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BOOZED - Seizin’ the Day

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Artist BOOZED
Title Seizin’ the Day
Homepage BOOZED
Label KAMIKAZE RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.0/10 (1 Bewertungen)

Nichts gegen den wunderbaren Ausschnitt, der einem hier prominent unter die Nase gerieben wird, aber als Cover stellt das ein waschechtes Armutszeugnis dar: Kein Hirn, kein Humor – BOOZED eben, doch wer sich gerne in angetrunkenem Zustand mit einem Heftchen ins Badezimmer verkriecht, ist mit der TV Spielfilm besser aufgehoben. Vielleicht war es auch das einzige schmutzige Bildchen, an das die Bandmitglieder drankamen, denn ein kurzer Blick auf das Durchschnittsalter verrät uns, dass diese Jungs bis vor kurzem noch für Bier und Zigaretten bei ihren älteren Geschwistern anklopfen mussten.

Nun sind weder ein schwach ausgebildetes Gefühl für Design, noch Milchschnutengesichter ein Argument gegen eine Platte und es ist ja eine gerne übersehene Tatsache, dass alle großen Bands einmal klein und jung anfingen. Und wer vor dem Hören die Augen schließt, könnte mit gutem Recht davon ausgehen, dass hier gestandene Recken am Werk sind. Was weniger an dem großartig großmaulig auftretenden Frontmann Markus liegt, der seine Texte so schludrig wie ein besoffener Prediger herunternölt, als an dem überrumpelnden Gitarrengespann: Die Riffs sind bereits gut, doch die Soli überragend, die letzte halbe Minute von „Burning Down“ reine Saitenmagie und kugelblitzende Ekstase. An anderer Stelle singt die Gitarre mehr wie bei den alten Meistern, als bei den zumeist mehr am Effektgerät schraubenden, denn an der Melodie feilenden Neutönern, ohne dass es beschaulich, besinnlich oder gar gemütlich würde. Auch die Produktion ist auf den Punkt, direkt und mit einem angenehmen Live-Gefühl, welches sich dem Hörer auch ohne die Publikumsgeräusche im Opener „You gotta go“ erschlossen hätte. Nein, an ihren Fähigkeiten als Musiker gibt es hier weder etwas zu mäkeln, noch zu deuteln, doch fehlt im so oft entscheidenden Bereich, dem Songwriting, noch das letzte Etwas, um auf ganzer Linie zu überzeugen. Auch bekommt der Platte der leicht unentschlossene Spagat zwischen Punk und eher gemäßigtem Rock nicht so recht. Die schnellen Stücke schießen mit ihrer frech-rotzigen Attitüde beinahe übers Ziel hinaus, während „Goodbye“ und „Gun Boy“ nichts anderes als amerikanischer AOR der 80’er ist – augenzwinkernd und knackig umgesetzt zwar, aber dennoch. Ausgerechnet das ein wenig untypische „Always knocked out“ kommt mit seinem penetrant-eingängigen Ein-Akkord Gitarrenmotiv, Shakern und coolen Backingvocals noch am nahsten an einen Hit.

BOOZED sind weder lauter als der Rest, noch besser als die Besten, doch trotz einiger Unzulänglichkeiten voller Energie und Potential. Kamikaze Records hat einiges an Sachverstand und Weitsicht mit dem unter Vertrag nehmen dieses Kollektivs bewiesen. Denn mit dem nächsten Album können die Dinge schon ganz anders aussehen.

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