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BORIS GOTT - Bukowski-Land

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Artist BORIS GOTT
Title Bukowski-Land
Homepage BORIS GOTT
Label LANGSTRUMPF RECORDS
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

Nach CHRISTIAN VENUS jetzt BORIS GOTT – was für Namen! Während der erstgenannte eher auf der REVOLVERHELD-Welle schwimmt, steckt in BORIS GOTT ein legitimer Nachfolger des Ruhrgebiets-Poeten STOPPOK. Der Dortmunder hat im vergangenen Herbst sein Solo-Debüt „Bukowski-Land“ rausgebracht, das inzwischen auch beim Terrorverlag angekommen ist und das wir Euch auf keinen Fall vorenthalten wollen.

Zu schön sind die 13 Songs, die auf wunderbar lakonische Art Sorgen und Nöte des Ruhrpotts beschreibt. Die Geschichten erzählen genau wie beim titelgebenden Charles Bukowski von den Randfiguren der Gesellschaft. Egal ob Proleten, Alkoholiker, Kleinkriminelle oder Hartz-IV-Empfänger: alle finden Berücksichtigung und das mit spritzigen Gitarren- und Mundharmonika-Sounds, die ins Ohr gehen. So macht auch ein „Borderliner-Blues“ Spaß und verliert das graue „Bukowski-Land“ seinen Schrecken. Natürlich darf auch die Liebe nicht zu kurz kommen. Mal widmet sich Mr. Gott ihr auf fröhliche, positive Weise, um das geliebte Mädchen zu besingen („Rapunzel“, „Mädel of My Dreams“), mal nicht weniger fröhlich, aber nicht ganz so positiv, wenn der pragmatische Abgesang auf eine gescheiterte Beziehung ansteht („Rosamunde Pilcher (Es war nicht so wie Kino)“). Melancholische Polka-Klänge begleiten „RTL & Rohypnol“ – womöglich zwei gängige Drogen in bundesdeutschen Haushalten, bevor es ins „Ikea-Bällebad“ geht. Zitat: „Ich fühl mich frei, wie ich noch nie war, ich hab ein Häufchen reingemacht, ins Ikea-Bällebad.“ Hoffentlich findet das keine Nachahmer, obwohl… warum eigentlich nicht? Sehr schön auch der Einsatz der Melodika bei „Radiogesicht (Ich wär so gerne ein Held)“, die neben einem sehr präsenten Bass auch noch beim folgenden „Das Modell“ für Furore sorgt. Was bei Kraftwerk distanziert-unterkühlt rüberkommt, erhält hier einen heimeligen Anstrich. Bleibt noch das verträumte „Rockstar in Aserbaidschan“, mit dem BORIS GOTT einen akustischen Schlusspunkt setzt, der uns mit den Widrigkeiten des Lebens versöhnt.

Die Texte sind nachdenklich, aber nicht abgehoben, die Musik ist eingängig, aber nicht einfach. Hier wird nicht nur schwarz-weiß gemalt, sondern die verschiedenen Facetten des Abenteuer Lebens beleuchtet. Wie sagt BORIS GOTT so schön: „Es ist nicht leicht ein Mensch zu sein.“ Poesie ohne Pathos mit der passenden, gleichsam wehmütigen und fröhlichen Folk- und Bluesuntermalung.

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