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BON JOVI - Forever

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Artist BON JOVI
Title Forever
Homepage BON JOVI
Label ISLAND
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40 Jahre ist es jetzt her, dass ich an einem Samstagnachmittag das Auto meiner Eltern waschen musste, was man seinerzeit üblicherweise nicht in einer Waschanlage, sondern auf dem heimischen Hof machte. Also lief das Radio, während der Peugeot 504 ordentlich eingeseift wurde. Plötzlich kam ein Song, den ich vorher noch nie gehört hatte, der mich aber sofort elektrisierte: „Runaway“ hieß die Nummer, für die sich damals hierzulande so recht niemand interessierte. Ich wusste dagegen, dass ich meine Musik gefunden hatte und wurde alsbald Besitzerin der Platte „Bon Jovi“ und Fan der gleichnamigen Band aus New Jersey, die mit der selbstbetitelten Langrille und eben „Runaway“ ihr Debüt gegeben hatte. Inzwischen ist mit „Forever“ das 16. Studioalbum von BON JOVI erschienen und der namensgebende Bandleader Jon Bon Jovi hat sich nicht nur von seiner dauergewellten Löwenmähne verabschiedet, sondern mit seiner Truppe auch mittlerweile mehr als 130 Millionen Tonträger verkauft. Stilistisch haben die Herrschaften über die Jahre durchaus eine wechselhafte Entwicklung durchgemacht. Nach Hairspray Metal und Hard’n’Heavy bewiesen die Jungs beispielsweise mit „Bed of Roses“ vom 1993er „Keep The Face“ auch Kuschelqualitäten, wagten sich 2000 mit „Crush“ in Pop-Rock-Gefilde und haben 1995 dank „These Days“ auch am Blues geschnuppert und 2007 mit „Lost Highway“ sogar Country-Klänge zum Besten gegeben.

Dass der Alt-Country- und Americana-Musiker JASON ISBELL an dem country-inspirierten Midtempo-Song „Waves“ mitgeschrieben hat, zeigt, dass BON JOVI auch dieser Tage diesem Genre nicht abgeneigt sind. Freilich muss ich gestehen, dass ich ED SHEERAN nicht unbedingt in der Autorenliste erwartet hätte, doch tatsächlich zeichnet der britische Singer-Songwriter für das locker-flockige „Living In Paradise“ mitverantwortlich. Dafür, dass sie zweifellos legendär sind, haben BON JOVI aber über vier Jahrzehnte selbst gesorgt. Mit ihrem hymnischen Opener „Legendary“ haben sie dieser Tatsache auch gleich einmal mit einem straighten Stadionstomper eine musikalische Entsprechung verliehen. Und auch das nachfolgende „We Made It Look Easy“ treibt es mit eingängigen Ohrwurmmelodien nach vorn. Derweil gefällt „Living Proof“ mit einem satten Sound, der für einen Moment an „Livin‘ On a Prayer“ vom 1986er „Slippery When Wet“ erinnert. „Kiss The Bride“ und „I Wrote You a Song“ grüßen als emotionsgeladene Klavierballaden, doch mein Herz schlägt eindeutig mehr für das schwungvolle „The People’s House“, das wie der Teufel groovt und in Ohr und Bein geht. Wenn der inzwischen 62-jährige Bandgründer wie in „My First Guitar“ sein erstes Saiteninstrument besingt, kann ich mich dem aber auch nicht entziehen und das finale „Hollow Man“ ist in seiner Reduziertheit ebenfalls gelungen.

Neben Jon Bon Jovi sind von der ersten Besetzung noch der Drummer Tico Torres und der Keyboarder David Bryan mit von der Partie. Der Produzent und Gitarrist John Shanks zählt seit 2016 ebenfalls als Mitglied der Kapelle und fungiert auch als Songwriter auf „Forever“. Offiziell sind seit 2016 zudem Phil X (Leadgitarre), Everett Bradley (Percussion) und Hugh Mc Donald (Bass) im Team, zuvor haben die Herrschaften aber teilweise bereits über Jahre gemeinsame Sache mit der Stammmannschaft gemacht. Der eine oder andere wird dem Septett zweifellos vorwerfen, dass „Forever“ zu altersmilde geraten ist, in meinen Augen sind die Jungs schlicht in Würde gealtert und haben sich in diesem Zusammenhang auch musikalisch weiterentwickelt und auf vielfältige Einflüsse eingelassen ohne beliebig zu werden. Dafür sorgt allein schon Jons markante Stimme, die allerdings insbesondere durch jahrelanges Kettenrauchen so sehr in Mitleidenschaft gezogen war, dass Mr. Bongiovi zwischenzeitlich von Background-Sängern gepusht werden und sich 2022 einer schwierigen Stimmband-OP unterziehen musste. 2024 halten Frisur und Stimme jedoch wieder und „Forever“ ist zurecht auf #2 der deutschen Charts eingestiegen.

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