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BOIL - A New Decay

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Artist BOIL
Title A New Decay
Homepage BOIL
Label MIGHTY MUSIC
Leserbewertung
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7.9/10 (8 Bewertungen)

Mit ihrem Debüt „Vessel“ schipperten BOIL ja schon 2007 langsam aber sicher einer gewissen Bekanntheit und der Aussicht auf Ruhm entgegen; eine Nominierung für das „Debüt des Jahres“ bei den Danish Metal Awards bestätigte da noch die Meinung vieler Insider. Nun stechen die Dänen mit „A New Decay“ erneut in See – und haben mit ihrem neuen Werk ordentlich Wind in den Segeln.

Ließ der Vorgänger die Absicht der fünf Jungs, durch die Symbiose von Rock, Grunge und progressiven Elementen eine eigene, besondere Klangwelt zu erschaffen, schon erahnen, so hat man das nun bereits im zweiten Anlauf nahezu perfekt geschafft. Die zehn Kompositionen lassen einen abtauchen in eine einnehmende Atmosphäre, die einen – sofern man sich drauf einlässt – erstmal alles andere vergessen lässt. Der Opener „Redefine“ erinnert dabei ein wenig an die schwedischen Kollegen von KOREA: Stromlinien-Riffing, rumpelnde Bassarbeit und der selbstvergessene Gesang zum einen, zum anderen aber die großartige Dichte, in welche alles letztendlich zusammenfließt. Direkt geht es weiter mit dem starken „Transition“, das zwar mit deutlichen Rockelemente kräftig auffährt, dabei aber gleichzeitig noch so viel Tiefe besitzt, dass der Refrain einfach nur mitreißt. Es folgt wiederum direkt im Anschluss mit „Sleepwalker“ eine Komposition, die besonders durch den wunderschönen, gefühlvollen Refrain gefällt. Sänger Jacob weiß scheinbar genau, wann er seine Stimme wie einzusetzen hat: vom Vorsichtigen, Zerbrechlichen bis hin zum leicht Reibigen, Rockigen kann er sein Timbre scheinbar millimetergenau kontrollieren und gibt sich so natürlich extrem Songdienlich. Als Vorab-Single schon bekannt ist neben „Hypersomnia“ natürlich auch „Clarity“, das mit CKYscher Gitarrenarbeit zu Beginn angeschoben wird, dann aber in herzzerreißende Melancholie verfällt, während „Dead Inside“ mit dem Schmerz der frühen TAPROOT auffährt. Das musikalische Zusammenspiel und Verständnis des Quintetts untereinander ist wirklich bemerkenswert, nur so sind wohl Klangwerke wie „Faceless“ zu erschaffen. Die Nummer ist einfach prädestiniert dafür, der Score für einen düsteren, beklemmenden Film zu sein. Ein Stück, das selbst einen Teletubbie in die Verzweiflung stürzen würde. Auch „The Fall“ ist eine Titel, der als Filmunterstützung dienen könnte. Der Track beeindruckt durch sein intelligentes Songwriting und nimmt den Rezipienten mit auf eine Gefühlsreise aus dem dunklen einer Nacht hin zu einem Hoffnungserweckenden Sonnenaufgang – hervorragend!

BOIL haben es geschafft, nach ihrem ohnehin starken Debüt mit „A New Decay“ die Erwartungen zumindest mal zu erfüllen, wenn nicht sogar zu übertreffen. Sowohl lyrisch als auch musikalisch bewegt man sich auf absolut hohem Niveau, was man in jeder der mehr als 47 Minuten dieses Silberlings spürt. Großartige Kompositionen aus Rock, vielen progressiven Einflüssen, dezenten elektronischen Einschüben und ganz viel Gefühl und Atmosphäre – da fehlt nur noch eine entsprechend große Produktion. Und da braucht es nur einen Namen, der dafür garantiert: Tue Madsen. BOIL haben selber produziert, er hat’s gemastert, Resultat: Perfekt! Wer auf lockerflockigen Straßen- oder Gutelaune-Rock aus ist, der sollte diese Dänen vielleicht meiden. Liebhaber des atmosphärischen Genrevertreters, die wirklich zuhören und abtauchen wollen, denen kann „A New Decay“ nur empfohlen werden.

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