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BLUE OCTOBER - Approaching Normal

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Artist BLUE OCTOBER
Title Approaching Normal
Homepage BLUE OCTOBER
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
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8.4/10 (9 Bewertungen)

BLUE OCTOBER teilen das Schicksal so vieler US-amerikanischer Rock-Emo-Alternative- Bands. Daheim planschen sie auf einer großen Erfolgswelle, füllen Hallen und sind stündlich im College- oder Großstadtradio zu hören, in Deutschland oder Europa kocht ihr Erfolg jedoch eher auf Sparflamme. Frag nach bei LIVE, den COUNTING CROWS oder MATCHBOX20. Die unterschiedlichen Auffassungen über gute Musik sind nicht übertragbar, und so ging und geht vieles auf den tausend Kilometern Wasser namens Atlantischer Ozean unter. Kam in den 80ern die coole New Wave und Popwelle der Hairspray Bands nicht in den Staaten an, so verhält es sich in der Gegenrichtung mit all den BRUCE SPRINGSTEEN und GUNS ’N’ ROSES Mischklons. Die früher erdig und später alternative Rock genannte Stilrichtung, quasi die höfliche Variante des Grunge, wurde hier immer unterschätzt und war bzw. ist bei weitem nicht so groß wie auf der anderen Seite des Wassers…

Klar, Qualität setzt sich überall durch, DEPECHE MODE sind auch in den USA erfolgreich, aber Bands wie SOUL ASYLUM, 3DOORS DOWN oder FEEDER kamen hier – trotz guter Qualität – nicht so zum Zug oder blieben in der Gruppe der One Hit Wonder kleben.
Und so wird es auch mit BLUE OCTOBER sein, die sich selbst in dieser uramerikanischen Emo-Alternative Ecke stehen sehen. Kurz ein biographischer Abriss: „Die Band“ sind momentan die Brüder Justin und Jeremy Fürstenfeld, C.B. Hudson, Ryan Dellahousaye, und Matt Novesky. BLUE OCTOBER gründeten sich 1995 in Houston, zur Erstbesetzung zählte noch Gitarrist Brant Coulter, der 2003 die Gruppe verließ und durch C. B. Hudson ersetzt wurde. 1998 veröffentlichten sie mit „The Answer“ ihr Debüt, „Connect to Treatment“ (2000) und „History for sale“ (2003) folgten, bevor mit „Foiled“ 2006 das große Geschäft begann. Zumindest in den Staaten, wo die erste Singleauskopplung „Hate me“ Platz 2 der „Modern Rock“ Charts erklomm und sich das Album über 1 Mio. mal verkaufte. „Modern Rock“, noch so ein Angsteinflößender Nicht-Begriff.

„Approaching normal“ ist somit der fünfte Longplayer, der Mitte des Jahres in den USA veröffentlicht wurde, und über den BO-Sänger Justin Fürstenfeld sagt „er spiele mit dem Gedanken, dass unser Verständnis von Normalität konstant gefährdet sei.“ Aber was ist schon normal?! “Adult Rock“, oder eben „Modern Rock“, die Schublade muss man für BLUE OCTOBER öffnen. Melodische, radiokompatible Titel, wohin das Ohr hört und Songtexte, die eine größtmögliche Menschenschnittmenge haben. BLUE OCTOBER können das vortrefflich. In „Blue does“ zum Beispiel, das als Schlaflied für Sänger Justins kleine Tochter geschrieben wurde und das auch mich endgültig schläfrig werden lässt. Es ist das 11. Stück auf dem Album, und bis dahin gab es einfach zu wenig Aufregendes, was mich aufmuntern hätte können. „Blue Skies“, „Jump Rope“, „Been down“, „My never“, alles glatte, harmlos dahin laufende Songs. Immer ein wenig melodramatisch, aber immer ohne Aha-Effekt. Man hört einen Kinderchor im Refrain, ein bisschen Sirenengeheul (auf „Weight of the World”) oder ein klug eingebautes, verrauschtes Sprechfunksample. Kinder und eindringlicher Sprechfunk haben ja was extrem emotionales, und auf Emotionen legen BLUE OCTOBER größten Wert. In “Dirt room“ zum Beispiel, dem rockigsten Stück der Scheibe, möchte Justin Fürstenfeld klarstellen, „dass man sich nicht ausnutzen lassen darf, seine Familie beschützen und für das eintreten muss, was einem am Herzen liegt.“ Noch pathetischer wird es mit „Kangaroo cry“. Hier wird der Abschied eines Soldaten von seiner Freundin thematisiert. Bei der Armee haben sie jetzt einen Stein im Brett, und so durften sie bereits am 4. Juli in Kaiserslautern vor den hier stationierten amerikanischen Soldaten ein Konzert geben.

Priorität haben BLUE OCTOBER auch bei Stephanie Meyers. Die Autorin der „Twilight Saga“, berichtet überschwänglich, wie die Musik von BLUE OCTOBER sie zum schreiben anregte: „Als Autorin bin ich dauernd auf der Suche nach der richtigen Musik, die bei mir genau die Gefühle weckt, die ich gerade in einer Geschichte behandle. Es gibt zwar haufenweise Musiker, die mich mit ihren Songs in eine Zeit zurückversetzen können, als ich vielleicht früher einmal traurig oder wütend oder verliebt war; aber einen Song, der diese Gefühle tatsächlich bei mir auslösen kann, im Hier und Jetzt, anstatt mich nur an früher zu erinnern, den findet man so gut wie nie. Die Musik von BLUE OCTOBER schafft es jedoch, diese Gefühle bei mir auszulösen. Bei ihnen hört man nicht einfach nur, was die Aussage eines Songs ist. Stattdessen bleibt einem nichts anderes übrig, also dieses Gefühl so zu empfinden, als würde man es am eigenen Leib erfahren.“

Dem möchte ich nichts hinzufügen, es scheint alles gesagt. Oder doch, vielleicht dies:
BLUE OCTOBER werden so nur in den USA funktionieren. „Say it“ oder „Should be loved“ sind gute Singles und die Perlen des Albums: Fröhlich, unbeschwert, genau mit der richtigen Dosis Rock, um nicht zu erschrecken, genau mit der richtigen Dosis Pop, um nicht in die Belanglosigkeit abzudriften. Doch dies bleiben die Ausnahmen auf „Approaching Normal“, das in seiner Gesamtheit zu sehr nach Massenkompatibilität klingt und alles andere als kreativ oder interessant ist. Das Album kommt und geht und nichts bleibt hängen. Oder habe ich was nicht verstanden?

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