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BLOODWORK - The Final End Principle

VN:F [1.9.22_1171]
Artist BLOODWORK
Title The Final End Principle
Homepage BLOODWORK
Label DOCKYARD 1
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.3/10 (3 Bewertungen)

Es ist ja beileibe so: Von Lokalpatriotismus kann man sich nie ganz freisprechen, auch wenn dieser sich bloß auf die Pommesbude von nebenan bezieht oder eben auf den wenn auch widersprüchlich charakterisierten schwermetallischen Underground. Und so ist auch euer werter Heavy Thompson emotivistisch ganz klar auf einen bestimmten Trichter fixiert, was die aus Paderborn stammende Mannschaft BLOODWORK anbelangt. Es ist nicht meine Absicht, die Musik selbiger ins Maßlose, ja in den grenzenlosen Himmel zu belobhudeln und ihre Lorbeeren im Sinne einer fast schon blasphemisch-überzogenen Geste doppelt und dreifach zu beweihräuchern und ohne priesterliche Genehmigung zu „beweihwassern“ (ist doch Paderborn gerade für seine Katholiken bekannt), doch muss ich ganz klar verdeutlichen, dass ich auf ihr Blutwerk stehe, dieses gewissermaßen mehr als zu schätzen weiß, regelrecht danach lechze – ganz besonders, wenn ich mich nun anschicke ihr Debüt „The Final End Principle“ mit dem Demomaterial aus der Vergangenheit zu vergleichen. Es erfüllt mich nicht mit wenig Stolz zu sehen, dass eine Band aus OWL ohne weiteres mit den Größen im Felsgeschäft mithalten, ja konkurrieren kann. Die Melodien und Arrangements sind fett, sitzen wie die Marschstiefel eines Profisoldaten, das Drumming ist kernig, druckvoll, punktgenau, zeitgemäß und technisch absolut astrein, die Viersaiter-Klampferei ist grundgediegen, die Shouting-Vocals sind verraucht-vehement und das Gitarrenduo Nikko und Robert klotzt sich teils göteborgmäßig, teils old-schoolig-thrashig in bester Malochermanier durch die komplette Bandbreite tonangebender Sound-Aktualitäten à la SOILWORK, CHIMAIRA oder CALIBAN.

Die ausgestellte Stilkombination, welche aus einer Retrospektive aus Death/ Thrash Metal, modernem Hardcore und Elementen der NWoBHM zusammengewürfelt sein soll, ist sicherlich passend, doch sollte man nicht mutmaßen hier stereotypisierten, ja angepassten Hanswurst-Hartwurst-Macho-Metal um die Ohren geballert zu bekommen, dafür sind BLOODWORK doch einfach zu vielschichtig und vertrackt, auch wenn sich im Sound keine Rahmen sprengenden Innovationen oder Experimente gewagterer Natur ausmachen lassen, die auf Horizontverschiebungen ausgelegt sind (selbst das verrückte, unkonventionelle Solo auf „Drowning Stone“ ändert nichts an dieser Einschätzung). Bevor ich weiter zur detaillierten Schwärmerei übergehe, möchte ich vorab zwei Schwachpunkte der Platte anführen, auf dass diese von Außenstehenden nicht als rot in den Vordergrund markiert wahrgenommen werden. Schwachpunkt Nummer eins: der durchaus ausbaufähige, lediglich in Ansätzen überzeugende Klargesang des werten Herrn Stromaxtbedieners Nikko. Bei entsprechendem Gesangsunterricht oder eben ein paar Fässer mehr Whiskey im Laufe der nächsten Tourneen dürfte das Unternehmen Schwachpunkte ausmerzen durchaus saftige Früchte tragen. Schwachpunkt Nummer zwei: Teils zu sehr von diversen Vorbildern inspirierte Kurzpassagen (als Exemplifikation möge man doch bitte einfach den Anfang von „Drowning Stone“ mit „The Day You Died“ von ARCH ENEMY vergleichen). Keine Sorge: Diese Mankos sind absolut nicht gravitätischer Natur, sie sind mehr das Steißbein einer noch relativ taufrischen, gerade zum Homo-Metallicus entwickelten Truppe. Von daher: Schwamm drüber, wird schon! Songs wie „The Enemy Within“, „A Cycle Once Broken“ oder „Hellbound“ weisen Hookline-Hitpotenzial und „Live Bombardismus” bester Sorte auf. Wenn ich wählen würde zwischen einer Live-Performance neuester SOILWORK (in meinen Augen einer der besten schwedischen Live-Acts, auf jeden Fall die derben Rocksäue unter den Göteborgern im Gegensatz zu Podiumsdiskussions-Performer wie IN FLAMES) und BLOODWORK, würde ich letztere wählen, haben erstgenannte doch mit ihrem letzten Streich „Sworn To A Great Divide“ gut zwei Schritte in die falsche Richtung unternommen. Mit weiterem Stolz erfüllt mich persönlich die kleineren, kaum merklichen technischen Spielereien in „Deadline“ oder „Ex Vita“. Die verschiedenen melodischen Ausführungen sind ebenso kleine Ohrschmankerl wie Mitsumm-Spielereien. Gewöhnlich bin ich kein Freund von digitalisierten Clicktrack-Produktionen, doch sehr transparente Sound steht „The Final End Principle“ (im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen) erstaunlich gut. Hier wirkt das Glattpolierte weniger Meister-Propper-haft, nein, es unterstreicht gerade das Moderne.

Ich freue mich schon sehr auf die hoffentlich in Bälde anstehenden und bitte doch ausgedehnten Live-Aktivitäten der Combo, besteht dann sogar vielleicht auch mal die Möglichkeit sich über die Qualität der Paderborner Pommesbuden auszutauschen, denn über die offensichtliche Qualität dieser Combo muss definitiv nicht debattiert werden – weder mit Publikum, noch mit den Blutwerk-Künstlern selbst!

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