf ein neues Werk der Band gewartet haben und für die BLIND MELON mehr ist als „No rain“? Ist der Albumtitel die Überschrift eines Comebackversuchs? Nun, „For my Friends“ entpuppt sich zumindest als „typische“ Platte. Doch bevor die Freude zu groß wird: Ein neues „No Rain“ findet sich nicht unter den 13 Songs.  Klar, „With the right set of eyes“ ist ein toller Titel. GUNS N ROSES treffen die KINGS OF LEON. Ein rockiger Refrain, das erste Gitarrensolo seit langem. Ein schönes Lied, eine ideale Single (wenn es denn eine wird) mit höchster Radiokompatibilität. Willkommen zurück. Aber eine Übersingle, nein, die ist es nicht. Unterhaltsam geht es weiter. „Wishing well“ beginnt wie eine Ballade. Bei geschlossenen Augen startet die Gedankenmaschine und entwirft Bilder zum Sound: Mann und Frau streiten sich in ihrem Appartement; Weingläser zerbrechen. Die Frau flüchtet in die regnerische Dunkelheit der Stadt. Reflektierende Lichter auf dem Asphalt, ein Taxi will nicht halten und das Mobile stellt keine Verbindung her. 80er Poprock Filmästhetik mit modernen Elementen. Aber ab der Mitte der Scheibe beginnt das Dilemma. Südstaatenrock soweit man hört. Ländlich, handwerklich, stabil. Und egal, ob die Songs nun „Hypnotized“, „Fathers time“, „So high“ oder „Harmful belly“ heißen. BLIND MELON liefern ein solides Album ab.

„For my Friends“  ist wie ein Essen beim Inder ohne Schärfe-Stern. Lecker, aber ohne Überraschung. Alles läuft in die gleiche Richtung. Alles endet im getragenen Rockschema, das sich durch viele ihrer Songs zieht. Die Band kämpft, die Stücke klingen schwerfällig, zäh. Noch eine kleine Ausnahme bietet „Last Laugh“. Eine Akustikgitarre war bisher noch nicht, und hebt den Song hervor. Der Rest geht im Einheitssound unter. So ist „For my Friends“ in der Tat ein Album für Freunde. Ein Album für Menschen, die genau diesen Sound mit BLIND MELON verbinden und die sich genau diese Art Comebacks erhofft haben. Sie bekommen das, was sie kennen. Vertrautheit in 13 Kapiteln. BLIND MELON bringen auch 2009 San Francisco nach Seattle. Nur ist Seattle dieser Tage nicht das Rockmaß aller Dinge. Rückschlüsse!?

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